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Nachrichten Hannover Wie verändern E-Scooter Hannovers Straßen?
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00:18 20.06.2019
Verkehrsexperten diskutieren beim HAZ-Forum: Thomas Kliewer von der Polizeidirektion (von links), Rüdiger Prang von Volkswagen Nutzfahrzeuge, Dirk Fastabend von Orange Bike Concept Hannover und der städtische Tiefbauamtsleiter Andreas Bode. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Thomas Rätzke ist begeistert von seinem neuen Fortbewegungsmittel. Wenn er in Hannovers City muss, stellt der Geschäftsführer der Langenhagener Firma Umwelt Druckhaus sein Auto in einem Stadtteil der Landeshauptstadt ab, in dem sich gut ein Parkplatz finden lässt und legt die letzten zwei bis drei Kilometer mit seinem E-Scooter zurück. „Das klappt bestens“, sagt er. Ohne Stress und mit dem guten Gefühl, umweltbewusst unterwegs zu sein. Seit rund drei Wochen steigt Rätzke auf den Elektrotretroller. Als feststand, dass die Mini-Fahrzeuge für den Straßenverkehr zugelassen werden, machte er mit der Versicherung schnell alles klar – und rollte los.

Grünes Licht vom Bund für E-Scooter

Der Unternehmer gehört zu den Ersten, die auf diese Weise auf Hannovers Straßen und Radwegen unterwegs sind. Am 15. Juni ist eine Bundesverordnung in Kraft getreten, die die E-Scooter als neues Verkehrsmittel im Straßenverkehr erlaubt. Und nach dem grünen Licht, das der Bund gegeben hat, stellt sich nun die Frage, ob und wie die wendigen Roller das Stadtbild und die Verkehrssituation in Hannover verändern werden.

Darüber diskutierten die Experten beim HAZ-Forum am Montagabend in der Volkshochschule. Gekommen waren der städtische Tiefbauamtsleiter Andreas Bode, Thomas Kliewer von der Polizeidirektion Hannover, Dirk Fastabend von Orange Bike Concept Hannover, der die Scooter verkaufen wird, und Rüdiger Prang von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) – der Autokonzern will ein Elektrolastenrad auf den Markt bringen.

Gefahr auf der Straße?

Ob künftig schwere Unfälle wie in Paris drohten, wo der Fahrer eines E-Scooters mit einem Lastwagen zusammenstieß und verstarb, wollte HAZ-Redakteur Conrad von Meding wissen, der die Veranstaltung moderierte. „Wir sind relativ entspannt“, entgegnete Polizeivertreter Kliewer. Zunächst habe man „große Bauchschmerzen“ gehabt, weil geplant war, schon Zwölfjährige auf die Tretroller zu lassen und auch Fußgängerzonen dafür freizugeben. Nun liegt das Mindestalter bei 14 Jahren. Die Roller, die bis zu 20 Stundenkilometer schnell sein dürfen, müssen auf den Radwegen fahren – gibt es keinen Radweg, müssen sie auf der Straße rollen. Unterm Strich, sagte Kliewer, würden die E-Scooter „wie Fahrräder“ behandelt, auch eine Helmpflicht gibt es nicht. Der Verkehrsexperte sieht unterm Strich „eine Chance für eine neue Mobilität“.

Tiefbauamtschef Bode sagte, es gebe bereits Anfragen von Unternehmen, die die Roller im Verleih anbieten wollen. Konkrete Zahlen lägen aber noch nicht vor. „Wir müssen abwarten, wie das Miteinander auf den Radwegen funktioniert und wie sich alles weiter entwickelt.“ Sicher ist: Die Stadt kann keinem Anbieter untersagen, Mietroller im Stadtgebiet aufzustellen. Allenfalls Einschränkungen seien möglich, wenn es etwa um Parks oder denkmalgeschützte Bereiche gehe.

„Eine Verkehrsrevolution“

Abzuwarten hält Jens-Ulrich Müller für eine schlechte Lösung. Der Unternehmer vertreibt mit seiner an der Podbielskistraße ansässigen Firma E Scooter Shop die neuen Fahrzeuge. Radwege und Straßen in der Stadt seien teilweise in so schlechtem Zustand, dass es eine Gefahr sei, sie mit Elektrorollern zu nutzen, meinte Müller. Die Stadt müsse hier nachbessern: „Sie haben eine Aufgabe zu tun“, wandte er sich an Bode. Jeder Vierte wolle sich einen E-Scooter kaufen. Emphatisch plädierte Müller für „eine Verkehrsrevolution – warum macht man nicht einfach eine Fahrspur auf der Podbi frei für Fahrräder, Pedelecs und E-Scooter?“

Unternehmer Thomas Rätzke (links) und Händler Jens-Ulrich Müller sind von den neuen E-Scootern überzeugt. Quelle: Irving Villegas

Bode bremste den Elan. Momentan machten die Radfahrer in Hannover einen Anteil von 19 Prozent am Verkehrsaufkommen aus, erklärte er. Erst wenn 25 oder 30 Prozent erreicht seien, könne man darüber nachdenken, ob und wie der für Autos verfügbare Straßenraum verändert werden müsse und ein weiterer Ausbau für Fahrräder nötig sei. Engpässe auf den Radwegen gebe es derzeit nicht, stellte er klar: „Davon sind wir Lichtjahre entfernt.“

Dem widersprach eine Zuhörerin aus dem Publikum energisch: „Schon jetzt tummeln sich die Radfahrer auf den Verkehrsinseln“, sagte sie. Kämen noch E-Scooter hinzu, werde der Raum auch für Fußgänger immer enger, und die Unfallgefahr steige. Ein Zuhörer plädierte für mehr Gelassenheit: „Die Inline-Skater hat man auch erst verteufelt, und jetzt haben sie sich gut in das Miteinander von Fußgängern und Radfahrern eingefügt.“

Viele ältere Interessenten

Die Entwicklung hin zum Elektroroller lasse sich nicht aufhalten, erklärte Händler Dirk Fastabend, der sein Geschäft in der Osterstraße betreibt. „Das ist nicht nur ein Hype, sondern es wird sich als Mobilitätsform durchsetzen.“ Längst nicht nur junge Leute interessierten sich für die neuen Roller: „Zwei Drittel, derjenigen, die bei uns anfragen, gehören zu der Generation 60 plus.“ VWN-Vertreter Rüdiger Prang sieht auch das von dem Autobauer konzipierte und bald serienreife E-Lastenrad als „ein Thema, wie Elektromobilität in die Städte kommen kann.“

Erfahrungen aus einer deutlich größeren Stadt als Hannover konnte Zuhörer Sven Nagler beisteuern: Wenn er beruflich in London sei, steige er häufig auf den E-Scooter um, berichtete er. „Da gibt es viel mehr davon, als hier wohl je fahren werden – und es klappt.“

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