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Hannover Können die Kirchen Demokratie?
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20:47 09.05.2019
Kluge Debatte: Ralf Meister, Claudia Jahnel, Christoph Dahling-Sander und Arnd Henze in der Marktkirche. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Kirchenleute haben es auch nicht leicht. Die Rechten ordnen sie in der Regel dem Spektrum der naiven Gutmenschen zu. Und jetzt kommt auch aus den Reihen der Aufgeklärten eine provokante Frage: „Kann Kirche Demokratie?“. So heißt das Buch (Herder Verlag, 176 Seiten, 18 Euro), das ARD-Journalist Arnd Henze am Donnerstag vor rund 200 Besuchern in der Marktkirche präsentierte.

Das Buch sei „eine Streitschrift“, sagt Henze. Er moniert darin, dass obrigkeitshörige Protestanten lange mit der Demokratie gefremdelt hätten. Es sei eine Illusion zu glauben, dass Christen heute immun gegen Nationalismus seien, schreibt er. Henze, selbst engagierter Protestant, bemängelt Kitsch in politischen Predigten, einen Mangel an Streitkultur in der Kirche und deren zögerliche Aufarbeitung der eigenen NS-Vergangenheit.

Landesbischof Ralf Meister widersprach Henze in der Diskussion nur milde, legte aber schon Wert darauf, dass die Kirche seit Jahrzehnten eine „klare und überzeugende Haltung zur Demokratie“ habe. Pastorin Hanna Dallmeier aus der pazifistischen Nagelkreuz-Bewegung und Militärseelsorger Martin Jürgens führten zwar vor, auf wie vielfältige Weise Kirche heute politisch sein kann. Doch dann erzählten die jungen Fridays-for-Future-Aktivistinnen Lisa Steinwandel und Paula Seidensticker von ihrem Engagement – und Christoph Dahling-Sander, Geschäftsführer der Hanns-Lilje-Stiftung, musste selbstkritisch einräumen, dass diese Bewegung „weitgehend an der Kirche vorbeigegangen“ sei.

Lilje-Preis für Theologinnen

Die Demokratie-Debatte war ein Präludium für die Verleihung des Hanns-Lilje-Stiftungspreises in der Marktkirche. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung geht in diesem Jahr an die Bochumer Theologinnen Claudia Jahnel und Rebekka Klein. Der bundesweit höchstdotierte Preis, den kirchliche Stiftungen an Wissenschaftler vergeben, wird seit 2010 alle zwei Jahre verliehen.

Laudator Thomas F.W. Schodder lobte die Beiträge der Afrika-Expertin Jahnel für die Interkulturelle Theologie. Diese stießen „neue Diskurse an, die weit über die Theologie hinausgehen und das Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft fördern“, heißt es in der Begründung der Jury. Rebekka Klein, die bei der Preisverleihung erkrankt war, erforscht, wie nationalistische Bewegungen staatliche Macht religiös begründen. Kirche und Demokratie begegnen sich eben auf vielen Feldern.

Von Simon Benne

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