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Hannover Ein Meilenstein für den Marktplatz
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06:02 25.04.2019
Gerhard Stoffert vor der Neustädter Kirche: Hier will der Heimatforscher einen Obelisten als Meilenstein aufstellen. Quelle: Benne
Calenberger Neustadt

Man sieht dem Platz nicht an, dass er das Maß der Dinge sein könnte; der Anfang oder das Ende von etwas besonderem. „Und doch ist hier der Nullpunkt“, sagt Gerhard Stoffert.

Der emeritierte Professor für Arbeitswissenschaft steht vor der Neustädter Kirche. Der 92-Jährige hat sich als passionierter Heimatforscher intensiv mit Hannovers historischem Postwesen beschäftigt, und dabei herausgefunden, dass dieser Ort für Hannover jener Punkt ist, der in Paris direkt vor dem Portal von Notre-Dame liegt und in Madrid auf der Plaza de la Puerta del Sol: „Jeder Ort, für den Kilometerangaben auf Straßenschildern stehen, hat einen Nullpunkt“, sagt er, „und dieser ist eben hier.“

Auf Geheiß des Königs

Anno 1641 wurden in Hannover Reitposten und einige Jahre darauf auch Fahrposten zur Brief- und Personenbeförderung eingerichtet. Die Entfernungsangaben für Postkutschen, die über breite Wege abseits der Dörfer dahin zuckelten, waren anfangs in der Regel Zeitangaben: Nach Hamburg benötigte die Reitende Post 28 Stunden, nach Wien sechs Tage.

„Der Anstoß, Poststraßen mit fester Fahrbahndecke zu bauen, um den Handel zu stärken, kam dann von Georg III.“, sagt Stoffert. Der König stellte hierfür 12 000 Thaler zur Verfügung. So entstand zwischen 1765 und 1776 auch die erste sogenannte Kunststraße von Hannover nach Hameln – und natürlich wurden an dieser Chaussee Meilensteine aufgestellt.

Vermutlich lag der Nullpunkt, von dem aus die Meilen gezählt wurden, nicht für alle aus Hannover herausführenden Chausseen vor der Neustädter Kirche. Doch in den 1780 erschienenen „Göttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen“ ist Stoffert darauf gestoßen, dass „der Anfangspunct der Vermessungen“ für die Straße nach Hameln zweifelsfrei auf dem „Calenbergischen Neustädter Marktplatz zu Hannover“ lag. Hier war damals ein wichtiges Zentrum der Stadt: „Dieser Platz war der Kröpcke des damaligen Hannover“, sagt Stoffert. Der Nullpunkt habe sich vermutlich nahe der Calenberger Straße befunden.

Ein steinerner Obelisk

„Oft sind Meilensteine schön gestaltete Touristenattraktionen“, sagt der Groß-Buchholzer, „doch ausgerechnet hier fehlt heute ein Null-Meilenstein.“ Stoffert will dies ändern. Auf seine Initiative hat der Steinmetz Gerald Kölle bereits 2007 einen rekonstruierten Meilenstein auf dem Geha-Platz an der Podbi errichtet. „Er könnte für rund 23 000 Euro auch einen Null-Meilenstein für den Calenberger Marktplatz anfertigen“, sagt Stoffert.

Ihm schwebt vor, dort einen etwa 1,80 Meter großen Obelisken aus Naturstein aufzustellen. Aufschrift: „0-Meile von Hannover Anno 1776“, dazu eine erläuternde Bronzetafel auf der Rückseite. „Hannover will Kulturhauptstadt 2025 werden – dieses Vorhaben ließe sich mit geringen Kosten verwirklichen“, sagt Stoffert. „Es wäre eine Bereicherung für die Stadt.“

Von Simon Benne

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