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Hannover Große Feier für Andor Izsák im Rathaus
Nachrichten Hannover Große Feier für Andor Izsák im Rathaus
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14:05 05.07.2019
Würdige Worte: Georg Ruppel (l.) erinnerte in seiner Laudatio an Andor Izsáks Verdienste um die jüdische Kultur. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Um das Musikprogramm hatte er sich natürlich selbst gekümmert – das ist Ehrensache für Andor Izsák. Mit einer Feierstunde im Neuen Rathaus hat die Stadt den Musikprofessor jetzt zu seinem 75. Geburtstag geehrt, und prompt brachte dieser sich selbst ein Ständchen: Am Klavier begleitete er den Tenor Yoni Rose, der einen Schlager von seinem Lieblingskomponisten Jossele Rosenblatt intonierte. Außerdem spielte Izsáks Frau Erika Lux furiose Walzerklänge von Johannn Strauß, und Sopranistin Carmen Fuggiss präsentierte mit Jonathan Seers eine kurzweilige Hommage an Bach.

Andor Izsák kam zur Welt, als um ihn herum eine Welt unterging: Am 6. Juli 1944 wurde er im Getto von Budapest geboren. In seiner sehr persönlichen Laudatio erinnerte der langjährige Direktor der Leibniz-Bibliothek, Georg Ruppelt, daran, dass Izsák als Säugling fast von ungarischen Faschisten erschlagen worden wäre, wenn dies nicht ausgerechnet deutsche Wehrmachtssoldaten verhindert hätten. Zeitlebens kämpfte der Überlebende später darum, jene Musik zu bewahren, die einst in den Synagogen Europas erklang. Mit großem Einsatz habe er die Villa Seligmann zu einem Zentrum jüdischer Kultur gemacht, sagte die Erste Stadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette: „Mit ihrer zugewandten Art haben sie dazu beigetragen, dass jüdisches Leben zurückgekehrt ist.“

„Ein toller Mensch“

Zur Riege illustrer Gratulanten in der schmucken Ratsstube zählten Musikhochschulpräsidentin Susanne Rode-Breymann ebenso wie Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann und Rabbiner Benjamin Wolff, Ratsfrau Christine Kastning und Michael Fürst vom Landesverband jüdischer Gemeinden. Der frühere Propst Klaus Funke war mehr als 400 Kilometer weit angereist, er lebt heute in Zingst an der Ostsee: „Andor Izsák ist ein großer Repräsentant jüdischer Kultur – und ein toller Mensch“, sagt er. Andor Izsák dankte insbesondere dem Madsack-Aufsichtsratschef Herbert Flecken für seine langjährige Unterstützung: „Du warst immer auf meiner Seite, auch in schwierigen Zeiten“, sagte er.

Seit einiger Zeit ist der Musikprofessor im Ruhestand, in der Villa Seligmann führt sein Nachfolger Eliah Sakakushev von Bismarck die Geschäfte. Dennoch organisiert er unermüdlich Konzerte, und gerade ist er von Studioaufnahmen in Budapest zurückgekehrt. Mit dem Ungarischen Rundfunkchor hat er Stücke für eine „Anthologie der europäischen jüdischen Musik“ eingespielt. Das aufwendige Projekt der „Deutschen Grammophon“ ist auf mehrere Jahre angelegt.

„Wenn ich mich noch 25 Jahre lang gegen die gesundheitlichen Intrigen aus verschiedenen Teilen meines Körpers zur Wehr setzen kann, bin ich zufrieden“, sagt Izsák schmunzelnd. Ein echter Ruheständler wird aus ihm wohl nicht mehr werden.

Von Simon Benne

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