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Hannover Stiftung öffnet ihren Garten inmitten der Stadt
Nachrichten Hannover Stiftung öffnet ihren Garten inmitten der Stadt
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17:34 09.07.2018
Im Hintergrund ragen die Türme des Heizkraftwerks Linden auf und zeigen an, dass man sich mitten in der Stadt befindet. Die Johann Jobst Wagenersche Stiftung hat hier einen Garten geschaffen – mit viel Liebe zum Detail. Aus einer durch Bautätigkeit völlig ruinierten Fläche ist ein grüne Oase entstanden. Quelle: Fotos: Schaarschmidt (4)
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Calenberger Neustadt/Mitte

In den wuchernden Wildblumen summen die Bienen, über einen kleinen Teich taumeln Libellen, und im großen alten Nussbaum zwitschern Vögel. Es ist tatsächlich eine kleine Oase mitten in der Stadt, die im Innenhof der Johann Jobst Wagenerschen Stiftung direkt neben dem Üstra-Depot Glock­see entstanden ist. In einem schmucken denkmalgeschützten Gebäude aus der Gründerzeit unterhält die Stiftung eine Wohnanlage für ärmere Menschen, die sie von 2015 bis 2017 sanieren ließ. Nach den Bauarbeiten glich der Innenhof einer zerpflügten Brachfläche – dem Vorstand stellte sich die Frage, wie der Garten künftig aussehen könnte. Zurück zu einer eher monotonen Rasenfläche mit schmalen Rabatten wollte niemand.

„Bei uns leben Menschen, die große Anspannung fühlen“, berichtet Stiftungsvorsteher Reinhold Fahlbusch. Die Mieter seien durch Armut, oft auch Krankheiten gezeichnet. „Manche rennen grußlos vorbei, weil sie nur sich selbst wahrnehmen.“ Der Garten soll nun dabei helfen, diese Isolation aufzubrechen. Fahlbusch und seine Vorstandskollegen holten sich Hilfe bei der Leibniz-Universität. Landschaftsarchitektin Anthea Rakebrandt entwarf in ihrer Bachelorarbeit eine Gestaltung für den Garten, der Bund für Umwelt und Naturschutz gab Ratschläge zur Ansiedlung von Insekten und Vögeln.

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Seit Tische und Bänke unter dem Nussbaum stehen, treffen sich nun manche Bewohner dort auf einen Kaffee. Eine Holzhütte am Rande des Hofes dient ebenfalls als Treffpunkt für die Mieter, die dort bereits einmal gemeinsam Weihnachten gefeiert haben. „In der Hütte hat ein Rotschwänzchen seine Jungen aufgezogen“, erzählt Fahlbusch. Der Vogel hatte sich an einem Dachsparren sein Nest gebaut. Am großen Wohngebäude hat die Stiftung Nistplätze für Mauersegler und Fledermäuse einrichten lassen. Mieterin Veronika Ebeling kümmert sich fürsorglich um die Goldfische im neu angelegten Gartenteich, die sie regelmäßig füttert. Das Wasser hat im Frühjahr sogar eine Ente zum Brüten bewogen, die rund ein Dutzend Küken im Innenhof aufzog. Für die Mieter steht ein Strandkorb neben einer kleinen Sandfläche bereit.

Aus Bodenaushub für die Feuerwehrzufahrt entstanden Hochbeete, um deren Bewirtschaftung die Bewohner losten. Nun gedeihen dort Kartoffeln neben Kornblumen, es sprießen Edelweiß und Brunnenkresse. Dahinter hat Hobbyimker Martin Weber vier seiner Bienenvölker angesiedelt.

„In diesem dichtbesiedelten Gebiet ist so ein Garten für Insekten und Vögel besonders wichtig. Gerade bei einer Fassadensanierung verschwinden Nistplätze sonst meist“, betont Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette. Im Garten entstand außerdem eine kleine Sportanlage mit Fitnessgeräten, die allen Bürgern offen steht. Die Klinik für Sportmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover gab dafür Hilfestellung.

Die Öffnung dieses Teils des Gartens für Nachbarn soll ebenfalls der Isolation der Bewohner entgegenwirken. „Eine Walking-Runde des Kommunalen Seniorenservice trifft sich bereits hier zum Aufwärmen“, berichtet Fahlbusch. Aktuell leben 82 Menschen in den 78 Wohnungen der Stiftung. Die Mieter haben nur geringe Einkünfte und hätten auf dem freien Wohnungsmarkt kaum eine Chance. Die Stadt hat das Belegungsrecht für die Hälfte der Wohnungen und teilt sich mit der Stiftung die Kosten für einen Sozialarbeiter.

Finanziert haben die 140 000 Euro teure Gartengestaltung der Bezirksrat Hannover-Mitte, die Stiftung Sparda-Bank Hannover, die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung, ein privater Spender und die Stiftung selbst. Allein die neue Feuerwehrzufahrt durch den Innenhof schlug dabei mit 75 000 Euro zu Buche.

Sportangebot für alle

Die kleine Sportanlage im Innenhof der Stiftung steht tagsüber allen Bürgern offen. Die Outdoor-Trainingsgeräte eignen sich auch für Senioren und Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Im Sommer läuft angeleitetes Training im städtischen Programm „Sport im Park“. Ein Sportwissenschaftler bietet kostenlos und ohne Anmeldung Übungsstunden. Montags läuft bis 27. August von 17 bis 18 Uhr „Fitness nach dem Wochenende“ für Teilnehmer ab 18 Jahre. Dienstags gibt es bis 28. August zwei Angebote. Um 10 Uhr läuft ein Kurs für Senioren ab 60 Jahre. Übungen für Menschen mit leichten gesundheitlichen Einschränkungen zeigt der Trainer dienstags um 14 Uhr. Die Johann Jobst Wagenersche Stiftung liegt in der Theodor-Krüger-Straße 3.

Von Bärbel Hilbig