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Hannover Vier Nationen paddeln im Drachenboot gegen Rassismus
Nachrichten Hannover Vier Nationen paddeln im Drachenboot gegen Rassismus
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00:40 09.05.2018
Das Boot mit Politikern und Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften entfernte sich nur wenige Meter vom Ufer – für sportliche Herausforderungen waren die Prominenten nicht gerüstet. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

 Nein, mit echtem Wettbewerb hat dieses Drachenbootrennen nun wahrlich nichts zu tun. Das geht schon damit los, dass der Vorsitzende des Sport-Clubs Hannover die Rennstrecke mit „ungefähr 200 Metern“ angibt. „Hier geht’s ja auch nicht ums Gewinnen, sondern um den Spaß und um die Botschaft“, sagt Herbert Pinnecke.  Die Botschaft steckt im Titel der Veranstaltung, die an diesem Sonntag zum 13. Mal über die Bühne geht: „Wir sitzen alle in einem Boot für mehr Toleranz“. Da ist es so gesehen auch egal, dass der kräftige Wind die ungeübten Besatzungen der neun Boote derart anbläst, dass die Startlinie zu einem äußerst dehnbaren Etwas wird. Und wer erwartet, dass die Padddel der bunt gemischten Teams aus vier Nationen synchron ins Maschseewasser eintauchen – der verlangt wahrlich zu viel.

Reaktion auf Brexit

In diesem Jahr ist Großbritannien Gastland der Goodwill-Veranstaltung, als Reaktion auf den Brexit-Beschluss. Doch begrüßt Cheforganisator Werner Hohlbein nicht nur eine Schülergruppe aus Bristol, sondern auch junge Leute aus der chinesischen Stadt Changde und dem russischen Tjumen. Beide Städte haben etwa so viele Einwohner wie Hannover; Russland war 2015, China 2017 Partnerland der multikulturellen Drachenboot-Veranstaltung. Schlagzahl und beste Zeiten interessieren auf dem Maschsee aber nur am Rande – denn hier gewinnen alle.

„Wir sagen ,NEIN’ zu Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus und  Religionsfanatismus!“ Das ist das Credo des ehrenamtlichen Teams, das jedes Jahr auf Neue und mit rührendem Eifer für die gute Sache wirbt. Dass die Organisatoren nicht falsch liegen, zeigt sich auch an der großen Schar von Unterstützern und Sponsoren: Land, Region und Stadt sowie etliche Stiftungen, Vereine und Firmen sitzen mit in diesem Boot. Der Erlös des Nachmittags, der nach dem Kräftemessen der neun Crews in ein mehrstündiges Kulturprogramm mündet, ist für Kinder mit Klumpfüßen aus dem Ausland bestimmt, die im Annastift behandelt werden. 

Prominente an Bord

Für das obligatorische Symbolbild wagen sich auch 2018 wieder etliche Prominente auf eines der wackeligen Drachenboote: Martin Tenge etwa (Probst der katholischen Kirche), Hans-Martin Heinemann (evangelischer Stadtsuperintendent), Ingrid Wettberg (Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde) oder Seyhan Öztürk (Vorsitzende des türkischen Elternvereins), außerdem Politiker wie Yasmin Fahimi, Kirci Alptekin und Thomas Hermann. Doch ihnen reicht es, sich nur wenige Meter vom Ufer zu entfernen – für sportliche Herausforderungen sind sie an diesem Sonntag nicht gerüstet.

Dem Brexit ein klein wenig Positives abgewinnen kann Birgit Honé, eine der Rednerinnen an der Maschseequelle: „Die Jugend Europas steht auf und sagt: So haben wir uns das nicht vorgestellt mit einem einigen Europa.“ So sei die Zahl der Studenten aus anderen Ländern, die in England studieren, unmittelbar nach der Brexit-Abstimmung eingebrochen, erläutert die Niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten. Jetzt aber sei diese Zahl „erfreulicherweise“ wieder deutlich in die Höhe geschnellt. Nichtsdestotrotz stehe immer noch ein großes Fragezeichen hinter Austauschprogrammen wie Erasmus. „Was passiert nach 2020?“, lautet die rhetorische Frage von Honé. Vielleicht gewinnen private Initiativen wie das multikulturelle Drachenbootrennen in Hannover dann noch mehr an Bedeutung, als sie eh schon haben. 

Von Michael Zgoll

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