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Hannover Kindesmissbrauch: Früherer MHH-Arzt ist voll schuldfähig
Nachrichten Hannover Kindesmissbrauch: Früherer MHH-Arzt ist voll schuldfähig
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15:13 24.01.2019
Der wegen des Missbrauchs von rund 20 Jungen verurteilte Kinderarzt (rechts) sitzt im Gerichtssaal neben seinem Anwalt Ralf Schönauer. Nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil gegen den bereits zu dreizehneinhalb Jahren Haft verurteilten Mediziner aufgehoben hat, wird der Fall neu verhandelt. Quelle: dpa
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Augsburg/Hannover

Im Berufungsprozess gegen den pädophilen Mediziner Harry S. haben Gutachter den früheren Kinderarzt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) als voll schuldfähig eingestuft. In der Neuauflage des Missbrauchsprozesses gegen den Augsburger Kinderarzt fordert die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von dreizehneinhalb Jahren und zusätzlich eine Sicherheitsverwahrung. Das entspricht exakt dem Strafmaß, welches das Landgericht im ersten Prozess gegen den Arzt verhängt hat. Vor dem Landgericht Augsburg muss sich der 43-jährige Mediziner seit November ein zweites Mal wegen des Missbrauchs von 21 Jungen verantworten. Auch an einem fünfjährigen Jungen aus Garbsen-Berenbostel hatte sich S. im Sommer 2014 vergangen. Es war ein besonders brutaler Fall. Das Kind hatte er in Hannover entführt, mit einem Medikament betäubt und missbraucht. Später hatte er den verstörten Jungen wieder auf der Straße ausgesetzt. Harry S. wird erneut der Prozess gemacht, um wegen seiner Pädophilie eine mögliche verminderte Schuldunfähigkeit zu klären. Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil von 2016 in Teilen aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft forderte damals wie jetzt wieder Haft und Sicherungsverwahrung.

Landgericht Augsburg hält Kinderarzt für voll schuldfähig

Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil gegen Harry S. deshalb teilweise aufgehoben, weil aus Sicht der Bundesrichter nicht ausreichend geprüft wurde, ob er bei den Taten - wie im ersten Urteil angenommen - wirklich voll schuldfähig war. In der Neuauflage des Prozesses vor dem Landgericht Augsburg bewerteten vier Gutachter das Verhalten des Angeklagten - zwei waren von der Justiz beauftragt, zwei weitere von den Verteidigern des Angeklagten. Allerdings sind alle Gutachter zum Ergebnis gekommen, dass Harry S. voll schuldfähig war. Er habe sein Berufsleben bis zuletzt im Griff gehabt und habe sich noch so kontrollieren können, dass er während der Arbeit keine jungen Patienten missbrauchte, sagte Staatsanwältin Tanja Horvath. Sie forderte auch, dass gegen den Angeklagten zusätzlich zur Haft die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung angeordnet wird. Er sei "eine Gefahr für die Allgemeinheit". Sie sprach sich auch für ein lebenslanges Berufsverbot als Arzt aus.

Anwälte wollen Sicherungsverfahrung verhindern

Im ersten Prozess hatte die Staatsanwaltschaft 14 Jahre und sechs Monate Haft beantragt. Dass es nun ein Jahr weniger ist, begründete die Staatsanwaltschaft mit der langen Dauer des Verfahrens. Da die Staatsanwaltschaft gegen das erste Urteil des Landgerichts keine Revision eingelegt hatte, ist sie zudem an dieses Urteil gebunden. Harry S. hatte bereits im ersten Prozess zugegeben, mindestens 20 Jungen missbraucht zu haben. Mit dem Urteil - dreizehneinhalb Jahre Haft und Sicherungsverwahrung - war er aber nicht einverstanden. Es lag nahe an der Höchststrafe von 15 Jahren. Seine Anwälte Ralf Schönauer und Moritz Bode hatten deshalb Revision eingelegt. Ihr Ziel ist es, eine mildere Strafe zu erreichen und eine Sicherungsverwahrung zu verhindern. Beim Strafmaß müsste das Geständnis von Harry S. stärker berücksichtigt werden, hatten seine Anwälte Moritz Bode und Ralf Schönauer schon zu Prozessbeginn gesagt.

Das ist Harry S.

Der heute 43-jährige Harry S. soll sich zwischen 2007 und 2014 an mehr als 20 Jungen im Alter zwischen fünf und acht Jahren vergangen haben. Die Taten soll er in Augsburg, München, Nürnberg und Hannover verübt haben –überall dort, wo der berufliche Werdegang den Arzt hinführte. S. studierte an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Anschließend wechselte er unter anderem an die Kinderklinik des Klinikums Augsburg, an das Deutsche Herzzentrum nach München und an die Kinderklinik der MHH. Von seinen Opfern machte S. Fotos. Bei der Durchsuchung seiner Zweitwohnung in der Lister Straße stellten die Ermittler kinderpornografisches Material auf dem Rechner des Mediziners sicher. Einen fünfjährigen Jungen aus Garbsen betäubte S. mit einem Medikament, um ihn verschleppen zu können. Diese Methode soll er in weiteren Fällen angewandt haben. S. war in seiner Augsburger Zeit Vorstandsmitglied beim Deutschen Roten Kreuz. Für die Hilfsorganisation organisierte er Kinderausflüge mit Übernachtungen. Auch dabei sollen Übergriffe auf Jungen erfolgt sein.

Von Jörg Heinzle und Ingo Rodriguez

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