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Hannover Im Landtag haben die Klassensprecher das Sagen
Nachrichten Hannover Im Landtag haben die Klassensprecher das Sagen
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00:20 08.06.2019
Alles voller Kinder: Zur Konferenz trafen sich die Grundschüler im Forum an der Marktkirche, das in der Umbauphase des Landtags als Sitzungssaal diente. Quelle: Peter Steffen/dpa
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Hannover

Warum bestimmen eigentlich die Eltern, wohin der Ausflug geht oder ob ihre Kinder Klavierspielen oder Fußball als Hobby haben sollen? Haben Kinder auch Pflichten? Es waren die großen philosophischen Fragen, die rund 120 Grundschüler bei der ersten landesweiten Kinderkonferenz im Landtag am Mittwoch diskutiert haben. Sie kamen von den 55 Kinderrechte-Grundschulen in Niedersachsen, zwölf Standorte aus der Stadt Hannover waren dabei, zehn weitere aus dem Umland.

„Demokratie muss gelernt werden“

An diesen Schulen dürfen Kinder mitbestimmen, das ist Basisdemokratie mit den Kleinsten. Es gibt Kinderkonferenzen, eine Art Schülervertretung, an denen alle Klassensprecher teilnehmen, die einzelnen Klassen treffen sich zum Klassenrat. Es geht um Konflikte in der Gruppe, Schulhofgestaltung, aber auch um Toilettenregeln.

Die Vernetzung der Kinderechte-Grundschulen ist für Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) ein wichtiges politisches Ziel. Demokratie könne nicht früh genug gelernt werden, sagte er zur Eröffnung der Kinderkonferenz im Landtag. „Im Klassenzimmer wird geredet und gestritten, das ist nicht viel anders als im Parlament.“ Demokratie falle nicht vom Himmel und sei mehr, als alle vier oder fünf Jahre zur Wahl zu gehen und irgendwo sein Kreuz zu machen, sagte der Minister. Landtagspräsidentin Gabriele Andretta forderte die Kinder auf, mitzubestimmen und mitzumachen, nicht nur bei den Diskussionen während der Kinderkonferenz, sondern generell.

Initiator war das Netzwerk Demokratie von Anfang an in Kooperation mit der Regionalen Kinderkonferenz Hannover. „Wir machen das schon seit 1994“, sagte Behir Buhut, Sozialarbeiter an der Regenbogenschule in Seelze, „schön, dass wir jetzt endlich eine landesweite Kinderkonferenz haben.“

In den Workshops ging es um Themen wie Freiheit und Kinderrechte, aber auch um Inklusion, Toleranz und Umweltschutz. Die Kinder diskutierten unter sich, Lehrer blieben dabei außen vor. Im Plenum wurden anschließend die wichtigsten Forderungen vorgetragen. In der Gruppe, die sich um Klimaschutz kümmerte, waren Plastik- und Müllvermeidung, aber genügend Raum für Tiere und Pflanzen die Favoriten.

Lehrer wünschen sich ein Unterrichtsfach Demokratie

Lehrerin Andrea Franke-Böckmann von der Grundschule Klint in Braunschweig wünscht sich, dass Demokratiebildung ein echtes Unterrichtsfach an den Grundschulen wird. „Wir brauchen dafür Zeit“, sagt die 46-Jährige. Elke Rüffer (58) von der Adolf-Grimme-Schule in Barsinghausen unterstützt diese Forderung: „Ich mache die Kinderkonferenz in der Pause, anders geht es nicht, Unterricht darf dafür ja nicht ausfallen.“ Wenn das Thema so wichtig sei, müsse das Land dem auch im Lehrplan den gebührenden Platz einräumen, meinen die Pädagoginnen.

Die Kinder wünschten sich keine utopischen Sachen wie eine Woche Unterrichtsausfall, sondern hätten konkrete Anliegen wie Abhilfe schaffen, wenn der Sportunterricht ausfällt, die Toiletten verschmutzt werden, sich Familien den Klassenausflug nicht leisten könnten oder auf dem Schulhof zu viel Beton sei.

Auch Kinder haben Rechte

Kinderrechte-Grundschulen wollen Schüler von Anfang an vorbereiten, verantwortungsvoll in einer freien Gesellschaft zu leben. In Zeiten, in denen Populismus großen Zulauf hat, ein durchaus wichtiges Anliegen, schreiben die Initiatoren auf ihrer Homepage. Basisdemokratische Elemente wie Klassenrat und Kinderkonferenzen, manchmal auch Jahrgangskonferenzen sollen den Schülern die Möglichkeit geben, ihre Meinung zu äußern und auch Gehör zu finden. Die zehn wichtigsten Kinderrechte umfassen das Recht auf Gleichheit, Bildung, Gesundheit, Spiel und Freizeit, freie Meinungsäußerung, Schutz vor Gewalt, Zugang zu Medien, Würde, Schutz im Krieg und auf der Flucht und besondere Fürsorge und Förderung bei Behinderung. Die Kinderrechte verbrieft auch die UN-Kinderrechtskonvention. dö

Von Saskia Döhner

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