Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Karstadt und Kaufhof werben mit Gemeinschaftsprospekt
Nachrichten Hannover Karstadt und Kaufhof werben mit Gemeinschaftsprospekt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 28.03.2019
Galeria Karstadt Kaufhof – diese großflächige Werbung findet man in der Filiale am Ernst-August-Platz wie auch in den Schaufenstern der anderen Häuser des neuen Gemeinschaftskonzerns. Quelle: Moritz Frankenberg
Anzeige
Hannover

In den Eingangsbereichen der hannoverschen Kaufhäuser sind die Eingangsbereiche mit der Neuigkeit dekoriert, in den Schaufenstern ist es großflächig plakatiert, der frische Prospekt mit Sonderangeboten macht es zum Thema: Karstadt und Kaufhof haben sich vereint und segeln nun unter der gemeinsamen Flagge „Galeria Karstadt Kaufhof“. „Ich bin positiv überrascht, wie schnell der erste gemeinsame Prospekt auf den Markt gekommen ist“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft hannoverscher Gewerbetreibender. An den meisten Kunden ist die Botschaft aber bislang noch vorbeigerauscht, so das Ergebnis einer kleinen Umfrage in Georg- und Bahnhofstraße. Eine Kassiererin im Karstadt-Haupthaus berichtete allerdings, dass schon einige Käufer nachgefragt hätten, ob sie die Payback-Karte (die im Kaufhof in Gebrauch ist) oder einen Zehn-Prozent-Gutschein des ehemaligen Konkurrenten einsetzen dürfen: „Den musste ich aber sagen, dass es dafür noch zu früh ist.“

Ingo und Olivia Michalik haben die vielen Hinweise zum neuen Kaufhausnamen am Karstadt-Eingang nahe dem Schillerdenkmal glatt übersehen. Quelle: Michael Zgoll

In 174 Filialen bundesweit sowie in den Online-Shops von Karstadt und Kaufhof gibt es seit dieser Woche etliche Produkte gleichermaßen zu kaufen, zum gleichen Preis. Doch völlig identisch ist das Angebot nicht, beispielsweise bei der Herrenmode: Hier werden auf getrennten Prospektseiten verschiedene Schnäppchen offeriert. „Es wäre ja auch geschäftlicher Selbstmord, wenn nun alle Kaufhäuser genau das Gleiche anbieten würden“, meint Ralf Sandleben, Betriebsratsvorsitzender des Karstadt-Warenhauses in der Georgstraße. Damit keines der vier Häuser in Hannover seine Existenzberechtigung verliert, müsse man ein gutes Stück Verschiedenheit und Vielfalt beibehalten.

Derzeit gibt es vier Filialen in der Landeshauptstadt: das bisherige Karstadt-Haupthaus im Dreieck von Georg- und Schillerstraße mit – nach jeweils unbestätigten Angaben – rund 100 Beschäftigten, Karstadt-Sports in der Großen Packhofstraße (60) sowie die zwei Kaufhof-Warenhäuser am Ernst-August-Platz (400) sowie in der Seilwinderstraße nahe der Marktkirche (200). Karstadt-Eigentümer Signa hält 50,01 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen, die Kaufhof-Mutter Hudson’s Bay den Rest.

Neue Hausmarken angedacht

Was wird aus den Hausmarken, etwa im Modebereich, und wird es einheitliche Kundenkonten geben? Offizielle Stellungnahmen zu solchen Fragen gibt es noch nicht, doch erste Spekulationen machen schon die Runde. So könnten die Paletten der jeweiligen Hausmarken reduziert, aber nicht aufgelöst werden, gleichzeitig sollen neue, gemeinsame Hausmarken aus der Taufe gehoben werden. Auch gilt es als wahrscheinlich, dass es in absehbarer Zeit gemeinschaftliche Kundenkonten geben wird. Eine Schließung einer der vier Filialen in Hannover soll kein Thema sein – zumindest nicht aktuell.

Gemeinsame Betriebsversammlungen stehen derzeit nicht auf der Tagesordnung, dazu sind die Voraussetzungen zu verschieden. Bei Kaufhof scheint eine erhebliche Reduzierung des Personals unausweichlich, jüngst warnte die Gewerkschaft Verdi davor, dass in den Filialen bundesweit nun sogar 1800 statt – wie bisher kolportiert – 1600 Vollzeitstellen gekappt werden sollen. Betriebsrat Sandleben verweist darauf, dass die Karstadt-Mitarbeiter nach den zwei Pleiten der vergangenen zehn Jahre genug geblutet hätten: „Unsere Leute bekommen aufgrund der Sanierungsvereinbarungen seit Jahren 11,3 Prozent unter Tarif bezahlt.“ Eine Vollzeitkraft bei Karstadt verdiene derzeit im Schnitt 250 Euro brutto weniger als ein Kaufhof-Mitarbeiter – hier gelte es, dem zunehmend verbitterten und verärgerten Karstadt-Personal ein gutes Stück entgegenzukommen.

Das neue Logo fällt kaum auf

Fragt man Kunden, was sie zur Gestaltung des neuen Logos und zum Motto „Wir sind zusammen Deins“ sagen, fallen die Antworten eher gleichgültig aus. Kaum jemandem ist aufgefallen, dass im Schriftzug „Galeria“ ein sanfter Farbwechsel erkennbar ist, vom Karstadt-Blau zur Linken zum Kaufhof-Grün zur Rechten. Eher altbacken findet das Logo mit dem aufgesetzten Einkaufstaschen-Henkel Ingo Michalik. Und seine Frau Olivia Michalik ergänzt: „Uns ist die ganze Werbung für den Zusammenschluss der beiden Kaufhäuser bei unserem Einkauf überhaupt nicht aufgefallen.“ Dabei haben sich die Marketing-Strategen große Mühe gegeben, dem Publikum ihre Botschaft zu vermitteln – selbst über die Sicherheitsschranken an den Ausgängen der Kaufhäuser wurden Hüllen mit dem neuen Namen „Galeria Karstadt Kaufhof“ gezogen.

„Die Fusion ist doch nur dazu da, noch mehr Personal abzubauen“, meint Elisabeth Löwe, die dem Karstadt-Haupthaus eher zufällig einen Besuch abgestattet hat. Sie wären eh nur an Sonderangeboten interessiert, erzählen zwei ältere Eheleute aus Groß-Buchholz, und eine besondere Vorliebe für einen bestimmten Kaufhauskonzern hätten sie noch nie gehegt. Das neue Logo finden die meisten der Befragten eher nichtssagend, messen ihm aber auch keine entscheidende Bedeutung zu. „Das Wichtigste ist doch“, sagt ein 42-Jähriger aus Döhren, „das nun nicht alles vereinheitlicht wird und ich in den Kaufhäusern weiterhin verschiedene Sachen bekommen kann.“

Von Michael Zgoll

Der Zukunftstag soll Schüler für geschlechtsuntypische Berufe begeistern. Aber in vielen Unternehmen in Hannover dürfen Schüler einfach so schnuppern. Egal, ob sie Jungen oder Mädchen sind.

31.03.2019

Die Stadt sucht neue Formate für die Bürgerbeteiligung und trägt dafür Ideen zusammen. Als Testfall dient außer einem Projekt in Ahlem auch das baulich aus der Zeit gefallene Freizeitheim Döhren.

28.03.2019

Wenn der Vater an den Sohne: Wie das McDonalds-Franchiseunternehmen Ehmann einen Generationswechsel vollzogen hat.

30.03.2019