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Hannover Einbetonierte Leiche: Freundin des Angeklagten sagt aus
Nachrichten Hannover Einbetonierte Leiche: Freundin des Angeklagten sagt aus
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16:17 31.01.2019
Der Angeklagte Sven H. mit seinen Anwälten vor Gericht in Göttingen. Quelle: Heidi Niemann
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Göttingen/Hannover

Eine junge Frau aus Hannover ist die Hauptzeugin in einem Mordprozess am Göttinger Landgericht. Die 26-jährige BWL-Studentin war mit dem Angeklagten Sven H. gerade wenige Wochen liiert, als dieser im September 2017 seine eigene Mutter mit einem Schürhaken umgebracht haben soll. Danach soll der 47-Jährige die Leiche in einer Blumenbank im Wohnzimmer einbetoniert haben. H. tötete seine Mutter zu Hause in Herzberg demnach aus Habgier, der Prozess begann Ende November. Nun sagte seine einstige Lebensgefährtin mehrere Stunden sagte vor Gericht aus.

Rund zwei Monate vor dem Mord hatte die BWL-Studentin Sven H. bei einer Wanderung von Husky-Fans im Deister kennengelernt. Sofort war die 26-Jährige begeistert von ihm. „Es war wie im Märchen“, sagte sie vor Gericht. „Ich war extrem verliebt und überzeugt, dass das der Mann ist.“ Zur Wanderung kam H. mit Verspätung angebraust, war als einziger professionell mit Bauchgurt ausgerüstet. Dass er seine vier angegurteten Hunde halten konnte, habe sie sehr bewundert, berichtete sie. Danach gab es immer wieder Situationen, die ihr so vorkamen, als hätte das Schicksal ihr genau diesen Mann zugedacht.

Heiratsantrag war „sehr märchenhaft“

Sie hatten so viele Gemeinsamkeiten, vor allem aber hatten sie den gleichen Traum: Seit frühester Kindheit träumte sie davon, auf einer Husky-Farm mit vielen Schlittenhunden in Skandinavien zu leben. Sven H. war offenbar ein „genauso bekloppter Husky-Wahnsinniger, wie ich es bin“, sagte die 26-Jährige. Dann ging alles ganz schnell: Er zog zu ihr nach Hannover, fuhr weiter täglich zu seinen Eltern nach Herzberg. Zwei Wochen nach ihrer ersten Begegnung machten sie einen Ausflug zum Schloss Marienburg. Er kniete im strömenden Regen vor ihr, machte ihr einen Heiratsantrag und fischte einen Verlobungsring aus der Hosentasche. „Das war sehr märchenhaft“, sagte die 26-Jährige aus.

Ihre Eltern waren nicht so begeistert, ihnen ging das Ganze zu schnell. Sie bestand dann darauf, auch seine Eltern kennenzulernen. Ende August fuhren sie nach Herzberg. Die Mutter sei sehr befremdet gewesen und habe sie angeguckt, „als ob ich ein Staubsaugervertreter wäre“. Den Vater habe sie nicht kennengelernt, da dieser in Tagespflege gewesen sei. Das Haus habe einen relativ verwahrlosten Eindruck gemacht. Sie habe den Eindruck gehabt, dass die Mutter mit ihrem dementen Mann völlig überfordert gewesen sei und dringend Hilfe gebraucht hätte. Sven H. sei dazu nicht willens gewesen, sondern habe nur genervt reagiert. Er habe unbedingt das Haus verkaufen wollen, was seine Mutter strikt abgelehnt habe.

Er brachte immer Geldbündel mit

Nach Angaben der 26-Jährigen hatte sie ihn mehrfach nach seinen finanziellen Verhältnissen gefragt. Er habe gesagt, dass er für Jaguar und Landrover Betriebsanleitungen übersetze und gut verdiene. Außerdem habe er vor Jahren Apple-Aktien gekauft, die heute Millionen wert seien, und verfüge zudem über einen weiteren Puffer: Er habe unschuldig in Südafrika im Gefängnis gesessen und dafür ein hohes Schmerzensgeld erhalten. „Immer wenn er aus Herzberg zurückkam, hatte er ein großes Bündel Bargeld dabei“, sagte die Zeugin vor der Schwurgerichtskammer.

Heute weiß sie, dass er immer neue Lügengeschichten aufgetischt hat, dass das Bargeld vom Konto seines Vaters stammte, dass er keineswegs unschuldig in Haft gesessen hatte, dass er keinen Job und keine Aktien hatte, sondern nur Schulden. Damals glaubte sie ihm, setzte alles auf eine Karte, verkaufte ihr Auto, kündigte ihre Wohnung, um nach dem Masterabschluss mit ihm ihren Traum von der Husky-Farm zu verwirklichen. Kurz vor ihrer Abreise aus Deutschland, als sie gerade mit Bravour ihre Masterprüfung bestanden hatte, soll er seine Mutter mit einem Schürhaken erschlagen haben. Das Verbrechen kam erst Monate später nach einem Hinweis ans Licht. H. hatte sich in der Zwischenzeit bereits nach Schweden abgesetzt, dort wurde er schließlich im Mai 2018 festgenommen.

Von Heidi Niemann

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