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00:39 14.05.2018
Der neue Hubschrauber „Christoph Niedersachsen“ der DRF Luftrettung: Das neue Landelicht ist leistungsstärker als das alte. „Christoph Niedersachsen“ benutzt den Scheinwerfer, um mögliche Landestellen besser auszuleuchten. Neben mehr Helligkeit verfügt das Licht zudem über mehrere Farbfilter. Damit kann der Pilot in verschiedensten Lichtverhältnissen Hindernisse besser erkennen.
Hannover

 Notarzt Michael Möller nennt ihn den „ersten richtigen“ Rettungshubschrauber. Gemeint ist der neue „Christoph Niedersachsen“, der ab sofort vom Flughafen Langenhagen aus zu seinen Einsätzen startet. Der Hubschrauber ersetzt bei der DRF Luftrettung seinen 15 Jahre alten Vorgänger. „Die bisherigen Helikopter sind mehr oder weniger Standardmodelle, die mit den verfügbaren Ausbaumöglichkeiten versehen wurden“, sagt Möller. Er ist Anästhesiearzt an der MHH, die den Heli-Doktor stellt. Im Gegensatz zum Vorgänger sei die neue Maschine von der ersten Schraube an für den medizinischen Einsatz durchdacht worden. „Es ist jetzt quasi ein fliegender Rettungswagen“, sagt Möller.

Knapp fünf Jahre Planung stecken im neuen Airbus H145, am 1. Mai wurde er ausgeliefert. Sowohl Piloten als auch medizinisches Personal in Langenhagen schwärmen bereits nach wenigen Einsatztagen. „Der Hubschrauber ist leistungsfähiger und die Instrumente sind übersichtlicher“, sagt Stationsleiter Andreas Schwind. Waren sämtliche Informationen früher im Cockpit überall verteilt, ist nun alles zentral auf einem Display abzulesen. Die Menüs lassen sich wie auf einem Tablet durchschalten. Einzig der Kugelkompass an der Frontscheibe ist noch analog.

„Christoph Niedersachsen“ ist der landesweit einzige Rettungshubschrauber, der rund um die Uhr einsatzbereit ist. Der Intensivtransporthubschrauber (ITH) bringt sowohl Patienten von einem Krankenhaus zum nächsten, er wird aber auch bei Notfällen alarmiert. Einsatzorte im Umkreis von 60 Kilometern erreicht der Hubschrauber in einer Viertelstunde Flugzeit. Im vergangenen Jahr absolvierte die Crew 787 Einsätze, 173 davon in den Nachtstunden. Der zweite Rettungshubschrauber Hannovers, „Christoph 4“ mit Heimatbasis an der MHH, kam 2017 auf 1433 Starts. Er wird von den Johannitern und der Bundespolizei betrieben, ist allerdings nur von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang in Bereitschaft. Der Notarzt wird ebenfalls von der Medizinischen Hochschule gestellt.

Notfallsanitäterin Katja Baumgärtner saß fünf Jahre lang an Bord des Vorgängers EC145, jetzt muss sie sich an H145 gewöhnen. „Es ist ein bisschen wie bei einem neuen Auto“, sagt sie. Während das Grundsätzliche gleichgeblieben ist, gibt es viele Änderungen im Detail. „Das Arbeiten ist nun wesentlich komfortabler und weniger stressig“, sagt Notarzt Möller. Sein Sitz beispielsweise lässt sich nun zum Patienten drehen, außerdem wurde die Innenbeleuchtung überarbeitet. „Früher mussten wir in dunklen Ecken der Kabine hin und wieder mit Taschenlampen tricksen“, sagt Möller. Zudem ist der gesamte Innenraum aufgeräumter und bietet dadurch mehr Platz.

Doch auch für die Piloten ist die Arbeit nicht mehr so belastend. Unter anderem der sogenannte Vierachsen-Autopilot trägt dazu bei. „Er kann in manchen Bereichen den Anflug bis kurz zur Landung komplett übernehmen“, sagt Stationsleiter Schwind. In der Zwischenzeit kann sich der Pilot um andere Aufgaben kümmern oder den übrigen Luftverkehr im Auge behalten. „Am Himmel wird es nicht leerer“, sagt der 38-Jährige, der seine Pilotenausbildung bei der Bundeswehr absolvierte. Die leistungsfähigeren Triebwerke seien zudem ein Sicherheitsgewinn, das gleiche gilt für den nun in den Heckausleger integrierten Heckrotor. „So kann niemand mehr so leicht in den Propeller geraten“, sagt Schwind.

Dass die Luftretter einen neuen Hubschrauber bekommen, habe sich unter Hobbyfotografen schon vor der Lieferung rasend schnell herumgesprochen. „Sie wussten das teilweise noch vor uns“, sagt Schwind und lächelt. Nach der Ankunft vom neuen „Christoph Niedersachsen“ wurden bereits die ersten Aufnahmen geschossen. Bloß einen Spitznamen hat H145 noch nicht. Ob er allerdings jemals einen bekommt, ist fraglich. Bei all der Schwärmerei für die neue Technik sei der Hubschrauber laut Schwind am Ende „bloß ein Arbeitsgerät“.

Von Peer Hellerling

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