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Hannover Entfremdet sich die Stadt vom Land?
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00:15 02.01.2018
Landwirt Volker Hahn prüft den Ölrettich auf seinen Feldern in Haben bei Neustadt am Rübenberge.   Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Heinz Pyka geht noch jagen an diesem Nachmittag, der langsam in einen dunklen kalten Abend übergeht. In der Leinemasch wird er versuchen, ein Wildschwein aufzustöbern, und wenn er Glück hat und das Tier Pech, dann erlegt er mit Hilfe einer Gewehrkugel Sau oder Eber. Pyka ist Stadtjäger, aber das Wildschwein soll nicht sterben, weil es zur achten Plage geworden ist für den Forst, seine Bewohner oder Menschen. Es stirbt, weil ein Freund von Pyka gerne Wildschweinrücken isst und der Jäger selbst Schinken aus der Keule mag.

Wenn Pyka noch mehr Glück hat, kann er in Ruhe jagen. Dann trifft er keine Spaziergänger, die ihm Vorhaltungen machen, womöglich mit Kindern dabei, die ihn als Mörder beschimpfen. Er habe das alles schon erlebt, wenngleich mit einem Unterschied. Auf dem Land hätten Menschen mehr Verständnis. Davon berichten auch Landwirte, die sich Feldwege am Rande ihrer Äcker mit Spaziergängern, Joggern und Radfahrern teilen müssen, aber oft auf Unverständnis stoßen, wenn sie mit Treckern unterwegs sind. So, als hätten sie dort, wo sie arbeiten, eigentlich nichts zu suchen. Wer Menschen fragt, die mit Natur von Berufs wegen zu tun haben, hört immer wieder, dass Entfremdung und Unkenntnis zu Landwirtschaft und Natur wächst. Auch auf dem Land, wenn Städter aufs Dorf gezogen seien. 

Hannover: Auf der Jagd mit Jäger Heinz Pyka im Stadtgebiet. Heinz Pyka mit dem Gewehr auf dem Hochsitz Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson

Was viele Zeitgenossen für sinnloses Töten und einen Freizeitspaß halten, ist realistisch betrachtet für den Jäger dies: Ein Tier stirbt, Menschen essen es. Heinz Pyka erfüllt sich selbst den Traum etlicher Großstädter, die mit gutem Gewissen gut leben wollen. Er weiß, wo das Fleich herkommt, das er zubereitet und er weiß, dass das Tier in Freiheit gelebt hat. Für solche Informationen zahlen ernährungsbewusste Käufer an der Biotheke in gehobenen Stadtteilen eine  Menge Geld. Der Unterschied ist, dass Pyka dem Tod ins Auge sieht.  „Der Tod gehört zum Leben“, sagt er, „aber mit dem Töten wollen die meisten Leute nichts zu tun haben.“ Er erinnert sich, dass es früher viele Hausschlachter und stadtnahe Bauernhöfe gab. Die Leute seien deshalb noch näher dran gewesen am Leben und am Tod. 

Eine Frage zum Thema Entfremdung zwischen Stadt und Land: Wo kommt der Schafskäse her? Klare Antwort: vom Türken um die Ecke. Und wie heißt das Tier, das aussieht wie ein Schaf? Könnte eine Ziege sein, muss aber nicht, weil es vielleicht doch ein Schaf ist. Diese Geschichten vom Türken und den Schafziegen erzählt Angelika Bergmann als freundliche Anekdote aus ihrem Alltag. 

Die Sozialpädagogin leitet seit zwölf Jahren den Stadtteilbauernhof Sahlkamp. Hierher kommen KInder und Jugendliche, wenn Natur auf dem Stundenplan steht. Ihre Erfahrung ist, dass Wisen über die Natur und Tiere nicht sehr ausgeprägt ist. „Dass Milch von der Kuh kommt ist eher bekannt. Aber trotzdem haben Kinder zu Nutztieren immer weniger Bezug.“ Und deshalb kommt der Käse aus dem Supermarkt wie Strom aus der Steckdose. Leider sehen das auch manche Eltern so. Auf dem Bauernhof im Sahlkamp sollen Kinder erleben, wie es wirklich ist im Leben. Den Käse bringen die Tiere, die Milch und sogar die Wolle. 

Hannover - gum - Treffen bei Bauer Volker Hahn, Hagen (bei Neustadt am Rübenberge), Hagener Straße 29 - Foto Tim Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt

Landwirt Volker Hahn, 49, kennt die Geschichten. Er hat den elterlichen Hof in Neustadt am Rübenberge 1994 übernommen, er mästet Schweine und holt Kartoffeln und Getreide aus seinen Äckern, in konventioneller Landwirtschaft. In den Stall kommt nur, wer vorher Straßenschuhe auszieht und in einen Overall schlüpft, kein Keim darf die Tiere erreichen. Es riecht streng, die Schweine grunzen, ein Stall ist keine Smartphone-Welt. Als hohe Schulden auf dem Betrieb lasteten, durfte nichts schiefgehen, keine Seuche kommen und keine Krankheit den Hof lahm legen. Dafür kaum Urlaub und keine 40-Stunden-Woche. Sohn Johannes, 20, wurde in der Schule „Bauer“ gerufen, und es war klar, wie das gemeint war. 

Hahn ist ein sehr freundlicher Mann, der sein Los nicht beklagt, er hat es selbst gewählt und er ist zufrieden. In weniger optimistschen Minuten fragt er sich aber, ob die Menchen wohl jemals wieder Vertrauen in den Berufsstand gewinnen. „Ihr seid sowieso die, die die Natur zerstören, so denken viele“, sagt Hahn. „Die Leute sind kritischer geworden, aber auch maßloser.“ Im Fernsehen sehen sie Bilder von schlimmer Massentierhaltung, lesen, dass Glyphosat Grundwasser belastet und manchmal zweifelt Hahn, der auch das hannoversche Landvolk leitet, wie man dagegen ankommen soll. Und natürlich weiß er, dass Bauern selbst manches Vertrauen zerstört haben. 

Er beschreibt bäuerliche Arbeit als Spagat. Einerseits Kunden und Gesetzen gerecht werden, andererseits dem Preisdruck des Marktes Stand halten. Das passt für ihn oft nicht zusammen. Mehr Platz für Tiere, so etwas koste ebenso Geld wie die Kastration von Schweinen mit Betäubung, „mehr bezahlen fürs Fleisch wollen aber nur wenige“.  Und Pflanzenschutzmittel seien notwendig, solange Kartoffeln mit kleinen harmlosen Flecken auf der Schale praktisch unverkäuflich seien. Die Leute, sagt er, müssten einfach mehr wissen über die Zusammenhänge und Landwirten glauben, dass die nicht gedankenlos Natur zerstörten. Aber manche Menschen wüssten nicht einmal, dass Gülle auf die Felder gehöre, weil Pflanzen Nährstoffe brauchten. Volker Hahn hat einen persönlichen Kompass: Je höher das Unwissen, desto näher ist die Stadt. 

Vielleicht ist es eine gute Idee, bei Kindern anzufangen. Mehr Besuche auf Bauernhöfenin der Region  hält Angelika Bergmann für einen Beginn, aber dafür müssten Vetererinäramter weniger streng mit Auflagen sein. Heinz Pyka setzt auf Aufklärung, wo immer er kritische Fragen hört. Landwirt Hahn meint auch, dass Nähe Wissen fördert: „Auf Äcker gehen, Schweine angucken, in Schulen über Umwelt, Ernährung und Landwirtschaft aufklären.“ 

Wer diese Bewirtschaftung nicht mag, kann immer noch Vegetarier werden. 

Von Gunnar Menkens

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