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Hannover Diese Schule lehrt die Sprache der Musik
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06:00 26.01.2019
Musikschule Brainin, Ecke Dragonerstraße/Omptedastraße. Leiter Valeri Brainin (Vater) und Agata (Tochter) mit Kindergruppe Foto: Samantha Franson Quelle: Samantha Franson
Hannover

In der Musikschule Brainin ist immer etwas zu hören. Mal Klavier von links, mal Gitarre von rechts, mal Chorgesang, und manchmal hört man auch einfach Kinder sprechen oder rufen. Auf Russisch oder Deutsch. Valeri Brainin könnte einen prima Großvater für all diese Kinder und Jugendlichen abgeben. Und ein wenig ist der vollbärtige Mann mit der kleinen Brille das auch, denn der 70-Jährige, im Ural geborener Sohn eines österreichischen politischen Emigranten, leitet diese Musikschule. Im Erdgeschoss des Hauses an der Ecke Dragoner-/Omptedastraße wird Musik nach seiner Methode, der Brainin-Methode, gelehrt.

Sie hat im Kern nichts mit dem Instrumentenspiel zu tun. Es ist eine Art von Gehörbildung. „Sie erzieht antizipierendes Hören. Bevor etwas klingt, hat man schon eine Vorstellung, was am wahrscheinlichsten kommen kann.“ Es geht um das Erlernen einer Musiksprache, hier speziell der klassischen Musik. Es geht mit Zweijährigen los und reicht bis zum Hochschulniveau. Unter anderem bereitet Brainin Jugendliche auf die Aufnahmeprüfung zur Musikhochschule vor. Mit makelloser Erfolgsquote: „Bislang haben es alle auch geschafft.“ Auch „Jugend musiziert“-Urkunden zieren die Wände. Mittlerweile hängt er sie schon gar nicht mehr auf. „Wenn die Eltern es wollen, bereiten wir die Kinder auf den Wettbewerb vor“, sagt Brainin.

Vorbild Russland

In der Musikschule treffen nicht nur Kinder unterschiedlicher Nationalitäten aufeinander, sondern auch musikpädagogische Systeme. Die Ton- und Gehörbildungslehre Solfeggio, auf die die Brainin-Methode aufbaut, gehört in Russland und anderen Ländern, anders als in Deutschland, zum Standardunterricht. Musiklehre ist in Russland eine staatliche Angelegenheit. Schon bei kleinen Kindern wird ausgewählt, wer Chancen hat, mehr aus seinen Möglichkeiten zu machen. An den Musikschulen ist der Unterricht kostenlos, auch sozial schwache Kinder haben Zugang zur Musik und bekommen die Chance, sich auch für eine Musikerlaufbahn zu empfehlen. Prüfungen gehören von Beginn an dazu. „Das System in Russland und auch in China ist nicht auf die Liebe zur Musik ausgerichtet, sondern soll auf eine professionelle Tätigkeit vorbereiten. Meine Idee ist dagegen, die musikalische Intelligenz so zu entwickeln, dass das Kind selbst was tun möchte, nicht, weil Mama es will.“

Er selbst, der nicht aus einer Musikerfamilie stammt, ist diesen Weg gegangen, nach einem Mathematik- und Linguistikstudium wandte er sich der Musik zu - und begann sie zu begreifen, zu durchdringen. In den Regalen seines Arbeitszimmers stapeln sich Partituren, nebenan stehen 2000 klassische Schallplatten. „Ich kann sie alle auswendig.“

Tiefer Zugang zur Musik

Brainin, der Schulen in ganz Europa, den USA und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion betreibt, will diesen tiefen Zugang zur Musik vermitteln, das Begreifen, das Wollen. „Ich hatte eine Schülerin, die mit sechs Jahren zu mir kam. Sie konnte nichts, sie hörte nichts, sie war die schlechteste im Kurs. Ich dachte, sie hört irgendwann auf. Aber sie blieb. Weil sie wollte. Heute ist sie Opernsängerin.“

 Am Sonntag beim Regionalentscheid für „Jugend musiziert“ treffen auch solche unterschiedlichen Systeme aufeinander. Bernd Christian Schulze, der Vorsitzende des Regionalausschusses, begrüßt diese Vielfalt. „Es ist gut, sich von anderen Ansätzen inspirieren zu lassen und voneinander zu lernen.“ Gerade beim Regionalwettbewerb, der ersten Stufe, gehe es aber auch um Kinder, die Musik als versiertes Hobby pflegen und mit Spaß dabei seien. „Der Regionalwettbewerb soll einfach auch Kinder motivieren, weiter Musik zu machen.“

Jugend musiziert - am Sonntag im Haus der Jugend, Maschstraße. Der Regionswettbewerb wird bereits am heutigen Sonnabend in Laatzen ausgetragen - in der Grundschule Pestalozzistraße und im Erich-Kästner-Schulzentrum.

Von Uwe Janssen

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