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Hannover Demo in der City: Mehr als 1000 Menschen erinnern an Halim Dener
Nachrichten Hannover Demo in der City: Mehr als 1000 Menschen erinnern an Halim Dener
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13:41 12.07.2019
Halim Dener wurde 1994 in Hannover erschossen. Zu seinem 25. Todestag demonstrierten mehr als 1000 Menschen in der Innenstadt. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Mehr als 1000 Menschen haben am Sonnabend in der Innenstadt von Hannover des vor 25 Jahren getöteten Halim Dener gedacht. Die Veranstalter hatten ursprünglich nur mit 800 Teilnehmern gerechnet. Die Kampagne Halim Dener hatte die Demo unter das Motto „Gefoltert. Geflüchtet. Verboten. Erschossen.“ gestellt. Seit fünf Jahren kämpft das Aktionsbündnis für „ein würdiges Gedenken“. Der Kurde Dener war im Alter von 16 Jahren von einem Polizisten am Steintor erschossen worden war. Dort brachten die Demonstranten am Nachmittag eine Plakette an dem Ort an, am dem Dener damals starb.

„Ohne Verbot der PKK in Deutschland wäre sicher kein Polizist mit gezogener Waffe hinter einem Plakatierer hergelaufen“, sagt Dirk Wittenberg, Sprecher der Kampagne. Der Protestzug führte quer durch die Innenstadt, darunter über den Aegidientorplatz, durch die Karmarsch- und Kleine Packhofstraße bis zum Steintorplatz – ursprünglich sollte es noch bis zum türkischen Konsulat an der Christuskirche weitergehen. „Halim Deners Ermordung symbolisiert auch die enge Partnerschaft zwischen Deutschland und der Türkei“, sagte eine Sprecherin des Frauenrates Hannover während der Abschlusskundgebung. Am Steintor hatten bereits vergangenes Wochenende rund 100 Menschen an einer kleineren Gedenkveranstaltung am eigentlichen Todestag von Halim Dener teilgenommen.

Goldene Plakette erinnert an Halim Dener

Während der Halim-Dener-Demo wurde eine goldene Plakette zu seinen Ehren am Steintorplatz angebracht. Quelle: Peer Hellerling

Noch während der Abschlusskundgebung brachten Teilnehmer am Sonnabend eine Plakette zu Ehren Halim Deners genau an dem Ort auf dem Steintorplatz an, an dem er ums Leben kam. Darauf ist neben seinem Namen und den Lebensdaten auch „Hier von einem Polizisten erschossen“ zu lesen. Zum Abschluss der Demo wurden mehrere rote Flaggen mit gelbem Kreis und rotem Stern hochgehalten – dieses verbotene Symbol der PKK-Untergruppe „Nationale Befreiungsfront Kurdistans“ hatte der 16-Jährige am 30. Juni auf dem Steintorplatz plakatiert. Ob die illegal angebrachte Plakette durch die Stadt wieder entfernt wird, ist noch offen. Am Sonntagnachmittag war sie weiterhin am Steintor zu sehen.

Schuss löste sich im Handgemenge

Die Plakatierungsaktion in der Nacht zum 1. Juli 1994 hatte einen Polizeieinsatz ausgelöst. In einem Gemenge mit den Ermittlern löste sich ein Schuss und traf Dener in den Rücken. Nach der Tat gab es Proteste und einen großen Trauermarsch in Hannover. Der Zivilbeamte, aus dessen Waffe der Schuss abgegeben worden war, wurde in einem „zweifelhaften Prozess“ freigesprochen, wie die Teilnehmer des Protestes am Sonnabend sagten.

Aus Polizeisicht verlief die Demo sehr ruhig. Die Ermittler schätzte die Zahl der Teilnehmer am Ende auf etwa 900 Personen. Lediglich am Rande des Protestes gab es zwei kleinere Vorkommnisse. Zum einen ermittelt die Polizei wegen der am Steintorplatz gezeigten illegalen Flaggen der PKK. Darüber hinaus wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, weil die Demo-Teilnehmer Flyer ohne Impressum verteilt hatten.

„Wir erwarten nichts mehr von der Stadt“

Die Kampagne Halim Dener setzt sich seit fünf Jahren dafür ein, dass ein Gedenkort für das Opfer geschaffen wird. Auch auf der Demo wurde diese Forderung erneut bekräftigt: „Halim Deners Tod zeigt, dass man auch hier in Deutschland im Kampf für den Frieden sterben kann“, sagte Wittenberg. Gleichzeitig würde die Stadt Kurden und Türken nicht gleich behandeln – obwohl sie immer betone, neutral zu sein. Während das kurdische Newroz-Fest im März 2018 noch untersagt werden sollte, sei gleichzeitig ein türkischer Empfang im Neuen Rathaus abgehalten worden. „Eine Farce“ nannte Wittenberg das.

Allerdings sieht das Bündnis sein Ziel nach einem würdigen Gedenken an Halim Dener mittlerweile als gescheitert an. „Wir haben es leider nicht geschafft, mit der Stadtverwaltung in eine produktive Auseinandersetzung um einen Gedenkort zu kommen“, sagte Wittenberg, „sei es eine Gedenktafel am Steintorplatz oder der Halim-Dener-Platz in Linden.“ Deshalb werde die Kampagne ihre Arbeit am Jahresende einstellen. „Das würdevolle Gedenken an Halim Dener aber wird in unseren gemeinsamen Kämpfen entstehen!“, heißt es dazu auf der Webseite.

Von Peer Hellerling

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