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Hannover High Tech auf der Hannover Messe: Wie gut sind die Roboter wirklich?
Nachrichten Hannover High Tech auf der Hannover Messe: Wie gut sind die Roboter wirklich?
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00:17 07.04.2019
Auf der Hannover Messe 2019 testet HAZ-Redakteurin Bärbel Hilbig, wie es sich anfühlt, einem Roboter die Hand zu schütteln. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Der Roboter erweist sich als ein kompliziertes Wesen. Die Firma IBG wirbt auf der Hannover Messe damit, dass ihr maschineller Kollege Händeschütteln kann. Das will ich ausprobieren. Wie fühlt es sich an, wenn ein Apparat eine für Menschen ganz alltägliche Form der Begrüßung simuliert? Reagiert er darauf, wie fest ich zudrücke und stellt sich sensibel darauf ein? Es würde mich nicht überraschen, wenn der Roboter sich vorsichtig zurückhält. Im Hauptjob sollen er und seine Artgenossen schließlich gemeinsam mit Menschen in der Produktion arbeiten. Das Hauptgebot dabei: Niemanden verletzen, denn ein schwerer Unfall würde alle zukünftigen Einsatzmöglichkeiten infrage stellen.

Roboter sind allgegenwärtig auf der Messe. Überall schwenken Greifarme, führen sanft gleitend komplizierte Bewegungsabläufe aus. Mein Gegenüber besitzt sogar zwei Arme und zwei Hände. Ein Kopf fehlt zwar, das ist beim Händeschütteln nicht zwangsläufig erforderlich. Doch zunächst bekomme ich Anweisungen: Ich soll mit dem sensiblen Apparat vorsichtig umgehen. „Die Hand ist einfach sehr empfindlich. Man kann die Antriebe darin sehr schnell kaputt machen“, erklärt Mitarbeiterin Mareike Stender.

Also lege ich, wie erbeten, zunächst einfach meine Handfläche an die des Roboters. Dann fasse ich leicht zu und schüttele sanft seine Hand. Doch von einem herzlichen Händedruck ist der lackglänzende Apparat noch weit entfernt. Auf meine Handbewegung reagiert er zeitversetzt, sodass ich den Eindruck habe, er zerrt an meiner Hand und zieht sie in seine Richtung. Das holprige Begrüßungsritual ist außerdem überraschend schnell wieder vorbei. Der Roboter zieht sich in seine Ausgangs- und Ruheposition zurück. Ein zweiter Versuch verläuft identisch.

Dabei besitzt Nxt Level Mensch Roboter Kollaboration, so der Name des Roboters, ein Sensorsystem, mit dem er Bewegungen erfühlt und darauf reagiert. IBG-Mitarbeiterin Mareike Stender kann ihm sogar berührungslos Bewegungen vorführen, die er auf diese Weise quasi lernt und speichert. „Er könnte in Räumen mit Gift- oder Strahlenbelastung arbeiten“, erläutert Mitarbeiter Benedikt Ebert. Sicher besser, als den distanzierten Kollegen zur Begrüßung an den Empfang zu stellen.

Roboter Forpheus spielt mit Tischtennisprofis

Der große Roboter bei der Firma Omron erwartet die Besucher mit dem Tischtennisschläger in der Hand. Tischtennis spiele ich fast nie, kenne die Regeln kaum, obendrein bin ich erkältet. Der Sieger der Partie dürfte also feststehen. Das japanische Unternehmen hat die Maschine namens Forpheus zum dritten Mal auf der Hannover Messe dabei. Vergangenes Jahr hat Tischtennisprofi Dimitrij Ovtcharov gegenüber dem Roboter mehrmals mit dem exakt gleichen Aufschlag gepunktet. „Das ging nur, weil Ovtcharov so superpräzise spielt“, sagt Omron-Mitarbeiter Benjamin Papst. Bei vierten Mal hatte Forpheus verstanden und erwischte den Ball.

Mit einem System von Kameras erfasst der Roboter den Gegenspieler, die Führung des Schlägers und den Ball. Daraus errechnet er die zu erwartende Flugbahn. „Wenn ein Spieler aggressiv spielt, wird Forpheus ebenso retournieren“, erklärt Papst. Die Firma, Spezialist für Roboter und Industrieautomation, arbeitet laufend an der Verbesserung ihres Tischtennisspielers. Er ist ein Vorführstück, soll zeigen, was alles möglich ist in der Kombination von Roboter und Künstlicher Intelligenz.

Bei Laien hält der Sportroboter sich zurück

Mit mir lernt Forpheus nicht viel. Ich schicke zaghafte Bälle über das Netz, jedes Mal in eine andere Richtung. Wenn ich einen Ball erwische und zurückspiele, lässt der Roboter ihn garantiert auf seiner Seite fallen. Wenn diese Maschine spielen kann, dann zeigt sie es nicht. Wahrscheinlich passt sich der Roboter ganz sensibel seinem Gegenüber an. Anders kann ich mir sein Schwächeln nicht erklären.

Mit einer besonderen Art von Flugsimulator lockt die Firma WSCAD aus Bergkirchen Messegäste an. „Mit unserer Arbeit hat das nichts zu tun“, räumt Vertriebsmanager Jürgen Leuters freimütig ein. Die Mitarbeiter schreiben Software zur Steuerung und Dokumentation von Maschinen und Industrieanlagen. Am Stand dürfen die Besucher aber fliegen im virtuellen Raum. Dazu lege ich mich bäuchlings in ein Gestell. Schienbeine, Knie und Unterarme liegen auf, mein Rumpf schwebt frei. Durch eine 3D-Brille soll ich die Landschaft sehen, über die ich virtuell wie in einem Paraglider fliege.

Fliegen im virtuellen Raum

Doch offenbar habe ich zu lange mit Betreuerin Svea Postel gesprochen. Ich sehe nichts. Sie muss mir die Brille deshalb noch einmal abnehmen, neu programmieren und wieder aufsetzen, während ich schon im Gestell hänge. Gutes Training für die Rumpfstabilität. Und dann fliege ich durch eine computergenerierte Berglandschaft. Unter mir tauchen Ringe auf, die ich durchqueren soll. Viel zu weit unten, so stark kann ich mich gar nicht nach vorne hängen, um tiefer zu kommen. Immerhin schaffe ich es, durch Gewichtsverlagerung nach links oder auch rechts zu steuern. Das Gerät wäre sicher ein Gewinn für jeden Fitnessklub. Ganz ohne Händeschütteln.

Auf dem schwebenden Förderband tanzen die Produkte

Einen Tisch mit tanzenden kleinen Tabletts hat die Firma Beckhoff Automation aus Verl bei Gütersloh in Halle 9 aufgebaut. Die flachen Rechtecke sind etwas größer als ein Handy und flitzen wie schwebende Teppiche über ein Magnetfeld, mal geordnet hintereinander in einer Reihe, mal wie in einer komplizierten Tanzformation. Im Tischboden sind dazu Spulen und Netzteile eingelassen, die Tabletts selbst sind mit abstoßenden Magneten ausgerüstet. Die Tabletts transportieren Waren, in diesem Fall nachgebildete Miniatur-Handys, Reagenzgläser, Fleischprodukte.

Diese Magnetschwebetechnik könnte die Produktion revolutionieren, denn Produktionsstraßen lassen sich so leicht verändern. „Der große Vorteil: Wir brauchen keine Mechanik, also Führungsschienen mit Rollen und Kugellagern mehr, und haben somit keinen Verschleiß am System“, sagt Henrik Ohlmer von Beckhoff. Besonders für Pharmabranche, Nahrungsmittelindustrie und Chipproduktion dürfte das System attraktiv sein. Sie sind auf eine weitgehend staubfreie Umgebung angewiesen. Bei der Magnettechnik entsteht kein Abrieb mehr. „Wir definieren verschiedene kollisionsfreie Fahrwege, der Anwender kann sie je nach Bedarf ändern“, erklärt Ohlmer. Die Transporteinheiten können je nach Einstellung des Magnetfelds auch stärker abheben oder leicht zur Seite kippen. Eine flexible Angelegenheit.

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