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Hannover Senioren helfen Grundschülern ihre Streits zu beenden
Nachrichten Hannover Senioren helfen Grundschülern ihre Streits zu beenden
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11:37 10.08.2019
Willkommen im „Raum der guten Lösungen“: Heidi Köhler (83) und Matthias Junk (68) engagieren sich seit zehn Jahren in der Fichteschule (Bild unten) als Streitschlichter. Quelle: Fotos: Samantha Franson, Jan Philipp Eberstein
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Hainholz

Sie sind keine Lehrer, Eltern oder Sozialarbeiter – aber gerade das macht sie so effektiv: An vielen Grundschulen in Hannover sind ehrenamtliche Streitschlichter im Einsatz. Seit zehn Jahren gibt es den Verein „Seniorpartner in School“ (SiS), dessen Mitarbeiter an mittlerweile elf Grundschulen in der Region – acht in Hannover und drei in Laatzen – regelmäßig Konflikte lösen. Bei den Streits der Kinder geht es um umstrittene Fußballfouls oder beste Freundinnen, die nicht mehr miteinander reden. Über den Inhalt ihrer Schlichtungsgespräche dürfen die Senioren nicht sprechen, denn Verschwiegenheit ist garantiert.

Bereicherung und Ergänzung des Schullebens

Angefangen hat das Projekt 2009 an der Fichteschule in Hainholz, auch heute noch sind die Senioren dort aktiv. Schulleiterin Uta Hannemann möchte das Angebot nicht missen. „Es ist eine schöne Ergänzung, das bereichert unser Schulleben sehr“, sagt sie. Heidi Köhler und Matthias Junk gehören zum Mediatorenteam der ersten Stunde. Aus Erwachsenensicht mögen die Probleme klein wirken, aus Kindersicht sind es oft große Dramen: Jungen beschweren sich über Rempeleien beim Fußball oder Ausgrenzungen auf dem Schulhof, Mädchen sind traurig, weil die beste Freundin sie auf einmal schneidet.

Heidi Köhler (83) hilft Grundschülern gerne. Quelle: SAMANTHA_FRANSON

Heidi Köhler ist immer noch gern Streitschlichterin. Die Kinder, die bei ihnen Rat suchten, seien normalerweise in der zweiten oder dritten Klasse, meint die 83-Jährige. Im ersten Jahrgang seien die meisten Schüler mehr mit der Eingewöhnung beschäftigt, im vierten könnten viele auch schon selbstständig Konflikte lösen.

Verschwiegenheit ist garantiert

Die Kinder kommen von selbst, manchmal auch auf Rat ihrer Lehrer. Im „Raum der guten Lösungen“ sind immer zwei Senioren als Mediatoren. Der Konflikt wird nach festen Regeln geschildert und aufgearbeitet. Die Schüler lernen, sich gegenseitig ausreden zu lassen, zuzuhören und auch die Meinung des Gegenübers zu akzeptieren. Die Senioren hören einfach nur zu, werten nicht. Absolute Verschwiegenheit ist garantiert. Aus dem „Raum der guten Lösungen“ dringt nichts nach außen – weder an Eltern noch an Lehrer.

Heidi Köhler (83) und Matthias Junk (68) sind Konfliktschlichter seit 2009. Quelle: SAMANTHA_FRANSON

Am Ende schließen die Kinder einen Vertrag, wie sie den Streit beilegen wollen und besiegeln das manchmal sogar mit ihrer Unterschrift. „Das macht die Ernsthaftigkeit deutlich und verleiht der Einigung mehr Gewicht“, sagt Gisela Raabe-Meyer vom SiS-Leitungsteam.

Zwei Jahre Ausbildung

Rund 100 Mitglieder hat der Verein in Hannover derzeit. Die Mediatoren durchlaufen eine zweijährige Ausbildung, etwa drei bis vier Stunden pro Woche sind üblich. Am Anfang stehen 80 Stunden Theorie, danach gibt es Hospitationen und schließlich selbstständige Mediationen, die von einem erfahreneren Streitschlichter begleitet werden. Mindestens ein Mediationstag von vier Stunden pro Woche ist dabei Pflicht. Die Einsätze werden im Schulteam abgestimmt, Urlaub ist jederzeit möglich. Nach der Ausbildung engagiert sich jeder mit so vielen Stunden, wie er möchte.

Kinder schätzen Angebot

Viertklässlerin Zara sagt zu SiS: „Ich finde es toll, dass sie das machen. Sie erzählen nichts weiter und helfen, den Streit zu klären.“ Und Claudio meint: „Ich finde es gut, dass sie nichts den Eltern erzählen. Wenn wir einen Streit haben und dann in den Raum gegangen sind, ist er hinterher immer geklärt.“ Yusuf lobt: „Sie haben mehr Zeit als die Lehrer, um den Streit zu klären. Sie schimpfen nie und hören immer allen zu.“

Der Lehrer, dem die Kinder einen Konflikt schildern, kann zwar auch eine Vertrauensperson sein, am Ende ist er aber auch derjenige, der die Lesefertigkeiten oder die Rechenkünste bewertet. Die Senioren hören nur zu, spielen aber keine Rolle für den Schulerfolg. Vielleicht deshalb öffnen sich Schüler ihnen leichter. „Die Streitschlichter sind freundlich und helfen uns, einen guten Weg zu finden, unseren Streit zu beenden“, sagt Viertklässler Ioannis.

Drittklässler Ömer mag sich ein Leben ohne die Streitschlichter an der Fichteschule gar nicht vorstellen: „Wenn sie nicht da wären und wir keinen haben, der uns hilft, dann wird der Streit immer schlimmer.“

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