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Hannover Hunderte demonstrieren in Hannover gegen Antisemitismus
Nachrichten Hannover Hunderte demonstrieren in Hannover gegen Antisemitismus
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00:20 30.05.2019
Flagge zeigen: Hunderte demonstrierten auf dem Kröpcke gegen Judenhass. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Sie sind gekommen, um Flagge zu zeigen: Rund 300 Teilnehmer haben sich am Montagnachmittag im Herzen der Stadt zu einer Demonstration gegen Antisemitismus versammelt. Viele trugen auf dem Kröpcke Transparente wie „Kein Ort für Judenhass“ oder „Klare Kante“. Kirchenvertreter wie Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann waren ebenso unter den Teilnehmern wie Recep Bilgen vom muslimischen Verband Schura und Vertreter verschiedener Parteien. „So viel Solidarität ist überwältigend“, sagte Rebecca Seidler von der Liberalen Jüdischen Gemeinde.

In der Nacht zum 18. Mai hatte es in Hemmingen auf das Haus eines jüdischen Ehepaares einen Brandanschlag gegeben. Vertreter jüdischer Gemeinden berichteten von einem Erstarken des Antisemitismus. „Heute wiederholen sich Taten, die wir eigentlich zur Geschichte zählen wollten“, sagt Monika Lemcke vom Bündnis „Gegen jeden Antisemitismus“, das die Solidaritätskundgebung organisiert hat.

Kritik an Staatsanwaltschaft

Das Bündnis ist eine bunte Truppe: Der AStA der Uni gehört ebenso dazu wie die Verdi-Jugend und der Flüchtlingsrat, die „Omas gegen Rechts“ und der Verein „Begegnung – Christen und Juden“. Die Demo ist auch ein Stück Selbstvergewisserung der Zivilgesellschaft – sie soll zeigen, welche Grenzen auch in einer politischen Landschaft, die sich wandelt, nicht überschritten werden dürfen.

„Wir haben uns hier versammelt, weil der Antisemitismus im Raum Hannover eine neue Dimension erreicht hat und weil es so nicht weitergehen kann“, ruft Yevgen Bruckmann von der Liberalen Jüdischen Gemeinde unter dem Applaus der Besucher. Der stellvertretende Regionspräsident Michael Dette verurteilt den Anschlag und ruft zu Toleranz und Weltoffenheit auf. Auch Dezernentin Konstanze Beckedorf beschwört die Werte des Grundgesetzes.

Harsch kritisiert Kay Schweigmann-Greve von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft die Staatsanwaltschaft Hannover. Diese habe Anzeigen gegen rechtsextreme Wahlplakate nur langsam bearbeitet und als demokratische Einrichtung „versagt“. Während er spricht, stehen die Teilnehmer unter Wahlplakaten der Partei Die Rechte mit der Aufschrift „Israel boykottieren“.

Dündar Kelloglu vom Flüchtlingsrat ruft Teilnehmer und Polizisten dazu auf, die volksverhetzenden Plakate auf eigene Faust zu entfernen: „Das ist ein unerträglicher Dauerzustand von Straftaten.“ Nachdem die Demonstranten zum Mahnmal am Opernplatz gezogen sind, verkündet eine Sprecherin, dass Polizisten darauf reagiert hätten. Allerdings anders als erhofft: Sie hätten wegen des Appells die Personalien Kelloglus aufgenommen.

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