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Hannover Fest auf dem Opernplatz lockt Tausende Europa-Fans an
Nachrichten Hannover Fest auf dem Opernplatz lockt Tausende Europa-Fans an
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18:24 11.05.2019
Bekennde Europafest zeigen auf dem Bürgerfest vor dem Opernhaus Flagge. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Studenten haben sich die Farben Europas auf die Wangen gemalt und schwenken ihre Landesfahnen. Auf der Bühne spielt die Band Passepartout deutsch-französischen Hip Hop. „Europa ist so bunt wie wir“, sagt die österreichische Studentin Sarah Zippusch. Sie ist Vorsitzende des Erasmus-Netzwerks, eines akademischen Austauschprogramms. Mit einer Flaggenparade sind die Studenten durch Hannovers Innenstadt gezogen, um auf ein Europa der Vielfalt aufmerksam zu machen – und auf das Bürgerfest auf dem Opernplatz.

Unter dem Motto „Gemeinsam für Europa“ veranstalten das Europäische Informations-Zentrum (EIZ) des Landes, die Region und die Stadt Hannover am Sonnabend ein Bürgerfest vor dem Opernhaus. Noch bis 20 Uhr spielen auf der Hauptbühne verschiedene Bands, durch das Programm führen HAZ-Redakteur Jan Sedelies und Tanja Schultz vom Schauspielhaus. 45 Zelte, ein Soccer-Platz, eine Boulebahn und eine Tanzfläche laden zum Mitmachen ein. Vertreten sind Kommunen, Vereine und Verbände.

Weil: Gemeinsame Werte als Fundament

Die Errungenschaften eines zusammengewachsenen Europas seien allzu selbstverständlich geworden, meint Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) im Interview mit HAZ-Redakteur Sedelies. „Wir müssen nicht mehr Geld wechseln, wenn wir etwa in die benachbarten Niederlande reisen“, sagt Weil. Aber eine Menge Leute wollten jetzt das Rad zurückdrehen, meint der Ministerpräsident und spielt damit auf nationalistische Parteien wie die AfD in Deutschland und den Front National in Frankreich an. „Europa ist vor allem ein fantastisches Friedensprojekt“, sagt Weil. Gemeinsame Werte wie Pressefreiheit und Unabhängigkeit der Justiz bildeten das Fundament Europas , und sie seien keineswegs naturgegeben.

Davon ist auch Amin Akbari zutiefst überzeugt. Der Student mit iranischen Wurzeln sieht Europa als Vorbild für andere Länder. „Demokratie ist nicht der Normalfall. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte jeder wählen gehen“, sagt er mit Blick auf die anstehenden Wahlen zum Europaparlament am 26. Mai. Lebendig bleibe Europa durch die Kontakte zwischen den Menschen.

Schulte singt ESC-Ballade

Wie sich Europa anfühlt, weiß Michael Schulte. Der Niedersachse belegte beim vergangenen Eurovision Song Contest (ESC) den vierten Platz. „Damals kamen so viele Musiker aus verschiedenen Ländern zusammen“, sagt er. Jetzt sei er auf Europatournee und freue sich darüber, wie leicht er von einem Land ins andere reisen könne. Schulte hat eine dänische Schule besucht und ist gewissermaßen zweisprachig aufgewachsen. „Offenheit ist normal“, sagt er, schnappt sich seine Gitarre und spielt auf der Bühne seine berühmte ESC-Ballade „You Let Me Walk Alone“. Etliche Handys schnellen in die Höhe.

Mehr Europa nötig?

Auch der frisch gekürte SPD-Kandidat für die Oberbürgermeisterwahlen, Marc Hansmann, stattet dem Europafest einen Besuch ab. Der 48-Jährige hat während des Studiums ebenfalls die Vorteile des Erasmus-Programms zu schätzen gelernt. „Ich hätte niemals ein Jahr in England studieren können, wenn es das Austauschprogramm nicht gegeben hätte“, sagt er. Die Studiengebühren seien für seine Eltern viel zu hoch gewesen.

Die Hannoveranerin Lina Pinducciu hat sich ein Blütenband in den Nationalfarben Italiens umgehängt. „Ich kann mich noch genau an meine erste Europawahl im Juni 1979 erinnern“, sagt die 59-Jährige. Damals studierte sie Betriebswirtschaftslehre in Pisa. Sie kratzte ihr Geld zusammen, fuhr in ihre Heimat nach Sardinien, um vor Ort ihre Pflicht als Wahlhelferin zu erfüllen. „Eigentlich sollte es inzwischen mehr Europa geben“, meint sie. Die Nationalstaaten müssten Macht abgeben.

Von Andreas Schinkel

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