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Hannover Bessere Perspektiven: Haus des Jugendrechts soll straffälligen Jugendlichen helfen
Nachrichten Hannover Bessere Perspektiven: Haus des Jugendrechts soll straffälligen Jugendlichen helfen
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16:15 22.11.2019
Sie haben die Kooperationsvereinbarung unterschrieben (v. l.): Henning Meier (Leiter Staatsanwaltschaft Hannover), Götz Wettich (Präsident Amtsgericht Hannover), Ralf Leopold (Leiter Zentraler Kriminaldienst Polizeidirektion Hannover), Andrea Hanke (Dezernentin Soziale Infrastruktur Region Hannover), Rita Maria Rzyski (Bildungsdezernentin Stadt Hannover), Klaus Steffens (stellvertr. Bezirksleiter Hannover Ambulanter Jugendsozialdienst Niedersachsen), Mirko Heuer (Bürgermeister Langenhagen), Thomas Schrader (Fachbereichsleiter Jugend und Soziales Laatzen). Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Es gibt ein neues Gebäude in der Stadt, doch es hat keine Mauern: Am Freitag haben acht Vertreter aus Kommunalpolitik, Fachverwaltungen, Justiz und Polizei eine Kooperationsvereinbarung für ein Haus des Jugendrechts unterzeichnet. Die Kommunen Hannover, Laatzen und Langenhagen sowie die Regionsverwaltung sind nun unter diesem virtuellen Dach angesiedelt, ebenso das Amtsgericht, die Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion Hannover sowie der Ambulante Jugendsozialdienst Niedersachsen. Ziel ist, durch eine engere Zusammenarbeit der Institutionen auffällig oder straffällig gewordene Jugendliche besser betreuen zu können, ihr Abgleiten in die Kriminalität zu verhindern, Jugendkriminalität effektiver zu bekämpfen und jungen Leuten, die auf die schiefe Bahn geraten sind, wieder Perspektiven in der Legalität zu verschaffen.

Fünf Standorte in Niedersachsen

Die Landesregierung hat es sich in ihrem Koalitionsvertrag auf die Fahnen geschrieben, in Niedersachsen fünf Häuser des Jugendrechts einzurichten. Neben Hannover wurden Osnabrück, Lüneburg, Göttingen und Salzgitter als Standorte ausgewählt; eigene Räumlichkeiten für das Modellprojekt gibt es bislang nur in Osnabrück und Lüneburg.

In Hannover existiert seit anderthalb Jahren ein Runder Tisch, an dem sich Vertreter von Jugendamt und Jugendgerichtshilfe, Jugendrichter und -staatsanwälte, Jugendsachbearbeiter der Polizei sowie Bewährungshelfer austauschen. „Wir erfinden das Rad nicht neu mit den Häusern des Jugendrechts“, sagte Justizstaatssekretär Stefan von der Beck bei der Auftaktveranstaltung im hannoverschen Regionshaus, „aber wir wollen Abläufe vereinfachen und beschleunigen.“ Besonders bei Jugendlichen sei es wichtig, dass auf regelwidriges Verhalten – vom Schuleschwänzen oder Schwarzfahren über Ladendiebstahl bis zu Körperverletzung und Drogenhandel – schnell reagiert werde.

Hospitationen für Einsteiger

Laut der Kooperationsvereinbarung des Netzwerks sind Einsteiger in den entsprechenden Berufen künftig gehalten, bei allen im Haus des Jugendrechts vertretenen Behörden zu hospitieren. Alle drei Monate soll es gemeinsame Fachveranstaltungen zu Themen rund um Prävention und Jugendstrafrecht geben. Auch will man sich noch häufiger als bisher zu Fallkonferenzen treffen, um etwa über jugendliche Intensivtäter (von denen es in Hannover etwa 20 gibt) zu beratschlagen.

An dem gut besuchten Festakt im Regionshaus nahmen auch etliche Leiterinnen und Chefs von Justizbehörden und Polizei, Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer sowie mehrere Dezernentinnen und Fachbereichsleiter aus den drei beteiligten Städten und der Region teil. Was in den Reden und Fachvorträgen immer wieder erwähnt wurde: Die Kriminalität unter Jugendlichen und Heranwachsenden nimmt seit 15 Jahren ab. Und auch andere Zahlen sind interessant: So wurden etwa 2017 von bundesweit 190.000 Jugendlichen, die einer Straftat verdächtigt wurden, nur 15 Prozent zu Bewährungsstrafen oder Sozialmaßnahmen verurteilt – und lediglich 0,65 Prozent in eine Jugendanstalt gesteckt. Oberstes Gebot des Jugendstrafrechts ist und bleibt, dass Hilfe und erzieherische Maßnahmen bei jungen Leuten wesentlich wichtiger sind als eine Bestrafung.

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Von Michael Zgoll

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