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Hannover Schulleiterin Elisabeth Holtkamp geht in den Ruhestand
Nachrichten Hannover Schulleiterin Elisabeth Holtkamp geht in den Ruhestand
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12:07 27.01.2019
„Lebensraum für Kinder gestalten“: Elisabeth Holtkamp, Rektorin der Grundschule Lüneburger Damm, geht in den Ruhestand. Quelle: Tim Schaarschmidt
Heideviertel

„Lebensraum für Kinder gestalten“ – mit diesem Ziel ist Elisabeth Holtkamp Lehrerin geworden. Und das ist seitdem ihr pädagogisches Credo geblieben. Sie wollte nicht einfach nur Schülern bestimmte Fachkenntnisse in Mathematik oder Deutsch beibringen, sondern auch eine besondere Beziehung zu ihnen aufbauen. Deshalb sei sie auch nicht Gymnasiallehrerin, sondern Grundschulpädagogin geworden. Schule sei längst nicht mehr nur ein Lernort, sagt die Rektorin der Grundschule Lüneburger Damm, es sei auch ein Lebensort.

Schultage werden länger, hier erleben inzwischen Kinder auch Sport und Kultur. Viele Grundschüler verbringen mehr Stunden des Tages in der Schule, als sie ihre Eltern zuhause sehen. Von den 420 Kindern der Grundschule Lüneburger Damm nehmen rund 300 am Ganztagsangebot teil, täglich sind durchschnittlich mehr als 200 Schüler nachmittags in der Schule.

Abschied nach 40 Jahren im Schuldienst

Ende Januar geht Holtkamp nach 40 Jahren im Schuldienst in den Ruhestand. Seit zwölf Jahren ist sie Leiterin der Grundschule im Heideviertel. Schon als Kind hat sie Nachhilfe gegeben, sich in der kirchlichen Jugendarbeit engagiert. Nach dem Studium in Münster und Referendariat in Köln hat sie fünf Jahre an einer Schule in Duisburg gearbeitet. Sie hatte eine Zwei-Drittel-Stelle, in den Achtzigerjahren – zu Zeiten der Lehrerschwemme – waren volle Stellen Mangelware. Sie hatte viele Migranten in ihrer Klasse: „Ich habe auch ein bisschen Türkisch gelernt“, sagt Holtkamp schmunzelnd. Deutsch als Zweitsprache war schon damals ein wichtiges Thema.

Als ihr Mann ein Jobangebot in Hannover bekam, zog sie mit, legte eine Familienpause ein und bekam zwei Söhne (mittlerweile 36 und 33 Jahre alt). Sie arbeitete dann mehr als zehn Jahre an der Commeniusschule in der List. Hier engagierte sie sich als Personalrätin und war zeitweise kommissarische Konrektorin, merkte, dass es ihr Spaß machte, „Schule zu gestalten“. Im Jahr 2000 wechselte Elisabeth Holtkamp als Konrektorin zur Kardinal-Galen-Schule nach Misburg, 2007 wurde sie Schulleiterin an der Grundschule Lüneburger Damm, wo 70 Prozent der Schüler aus Migrantenfamilien kommen.

Lerngruppen werden immer unterschiedlicher

Der Ganztagsausbau war ihr immer ein großes Anliegen: „Wir haben viele Kinder aus benachteiligten Familien, die müssen wir auch außerhalb des Unterrichts unterstützen.“ Erst nahm die Schule am Programm „Schule im Stadtteil“ teil, 2010 gehörte sie zu den ersten acht offenen Ganztagsschulen in Hannover. „Ich möchte Kindern die Freude am Lernen vermitteln, aber auch einen Lebensraum Schule schaffen, an dem man sich wohlfühlt, vielleicht auch Anregungen für Hobbys bekommt.“ Soziales Lernen hält die Rektorin für sehr wichtig, nicht umsonst lautet das Motto der Schule „Miteinander lernen und leben“.

In den vergangenen zwölf Jahren habe sich Grundschule sehr verändert, sagt Holtkamp. Der Dokumentationsaufwand sei enorm gewachsen. Die Lerngruppen würden immer heterogener. Inklusion, also der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung, sei hinzugekommen, in den Klassen seien heutzutage mehrere Erwachsene und nicht nur ein Lehrer. Die 420 Kinder werden von 60 bis 70 Mitarbeitern betreut, darunter 35 Lehrern. Außerdem gibt es Logopäden, Ergotherapeuten und Schulbegleiter. Ein Lehrer könne sich unmöglich allein um 26 Kinder kümmern, von denen eigentlich jeder einzelne einen individuellen Lehrplan brauche. Ihr Wunsch: „Zwei Pädagogen durchgängig für jede Grundschulklasse.“ Die Grundschule hat eine Kooperationsklasse mit der Ludolf-Wihelm-Fricke-Förderschule. „Manche Kinder brauchen eine kleine Lerngruppe“, sagt Holtkamp.

2015 kamen im Zuge der Flüchtlingswelle auch vermehrt Kinder ohne Deutschkenntnisse in die Schule. Mit ein bisschen Sprachförderung sei es nicht getan, mahnt die Rektorin. Auch wer sich auf Deutsch ganz gut verständigen könne, beherrsche noch längst nicht Deutsch als Bildungssprache. „Das ist ein großer Unterschied.“

Seit 2014 ist die Grundschule musikalische Grundschule, hat ein Streichorchester und eine Schulband. Musik ist in allen Klassen ein Schwerpunkt.

Endlich Urlaub außerhalb der Schulferien

Die 63-Jährige geht in den vorzeitig in den Ruhestand. Sie freut sich darauf, endlich mal nicht in den Schulferien Urlaub machen zu müssen, sie freut sich auf Tage, die nicht durch Schule bestimmt sind. Sie möchte mehr ins Theater gehen, Kunstausstellungen besuchen, ihre Enkelkinder sehen, Sport treiben, vielleicht Klavier lernen und einfach auch mal gar nichts machen.

Von Saskia Döhner

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