Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Jeder Film nur 5,99 Euro: Cinemaxx reagiert auf Besucherrückgang
Nachrichten Hannover Jeder Film nur 5,99 Euro: Cinemaxx reagiert auf Besucherrückgang
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 26.03.2019
Setzt auf Niedrigpreise: das Cinemaxx am Raschplatz. Quelle: Heidrich
Anzeige
Hannover

Die Plakate im Kinofoyer sind nicht zu übersehen: „Jeder Tag, jeder Film 5,99 Euro“ heißt es darauf. Das Cinemaxx am Raschplatz wirbt derzeit mit einer Niedrigpreis-Offensive für sich. In anderen Städten habe man solche Angebote schon mit Erfolg ausgetestet, heißt es bei der Kinokette. In Hannover zielt die Billigpreisstrategie offenkundig auch darauf ab, Besucher zurückzugewinnen, die ins vor vier Jahren eröffnete Premiumkino Astor abgewandert sind.

Der Konkurrenzkampf ist nicht die einzige Baustelle des Cinemaxx. Ende des Jahres ist der Tarifvertrag mit Ver.di ausgelaufen, die Verhandlungen sind nach vier Runden festgefahren. Die Gewerkschaft verlangt, dass Cinemaxx-Beschäftigte nach einem Einstiegslohn von 9,50 Euro nach zwei Jahren zwischen 10 und 17 Euro bekommen sollen. „Die Kinobranche gehört zum Niedriglohnbereich“, sagt Ver.di-Sekretär Peter Dinkloh. Von den mageren Löhnen könnten die meist in Teilzeit beschäftigten Kinomitarbeiter nicht leben.

Anzeige

Cinemaxx hingegen verweist darauf, dass die meisten Mitarbeiter geringfügig Beschäftigte seien. Viele von ihnen seien Studenten – und höhere Löhne würden dazu führen, dass auch Tickets teurer werden müssten. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 26. März angesetzt. „Vorher planen wir weitere Warnstreiks“, sagt Dinkloh, „wir bitten um Verständnis, wenn es zu Kinoschließungen kommt.“ Damit rechnet man im Cinemaxx allerdings nicht: „Bei allen bisherigen Warnstreiks konnten wir einen regulären Kinobetrieb ohne merkliche Einschränkungen für unsere Gäste bieten“, sagt eine Sprecherin – das solle auch künftig so bleiben.

Besucherzahlen sinken

Die Kinobranche bewegt sich derzeit in schwerem Fahrwasser. Der Jahrhundertsommer und die Konkurrenz durch Angebote wie Netflix haben dafür gesorgt, dass die Besucherzahlen 2018 auf historische Tiefstände sanken. Nach einer Studie der Filmförderungsanstalt wurden bundesweit nur noch 105,4 Millionen Tickets verkauft. Im Jahr davor waren es noch 122,3 Millionen gewesen. In der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen gab es in den vergangenen sechs Jahren einen Rückgang um 36 Prozent – den Kinos bricht das jüngere Publikum weg.

Auf einem Preiskampf mit dem Cinemaxx will sich die Konkurrenz in Hannover dennoch nicht einlassen. Astor-Geschäftsführer Hans-Joachim Flebbe bezeichnet die Preispolitik des Cinemaxx als „Armutszeugnis“. Mit „Schleuderpreisen“ solle dort unzureichende Qualität kaschiert werden. Im Astor kostet eine Erwachsenenkarte regulär 11 Euro, bei 3D-Filmen zahlt man für Logenplätze bis zu 15,50 Euro.

Torben Scheller, der neben Apollo und Hochhaus auch das kleine Raschplatz-Kino betreibt, will seine Ticketpreise (bis zu 9 Euro) ebenfalls nicht senken. „Wenn eine Rumpelbude meint, auf diese Weise mehr Leute ins Kino zu holen, soll sie das tun“, sagt er gelassen. Als „Rumpelfilme“ bezeichnet er Action-Blockbuster, die großen Kinoketten große Umsätze bescheren. Zudem kämen im Cinemaxx auf den Preis von 5,99 Euro teils saftige Zuschläge, sagt Scheller - bei 3D-Filmen beispielsweise müssten Besucher noch einmal 3 Euro drauflegen: „Da ist viel Wind vor der Hoftür.“

Von Simon Benne

Hannover Rechtsextremismus in der Fanszene - Rassismus im Stadion: Lienen fordert Zivilcourage
25.03.2019
25.03.2019
Hannover Gastbeitrag zur Inklusion in Niedersachsen - „Lost in inclusion“: Gut gemeint, aber schlecht gemacht!
25.03.2019