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Hannover Dietrich-Bonhoeffer-Kirche wird Schauplatz eines Geiseldramas mit Todesopfer
Nachrichten Hannover Dietrich-Bonhoeffer-Kirche wird Schauplatz eines Geiseldramas mit Todesopfer
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15:33 08.07.2019
Die Musik- und Theatergruppe (MUT) der Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde, bestehend aus 15- bis 30-Jährigen, führte das Theaterstück „Geisel“ auf, das sie selbst erarbeitet hatte. Quelle: Laura Ebeling
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Roderbruch

 Frei erfunden und doch beängstigend real: In einem Putzraum ohne Fenster waren sie eingesperrt und wussten nicht, wie es für sie weitergehen sollte. Elf der besten Schüler in Biologie, Chemie und Physik aus Hannover waren als Geisel im M&T-Chemiewerk genommen worden. Gut versorgt mit Essen und Getränken, aber ohne Uhrzeit oder Kontakt zur Außenwelt, machten die Schüler gemeinsam Höhen und Tiefen durch. Zwischen den Gefühlen der Angst vor dem Ungewissen und vor ihren Entführern sowie dem Plan, aus dem Raum auszubrechen und sich ihnen zu widersetzten, wurde von den Schauspielern der Musik- und Theatergruppe (MUT) der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche alles überzeugend dargeboten. Das Hauptaugenmerk des Theaterstücks „Geisel“ lag dabei auf dem sozialen Verhalten jedes Einzelnen in Ausnahmesituationen.

Aufführungen nach einem Jahr Arbeit

Einfühlsam, egoistisch, vermittelnd oder impulsiv: Das komplette Stück und die Rollen waren von den 14 Laienschauspielern im Alter von 15 bis 30 Jahren selbst vorgeschlagen und von Pastor und Theaterpädagoge Thomas Holzvoigt ausgearbeitet worden. Ein Jahr lang hatten sie gesammelt, das Skript verbessert und geprobt. Zur letzten von drei Aufführungen waren rund 80 Zuschauer jeden Alters in die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche gekommen. „Ich bin bereits ein zweites Mal hier, weil es so toll war“, sagte eine Besucherin vor der Vorstellung. Für das rund eineinhalbstündige Stück wurde auch der Altarbereich der Kirche im Roderbruch komplett zur Bühne umfunktioniert.

Die Dietrich Bonhoeffer Kirchengemeinde wurde kurzerhand zur Theaterraum umfunktioniert. Quelle: Laura Ebeling

Die Aufführung begann mit einem fiktivem ARD-Brennpunkt, der in regelmäßigen Abständen weiter von der Geiselnahme berichtete. Während die Schüler unwissend über das Ziel und die Forderungen der Entführer und eher mit sich selbst beschäftigt waren, wurden nach und nach die Bedingungen der Geiselnehmer verraten. Sie wollten die Abschaffung von Chemiewaffen, eine konsequente Verfolgung der Täter sowie Hintermänner und eine gerechte Bestrafung erreichen. Die Bundesregierung setzte – ein wenig unrealistisch – einen Gesetzesentwurf mit diesen Forderungen auf, der sofort beschlossen wurde. Als die Geiselnehmer das bestätigt bekamen, ließen sie ihre Gefangenen frei – ein Schüler allerdings schaffte es nicht. Er starb noch in dem Chemiewerk an Herzversagen. Unter tosendem Applaus verabschiedeten sich die Akteure schlussendlich von ihrem Publikum.

Jedes Mal ein anderer Schwerpunkt

Bereits seit 35 Jahren erarbeitet Thomas Holzvoigt Theaterstücke mit Jugendlichen und Erwachsenen und setzt diese dann um – seit fünf Jahren in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche im Roderbruch. „Der Kern der Gruppe ist auch schon seit diesem Zeitpunkt dabei“, erzählt der Pastor. Das merke man auch beim Schauspiel. Jedes Jahr würden die Mitwirkenden einen anderen Schwerpunkt setzen – jetzt seien es vor allem die Geiselnahme und Chemiewaffen gewesen, so Holzvoigt.

„Wir können Ideen geben, dann schreibt Herr Holzvoigt was Gutes daraus und ist auch bereit, auf nachträgliche Wünsche einzugehen“, beschreibt Helge das Vorgehen. Er selbst ist seit 2013 bei MUT dabei. Einmal in der Woche treffen sich die Laienschauspieler, außerdem gibt es ein Probenwochenende. Nach den Sommerferien bricht die nächste Spielzeit von MUT an und es werden noch Mitspieler gesucht. „Es steht ein bisschen ein Umbruch an, weil viele jetzt mit der Schule fertig sind“, erklärt Holzvoigt. Das Angebot sei für jeden aus der Nachbarschaft offen, fügt er hinzu.

Von Laura Ebeling

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