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Hannover Fünf Jahre Haft für Missbrauch von Halbschwestern
Nachrichten Hannover Fünf Jahre Haft für Missbrauch von Halbschwestern
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00:41 01.06.2018
Nach zwei Verhandlungstagen im Landgericht war der Prozess gegen Kevin E. beendet. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

Ein zwölfjähriges Mädchen aus dem Roderbruch-Viertel ist von zwei, vielleicht sogar von drei erwachsenen Brüdern missbraucht worden. Einer der Männer verbüßt aus diesem Grund bereits eine Haftstrafe, ein zweiter wird sich deshalb bald vor dem Landgericht Hannover verantworten müssen, und der dritte – ein Zwillingsbruder dieses Angeklagten – ist jetzt von der 1. Großen Jugendkammer zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Die 1. Große Jugendkammer unter Vorsitz von Stefan Lücke verurteilte den 24-jährigen Kevin E. wegen siebenfachen schweren sexuellen Missbrauchs von zwei Mädchen. Auch die achtjährige Halbschwester des Opfers war den Übergriffen des jungen Mannes ausgesetzt.

Kevin E. und seine Brüder kannten die Mädchen aus früheren Zeiten, als die Familien noch Nachbarn in Groß-Buchholz waren. Zuletzt wohnte E. in Anderten, absolvierte eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Nachdem die Taten des ältesten Bruders ans Tageslicht gekommen waren, wurden die Schwestern in die Obhut des Stephansstifts gegeben, durften nur an den Wochenenden nach Hause. Doch das hinderte den 24-Jährigen nicht daran, sich dann und dort an den Kindern zu vergehen. Er gestand sieben Übergriffe aus der zweiten Jahreshälfte 2017 ein.

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Töchter völlig vernachlässigt

Ein unrühmliche Rolle spielen die Mutter und die zwei Väter der Halbschwestern: Offenbar haben sie die Kinder total vernachlässigt. Möglicherweise hat die Frau ihre Töchter fremden Männern – nicht nur den Brüdern – sogar zum Missbrauch angedient, doch beweisen ließ sich dieser Verdacht bislang nicht. Die 46 Jahre alte Mutter behauptete im Gerichtssaal, nichts von den Qualen ihrer Töchter mitbekommen zu haben, da sie sehr schlecht höre.

Richter Lücke hielt Kevin E. in der Urteilsbegründung zugute, dass er – gut beraten von seinem Verteidiger Philipp Kaiser – ein detailliertes Geständnis abgelegt hatte. Weil den Kindern somit eine Aussage vor Gericht erspart blieb, räumte die Jugendkammer dem Täter einen nicht genau bezifferten Strafrabatt ein. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft gefordert, der Verteidiger viereinhalb. Die Halbschwestern leben inzwischen in einer Jugendeinrichtung außerhalb von Hannover.

Von Michael Zgoll