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Hannover So bunt ist die Welt der Christen in der Nordstadt
Nachrichten Hannover So bunt ist die Welt der Christen in der Nordstadt
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13:30 07.06.2019
Internationales Team: Kathrin Brauner, Lukas Wuzik, Elke Hoppe, Clemens Brauner, Silke Koch, Nicoletta Lauria, Pepi Luengo, Hanna Slowinski, Ana Paula Leston, Gloria Medina, Isabel Rodrigues und Rosa Rinaldo (v.l.) in der Kirche St. Maria. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Man spricht Deutsch. Jedenfalls meistens. Denn zwischendurch fliegen immer mal wieder auch spanische, portugiesische und italienische Wortfetzen durch den Raum. Ein Dutzend Männer und Frauen sitzt an einem langen Tisch. Es ist eine ziemlich bunte Truppe, die sich im Katholischen Internationalen Zentrum Hannover (KIZH) versammelt hat, um das gemeinsame Pfingstfest zu planen. „Unsere Einrichtung ist schon etwas ganz Besonderes“, sagt die gelernte Soziologin Hanna Slowinski, die seit anderthalb Jahren als Koordinatorin des Zentrums tätig ist.

So feiern die Kirchen in Hannover Pfingsten

Es ist eines der wichtigsten christlichen Feste und gilt als „Geburtstag der Kirche“: Genau 50 Tage nach Ostern erinnern die Gläubigen sich daran, wie die Jünger Jesu einst vom Heiligen Geist erfüllt wurden. Die Bibel beschreibt, dass sich beim Pfingstwunder Feuerzungen auf ihren Köpfen niederließen und sie über Gottes große Taten so reden konnten, dass Menschen verschiedener Muttersprache sie verstanden. Hannovers Kirchengemeinden feiern das Fest mit mehr als 120 Gottesdiensten.

In der Marktkirche beginnt am Pfingstsonntag um 10 Uhr ein Gottesdienst mit Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann. Die Bethlehemkirche in Linden-Nord feiert um 18 Uhr einen Popgottesdienst mit der Bethlehemband. Propst Martin Tenge feiert um 10 Uhr eine katholische Messe in der Basilika St. Clemens.

Pfingstmontag wird traditionell als Tag der Ökumene begangen. Auf dem Stephansplatz in der Südstadt wird von 10.30 Uhr an ein ökumenisches Pfingstfest mit Gottesdienst, Brunch und Kinderprogramm gefeiert. In der Bothfelder St.-Nicolai-Gemeinde beginnt um 10 Uhr das ökumenische Pfingstpilgern. Der Weg führt über verschiedene Kirchen nach Isernhagen-Süd. Die Apostelkirche lädt für 11 Uhr zu einem Jazz-Gottesdienst mit dem Trio Bending Times ein. Die katholische Pfarrgemeinde St. Bernward richtet um 11 Uhr einen interkulturellen ökumenischen Pfingstgottesdienst mit Gebeten und Liedern in acht Sprachen auf der Bernwardswiese an der Brückstraße 26 aus, anschließend gibt es dort ein Fest. Und um 11.15 Uhr beginnt im Sprengel-Museum ein Kunstgottesdienst.

Es gibt keinen Ort, an dem der hannoversche Teil der Christenheit so bunt ist wie im KIZH in der Nordstadt: Neben der klassischen deutschen Pfarrei hat an der Kirche St. Maria in der Marschnerstraße auch die Italienische Mission ihren Sitz, die rund 6000 Italiener in Hannover betreut. Dazu kommen die Spanischsprachige Mission, die für etwa 6300 Seelen zuständig ist, und die Kroatische Mission, der rund 4000 Katholiken zugehören.

Alle Institutionen teilen sich gemeinsame Räume im KIZH, und daneben gibt es in St. Maria auch noch regelmäßig tamilische, französische und englische Gottesdienste. „Wir praktizieren Internationalität“, sagt Slowinski, „obwohl jede Gemeinschaft ihr eigenes Innenleben hat“.

Eigene Wurzeln pflegen

Die Kolumbianerin Gloria Medina lebt seit 19 Jahren in Deutschland, und sie besucht häufig die spanischsprachigen Messen. „Es bedeutet mir viel, das Vaterunser in meiner eigenen Sprache zu sprechen“, sagt sie. Gebete sind ja eine intime Angelegenheit, und die Muttersprache bietet wohl einen besonders tiefen Zugang ins eigene Seelenleben.

Die muttersprachlichen Missionen sind für viele Menschen auch Anlaufstellen, um die eigenen Wurzeln zu pflegen: „Nach dem italienischen Gottesdienst sitzen wir oft noch bei Kaffee und Kuchen zusammen und tauschen uns aus“, sagt Nicoletta Lauria, die in den Achtzigern als Kind mit ihren Eltern aus Sizilien nach Hannover kam. Die Christen mit ausländischen Wurzeln haben hier teils eigene Chöre und Tanzgruppen. „Eine deutsche Freundin begleitet mich oft zu den italienischen Messen, weil sie diese so stimmungsvoll findet“, sagt Nicoletta Lauria.

Der Integration tue das nationale Eigenleben der Missionen keinen Abbruch, versichert die Spanierin Pepi Luengo, die seit 1973 in Deutschland lebt: „Wir sind allesamt gut integriert – und trotzdem ist die Mission für uns ein Stück Heimat.“ Gerade weil die verschiedenen Missionen ihre Wurzeln pflegen, ist das KIZH ein Spiegel der Weltkirche im Kleinen.

Glaube überwindet Grenzen

Bei der Planung des gemeinsamen Pfingstfestes geht es turbulent zu. Die Italiener wollen Pizza besorgen, die Spanier fragen, ob es genügend Platz für Tanzdarbietungen gibt, und die Deutschen organisieren einen Plan B für den Fall, dass es regnet. So hat jeder seine Stärken. Jede Nation bringt auch eine eigene Farbe in die Gottesdienste, obwohl das liturgische Grundgerüst in der katholischen Kirche von Baden-Baden bis Bora-Bora für alle gleich ist: „Es ist kein Klischee, dass wir in der Messe auch gerne mal tanzen“, sagt die Kolumbianerin Gloria Medina, „und bei den Afrikanern geht es ganz besonders lebendig zu.“

Seit sieben Jahren gibt es das KIZH in seiner heutigen Form. Das Bistum Hildesheim investierte damals rund 1,7 Millionen Euro in das Zentrum. Von den rund 600.000 Katholiken in der Diözese sind rund 200.000 „Muttersprachler“. In St. Maria stehen die Nationalitäten seither in regem Austausch: „Der Mercato di Natale, der italienische Weihnachtsmarkt, ist für mich längst ein fester Termin im Advent“, sagt die 34-jährige Kathrin Brauner aus der deutschen Pfarrei. „Der gemeinsame Glaube verbindet uns über die Grenzen von Sprachen hinweg.“

Pfingsten ist so gesehen ein Fest, dass wie geschaffen ist für die Christen im KIZH. In der Bibel sorgt der Heilige Geist beim Pfingstwunder ja dafür, dass Menschen verschiedener Sprache einander verstehen. „Wenn wir Pfingsten zusammen feiern, herrscht hier eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt Clemens Brauner. Nur dass in St. Maria nicht Ägypter und Mesopotamier zueinander finden, sondern Italiener, Kroaten und Deutsche.

Info Das Internationale Pfingstfest beginnt in St. Maria, Marschnerstraße 34, am Pfingstsonntag, 9. Juni, mit einem mehrsprachigen Gottesdienst um 11 Uhr. Anschließend gibt es ein Fest mit Tombola, Livemusik, Tänzen und Folklore.

Von Simon Benne

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