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Hannover Hannover 96 steigt ab – und keiner trauert so recht
Nachrichten Hannover Hannover 96 steigt ab – und keiner trauert so recht
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00:18 14.05.2019
Alte Herren, erste Reihe, beim öffentlichen Training. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

 Die Lage auf dem Platz war mal wieder bescheiden bis hoffnungslos. Niederlage folgte auf Niederlage, der neue Trainer mühte sich erfolglos, etablierten wie zugekauften Spielern ein erfolgreiches System beizubringen. Am Rand der Fußballübungen von Hannover 96 lästerten eingesessene Kiebitze, diese stoischen Beobachter am Spielfeldrand, über Schussversuche und Einkaufspolitik des Klubmanagers, die natürlich eine Falsche war.

Doch alles Üben nützte nichts. Trainer Thomas Schaaf holte nicht die erwarteten Punkte gegen den Abstieg, wurde deshalb kurz vor Ladenschluss durch den noch neueren Daniel Stendel ersetzt, der auf sogenannte Verstärkungen wie den Stürmer Hugo Almeida lieber verzichtete, ein Portugiese, der nach eigener Aussage beim Wintertransfer zu „50,60 Prozent fit“ war. Die Mannschaft zuvor hatte Dirk Dufner zusammen gestellt, kurz danach fiel ihm auf, dass er den Verein lieber verlassen wollte. Er durfte. An einem Februarmorgen 2016, nach acht verlorenen Partien in Folge, kam Helmut Lange hinter einem Fangzaun zu dem traurigen Schluss: „96, das ist ein Amateurverein.“

Helmut Lange, seit Jahrzehnten Zaungast beim Profitraining. Quelle: Katrin Kutter

Drei Jahre später. Wenig hat sich verändert. Lange, Fan seit 55 Jahren, kommt immer noch zum Training der Profis, auch am vergangenen Mittwoch vor dem mutmaßlich letzten Heimspiel von Hannover 96, war er Zaungast. Etwa zwei Dutzend weitere Fans sehen noch zu, in diesen Zeiten ist der Zaungast eine vom Aussterben bedrohte Art. Der neueste Trainer heißt Thomas Doll, auch er wird womöglich nicht genug Punkte gegen den Abstieg holen. Im Kader sind Spieler wie Walace, der coole Strandbilder aus Brasilien postete, während die Kollegen zu Hause, im kühlen Hannover, eine Art Straftraining ableisteten. Horst Heldt, der Manager, wurde bereits entlassen, auch er wollte schon lange vorher weg vom Klub. Alles schon mal da gewesen, Lange ist Zeuge. Er sagt: „Es ist zuviel Unruhe im Verein, es gibt viele Baustellen. Das fängt ganz oben an, bei Martin Kind. Er sollte sich auch mal hinterfragen.“

Der Klub steckt im Abstiegskampf, seit Monaten schon, und wieder hat man den Eindruck, dass Hannover wenig Anteil nimmt am Schicksal seines sportlichen Aushängeschilds. Damals, im Schaaf-Jahr, forderte die CDU „verstärktes Engagement der Stadtführung für den Klassenerhalt“. Aber die blieb damals ebenso aus wie heute, man weiß nicht einmal genau, wer in diesen Tagen die Stadtführung ist. Und die HDI-Arena am Maschsee war zuletzt bloß etwas mehr als zur Hälfte gefüllt, selbst als Hoffnung zu haben noch ein realistisches Gefühl war, kein utopisches wie an diesem Sonnabend. Nur 30.400 Zuschauer kamen jüngst gegen Mainz. Anteilnahme und Interesse sehen anders aus, von Identifikation ganz zu schweigen. Nicht vorstellbar, dass tausende Fans Spalier stehen für den Mannschaftsbus bei seiner Fahrt ins Stadion, wie es Werder Bremen in höchster Abstiegsnot erlebte.

Alte Herren, erste Reihen, am Mittwoch beim öffentlichen Training. Quelle: Katrin Kutter

„Die Unterstützung im Stadion könnte besser sein“, sagt Dominik Narjes, auch er ein Zaungast, und bedauert, dass es trotz sportlicher Krise viele freie Plätze gibt. Es müsste anders herum sein, meint er. Woran liegt das geringe Interesse, vielleicht an der Unruhe im Klub? Er glaubt, dass die Leute nur kommen, wenn es gut läuft. „Unruhe? Als Fan kann ich nicht sagen, ich gehe deshalb nicht ins Stadion.“ Beobachter am Spielfeldrand haben etliche Erklärungsmodelle für den Niedergang. Kind ist schuld. Heldt ist schuld. Ultras sind schuld. Dauerzoff im Klub ist schuld. Verletzungen sind schuld. Einige lustlose Spieler sind schuld. Schuld ist, dass zu viele Zuschauer nur kommen, wenn prominente Gegner vorspielen. Und vielleicht ist es so, wie Hannovers früherer Trainer Ewald Lienen mit Blick auf seinen Ex-Klub bemerkte: „Es ist schwer, erfolgreich zu sein, wenn Kontinuität und Zusammenhalt fehlen.“

„96 ist keine Einheit“

Ein Seismograf der Stimmung sitzt am Altenbekener Damm. Dort führt Andreas Kühn seit ein paar Jahren den „Stammplatz“, seine Kneipe beruht vor allem auf zwei Attraktionen: Zapfhahn und Abonnement eines Fußball-Senders. Als der Klub vor drei Jahren in die zweite Liga abstieg, fürchtete er um seine Existenz. Wer würde noch kommen, um am Sonnabendmittag bei einem Bier ein Spiel gegen Heidenheim zu sehen? Es ging dann doch, das Abstiegsgespenst streifte sein Geschäft nicht. „Alles war positiv, weil die Jungs erfolgreich waren“ und der Wiederaufstieg gelang. Diese Saison sei dagegen eine Katastrophe. Und wenn für oft fehlende Unterstützung in der Stadt gilt, was für seinen Umsatz gilt, dann ist es so: „Alles hängt von der Mannschaft ab. Ob sie läuft, beißt, spuckt und sich wehrt. Ich opfere doch nicht meine Freizeit, wenn sie auftritt wie beim 1:5 in Stuttgart.“

Jemand, der dagegen immer seine Freizeit opfert, steht bei Heimspielen in der Nordkurve bei den Ultras. Er ist ein junger Mann und kein Freund von Martin Kind. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Fragt man ihn, warum die Stadt nicht entschlossener hinter dem Klub steht, sagt er: „Ich denke, dass sich viele gar nicht mehr mit Hannover 96 identifizieren. Es ist keine Einheit, sondern ein Chaosverein.“ Für das nächste Jahr wünscht er sich, dass der Verein „mehr auf junge Spieler aus der eigenen Jugend setzt“. Es ist eine Idee, die mit Identifikation zu tun hat. Er ist damit nah bei Dominik Narjes aus der Südkurve. Seine Hoffnung ist, dass in der nächsten Saison keine Mannschaft „aus Leuten spielt, die woanders nicht gewollt waren“.

Am Ende dieser frustrierenden Saison bleiben zwei wahre Sätze. Einer stammt von Oberbürgermeister Stefan Schostok. „Die Chance zum Klassenerhalt ist da, gefühlt aber nicht mehr groß“, gesagt im Schaaf-Jahr 2016 und wieder gültig. Der so kritische wie treue Anhänger Helmut Lange stellt in diesem Mai 2019 zum wiederholten Male fest, dass das Leben eines Kiebitz aus Wandel und Dauer besteht: „Spieler kommen und gehen, ich kann den Verein nicht wechseln.“

Von Gunnar Menkens und Nicolas Haase

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