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Hannover Party in Hannover für die Toleranz
Nachrichten Hannover Party in Hannover für die Toleranz
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00:15 26.04.2019
Einsatz für Völkerfreundschaft: Marc Simon vor dem ESC-Gelände in Tel Aviv. Quelle: privat
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Hannover

 Die völkerverbindende Kraft der Musik hat Marc Simon selbst gespürt. Er war gerade 18 Jahre alt, ein junger Jude aus Köln, als die Sängerin Dana International 1998 den Eurovision Song Contest (ESC) für Israel gewann. Spontan startete er damals einen Autocorso durch die Stadt. „Der bestand zwar nur aus einem einzigen Fahrzeug, aber wir schwenkten die israelische Flagge, und die Leute jubelten uns zu“, sagt er. „Das war ein Erweckungserlebnis.“

In diesem Jahr richtet Israel nach 20 Jahren wieder den Grandprix aus, und als Marc Simon, inzwischen Bankangestellter in Hannover, mit ein paar Freunden auf einer Terrasse in Linden saß, hatte er eine Idee: „Wir wollen den ESC gemeinsam feiern – Christen, Juden und Muslime“, sagt der 38-Jährige. „Wir wollen ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt und Verständigung setzen.“

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Hannover grüßt Tel Aviv

Unter dem Motto „Hannover grüßt Tel Aviv“ veranstalten Simon und seine Mitstreiter am 18. Mai parallel zum TV-Mega-Event mit mehr als 200 Millionen Zuschauern im Alten Magazin eine ESC-Party, die Menschen verschiedener Religion und Herkunft zusammenführen soll. „Wir feuern gemeinsam das deutsche Duo Sisters mit Carlotta Truman aus Garbsen an“, sagt er.

Das Central-Hotel Kaiserhof will dafür als Caterer eigens Bier aus Israel importieren. Gereicht wird Fingerfood mit israelischen Spezialitäten, und neben dem Public Viewing der TV-Show steht Livemusik von Jael Jones und dem Gitarristen Paul Steiner auf dem Programm. „Wir dürfen sogar das Eurovisions-Logo verwenden“, sagt Marc Simon. Der Eintritt zu der Völkerfreundschaftsparty ist frei.

Unterstützt wird die Feier von der Grünen Jugend und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, doch Veranstalter ist die Ülkümen-Sarfati-Gesellschaft, die Marc Simon 2004 mitbegründet hat. Benannt ist die Institution, die sich der türkisch-jüdischen Verständigung verschrieben hat, nach dem türkischen Diplomaten Selahattin Ülkümen, der in der NS-Zeit Juden vor der Deportation bewahrte, und dem Rabbiner Itzhak Sarfati, der im Mittelalter Europas bedrängte Juden zur Auswanderung ins vergleichsweise tolerante Osmanische Reich aufrief. Die Gesellschaft veranstaltet regelmäßig Diskussionen und Vorträge – und diesmal eben eine Party.

„In Tel Aviv sind die ESC-Vorbereitungen längst angelaufen“, sagt Marc Simon. Er ist selbst derzeit in Israel, um dort mit Verwandten das Pessachfest zu feiern, das jüdische Pendant zum christlichen Ostern. Bei der Gelegenheit hat er sich auch das ESC-Gelände angesehen. „Die Leute hier sind ganz aus dem Häuschen“, sagt er, „das ganze Land ist stolz darauf, sich der Welt präsentieren zu können.“ Da ist sie wieder – die verbindende Kraft der Musik.

So feiert Hannover den ESC

Die ESC-Party der Ülkümen-Sarfati-Gesellschaft beginnt am 18. Mai um 19.30 Uhr im Alten Magazin, Kestnerstraße 18. Der Eintritt ist frei.

Bereits am Freitag, 26. April, präsentiert „Dr. Eurovision“ Irving Wolther im Historischen Museum, Pferdestraße 6, die 41 Beiträge des diesjährigen ESC. Die Video-Preview beginnt um 18.30 Uhr. Wie beim echten ESC küren eine internationale Expertenjury und die Zuschauer im Museum ihre Favoriten.

Zur ESC-Stadt wird Hannover auch vom 28. bis 30. Juni: Bei der Eurovision Song Contest Convention Unescon kommen Künstler aus sechs Jahrzehnten Grandprix zu einem dreitägigen Festival nach Hannover. Darunter sind unter anderem Claes-Göran Hederström (Schweden 1968), die blinde Sängerin Corinna May (Deutschland 2003) und die Opernsängerin Elina Nechayeva (Estland 2018). Es gibt Ausflüge und Autogrammstunden. Höhepunkt ist eine Gala am Sonnabend im Pavillon. Mehr Infos unter www.unescon.de.

Von Simon Benne

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