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Hannover Motorradfahrer von Lkw überrollt: 22-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht
Nachrichten Hannover Motorradfahrer von Lkw überrollt: 22-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht
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17:28 15.08.2019
Der Angeklagte soll im April 2018 mit seinem Seat Leon einen Motorradfahrer auf der A 2 bei Hannover erfasst haben. Das Zweirad blieb in der Front des Wagens stecken, der Biker starb noch an der Unfallstelle. Quelle: Christian Elsner
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Hannover

Das Amtsgericht Hannover befasst sich seit Donnerstag mit dem tödlichen Autobahnunfall vom 27. April 2018, bei dem ein Motorradfahrer ums Leben kam. Die Anklage wirft dem 22-jährigen Leon T. fahrlässige Tötung vor, weil er den Mann auf der A 2 übersehen und mit mindestens 146 Stundenkilometern erfasst haben soll. „Das Motorrad verkeilte sich an der Autofront und wurde mitgeschleift“, sagte der Staatsanwalt. Ein Lkw überrollte den am Boden liegenden Biker, dieser starb noch an der Unfallstelle. Angehörige des Opfers und der Fernfahrer verfolgten als Nebenkläger beziehungsweise Zeuge die Verhandlung.

Leon T. räumte gleich zu Prozessbeginn ein, der Unfallfahrer gewesen zu sein. Er sei mit seiner Freundin und zwei Freunden nach Wunstorf unterwegs gewesen. Deshalb waren die Vier gegen 21.30 Uhr an der Anschlussstelle Hannover/Langenhagen auf die A 2 Richtung Dortmund gefahren. „Ich habe auf dem Beschleunigungsstreifen ganz normal den Schulterblick gemacht“, sagte der Laatzener aus. Dasselbe habe er wiederholt, als er auf die mittlere Spur wechseln wollte. T.: „In dem Moment ist es zur Kollision gekommen.“ Sein Beifahrer habe zwar noch „Vorsicht!“ gerufen, doch es war zu spät.

Motorrad beim Spurwechsel übersehen

Auch vor Gericht wiederholte der 22-Jährige seine Polizeiaussage, den 18-Jährigen aus Hameln auf dessen Hyosung nicht gesehen zu haben. Der Seat sei mit verkeiltem Motorrad halb auf dem Seitenstreifen stehengeblieben. Als die Insassen aussteigen wollten, hätten sie gerade noch rechtzeitig den herannahenden Sattelzug entdeckt und seien im Wagen geblieben. Lediglich einer von ihnen habe sich hinter die Leitplanke retten können. Der 40-Tonner prallte ins Heck des 300 PS starken und erst fünf Tage alten Seat Leon Cupra, der Wagen wurde zurück auf die Fahrbahn und gegen die Mittelleitplanke geschleudert. Die Insassen wurden teils schwer verletzt.

Der Fahrer eines nachfolgenden 40-Tonners konnte damals nicht mehr bremsen und überrollte den am Boden liegenden Motorradfahrer. Quelle: Christian Elsner

Der 37-jährige Fernfahrer aus Berlin musste während seiner Aussage mehrfach innehalten und schlucken, als er sich an den schrecklichen Unfall erinnern sollte: „Erst sah ich einen dunklen Fleck auf der Fahrbahn und dann eine liegende Person.“ Der 37-Jährige sei bei Tempo 90 „sofort voll in die Eisen gegangen“, konnte aber auch nicht ausweichen. „Ich habe gespürt, wie ich über den Motorradfahrer gerollt bin“, sagte er aus. Der Leon wiederum sei nach dem Zusammenstoß „wie ein kleines Geschoss“ über die A 2 geschleudert worden.

„Ziemlich schnell hochgeprescht“

Ein 28-jähriger Autofahrer stoppte unmittelbar nach dem Unfall und leistete Erste Hilfe, indem er versuchte, mit dem Fernfahrer zu sprechen. Seit dem tödlichen Unfall ist der 37-Jährige nicht mehr in der Lage, Lkw zu fahren. Zuvor sei er täglich zwischen Berlin und Hannover unterwegs gewesen. Er musste monatelang psychisch betreut werden und ist zurzeit arbeitslos. „Ich bin damit nicht fertig geworden“, sagte der Fernfahrer. Auch der Vater des Getöteten sowie die beiden Schwestern mussten sich während der Verhandlung gegenseitig Trost spenden und blickten immer wieder still ins Leere.

Nach Angaben eines Pärchens aus Osnabrück, das noch vor dem Lkw fuhr, sei der 22-Jährige in seinem Seat die A-2-Auffahrt „ziemlich schnell hochgeprescht“. Die Fahrerin (32) sagte, sie selbst sei in gleicher Höhe etwa 140 Stundenkilometer gefahren, doch T. sei binnen Sekunden an ihr vorbeigezogen. Kurz darauf habe es eine Rauchwolke gegeben und Plastikteile seien umher geflogen. „Ich dachte zuerst, sein Turbolader wäre hochgegangen“, sagte der 35-jährige Lebensgefährte. Erst beim Vorbeifahren sahen sie, dass ein Motorrad „wie eine Axt im Baum“ in der Front steckte.

Richter kritisiert Zeugen, weil sie nicht geholfen haben

Aber: Anstatt zu helfen, fuhr das Paar nach Hause und meldete sich erst dann bei der Polizei, als es im Internet vom tödlichen Unfall las. Richter Reinhard Meffert kritisierte die beiden dafür mit klaren Worten: Wenn sie schon nicht angehalten haben, „wäre bis Osnabrück mehr als genug Zeit gewesen, zumindest die Polizei zu informieren“. Die 32-Jährige und ihr Partner räumten daraufhin kleinlaut ein, dass ihr Verhalten wohl ein Fehler war. Der Prozess wird am 23. August fortgesetzt.

Von Peer Hellerling

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