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Hannover An Auto abgestützt – Skater mit Reizgas attackiert
Nachrichten Hannover An Auto abgestützt – Skater mit Reizgas attackiert
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00:32 05.05.2018
Der angeklagte Autofahrer schwänzte die Verhandlung im Amtsgericht - ohne akzeptable Begründung.
Der angeklagte Autofahrer schwänzte die Verhandlung im Amtsgericht - ohne akzeptable Begründung. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Ein Autofahrer, der einen Skater wegen des Anfassens seines Pkw mit Pfefferspray ansprühte und verletzte, bekommt auf Antrag der Staatsanwaltschaft Hannover einen deftigen Strafbefehl zugestellt: über sechs Monate Haft auf Bewährung, einen Monat Fahrverbot plus der Aufforderung, an das Opfer 500 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Zu einer Verhandlung wegen gefährlicher Körperverletzung, die Amtsrichterin Sylvia Riedel für Mittwoch anberaumt hatte, war der 40-jährige Angeklagte nicht erschienen; die Begründung für sein Fehlen wertete Riedel als nicht ausreichend. Allerdings bleibt dem Autofahrer die Möglichkeit, gegen den Strafbefehl Einspruch einzulegen – dann wird es einen neuen Gerichtstermin geben.

Kotflügel berührt

Der Vorfall hatte sich am frühen Abend des  18. Oktober 2017 in Herrenhausen ereignet. Ein Lehramtsstudent rollte mit seinem Longboard auf dem Bürgersteig der Markgrafstraße Richtung Herrenhäuser Markt, wollte die Dangersstraße überqueren. Von rechts näherte sich das Auto des Angeklagten, nach Zeugenaussagen ein älterer VW mit erheblichen Gebrauchsspuren. Der Skater ließ den Wagen vorbei, wollte hinter ihm seinen Weg fortsetzen, als dieser plötzlich stoppte – offenbar, um rückwärts eine Parklücke anzusteuern. Um nicht zu stürzen, stützte sich der 24-Jährige mit einer Hand am linken Kotflügel des VW ab. Dann ging er nach vorne, um mit dem Autofahrer zu sprechen – und bekam nach eigener Darstellung ansatzlos einen Sprühstoß aus einer Reizgasdose verpasst.

Ein Zeuge schilderte außerhalb des Gerichtssaals seine Beobachtungen: Die Szene habe „surreal“ gewirkt, weil sich die beiden Männer überhaupt nicht ernsthaft gestritten hätten, bevor der Autofahrer zum Pfefferspray griff. Lediglich einen Satz will der Zeuge von dem 40-Jährigen vernommen haben: „Niemand fasst mein Auto an.“ Der Student konnte seinen Kopf noch ein wenig zur Seite drehen, so dass das Reizgas nur die linke Gesichtshälfte und das linke Ohr traf. Er wurde im Nordstadtkrankenhaus behandelt und verbrachte eine schlaflose Nacht. „Was mich aber besonders getroffen hat“, so der 24-Jährige, „war dieser gewalttätige Angriff ohne jede Vorwarnung.“

Von Michael Zgoll