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Hannover Neue Spezialeinheit der Polizei soll Gefahrstoffe entschärfen
Nachrichten Hannover Neue Spezialeinheit der Polizei soll Gefahrstoffe entschärfen
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18:35 26.08.2019
Die neue CBRN-Einheit der Polizei Niedersachsen soll chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren analysieren und neutralisieren. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Landesinnenminister Boris Pistorius (SPD) hat am Montag in Hannover eine neue Gefahrenabwehreinheit der Polizei in Niedersachsen vorgestellt. Die CBRN-Truppe (kurz für chemisch, biologisch, radiologisch und nuklear) soll hochgefährliche Stoffe erkennen. Sie kommt beispielsweise dann zum Einsatz, wenn ein rätselhaftes Pulver in der Post gefunden wird.

Gleichzeitig präsentierte der Minister neues Schutzequipment, auch Drohnen gehören nun zur Ausstattung. Erst im Mai hatte der Zustand der Polizei wegen maroder Gebäude und fehlender Ausstattung für Schlagzeilen gesorgt.

Einheit gegen Gefahrenstoffe

Die CBRN-Einheit ist laut Minister speziell geschult im Umgang mit gefährlichen Substanzen, „sei es im kriminellen Zusammenhang oder anderen Einsätzen mit riskanten Stoffen“. Die neue Truppe operiere stets mit Schutzanzügen und unter Atemschutz, um das Kontaminationsrisiko so gering wie möglich zu halten. „Sie sind echte Spezialisten auf dem Gebiet“, sagt Pistorius, „Einsätze mit chemischen oder sogar nuklearen Stoffen sind hochgefährlich.“ Die unbekannten Stoffe sollen genau dokumentiert, Proben fachgerecht verpackt und zur weiteren Analyse abtransportiert werden.

Die Gefahr von Straftaten mit chemischen Stoffen ist dem Minister zufolge in Niedersachsen zwar nicht erhöht, könne aber auch nicht ausgeschlossen werden. Bislang bewältigte jede Polizeidirektion solche Einsätze für sich. Abgesehen vom Know-how habe die Zentralisierung einen weiteren Vorteil: „Damit entlasten wir gleichzeitig die Einsatz- und Streifendienste in der Fläche“, sagt der Innenminister. Die Gefahrstoffeinheit soll Anfang kommenden Jahres endgültig einsatzbereit sein. Weil CBRN-Stoffe extrem gefährlich sind, besteht die Einheit ausschließlich aus Freiwilligen.

Polizei setzt auf Drohnen

Eine weitere technische Neuerung sind zwei Polizeidrohnen. Ein achtköpfiges Team unterstützt damit landesweit die Beamten unter anderem an Tat- und Unfallorten. Das Fluggerät im Wert von 7000 Euro verfügt über eine Wärmebildkamera und kann 3-D-Aufnahmen anfertigen. „Die Arbeit vor Ort wird so viel schneller als mit stationären Geräten“, sagt Pistorius. Dies komme letztlich auch staugeplagten Autofahrern zugute, weil Sperrungen nicht mehr so lange aufrecht erhalten werden müssen.

Laut Polizeioberkommissar Matthias Hein gab es 2018 etwa 50 Flüge, „in diesem Jahr sind wir jetzt schon bei ungefähr 35“. Das Gerät wird unter anderem auch bei der Vermisstensuche eingesetzt, war beim Hurricane-Festival im Einsatz und könnte bei Amokläufen Hinweise auf die Position des Täters liefern. Eins aber schließt der Minister explizit aus: „Die Drohne dient nicht zur Beobachtung von Personen.“ Die Testphase läuft noch bis Oktober, danach startet wahrscheinlich der Regelbetrieb. Pistorius schließt die Anschaffung weiterer Drohnen nicht aus.

Kugelsichere Helme und stichfeste Westen

Im Alltag soll aber vor allem moderne Schutzausrüstung helfen. Im Juli 2017 präsentierte der Minister neue Polohemden aus Eukalyptusfasern, Basecaps und auch eine Blaulichtjacke, jetzt wird die Ausrüstung nach „äußerst erfolgreichen Tests“ auch offiziell eingeführt. Hinzu kommen stichfeste Westen und mit Verspätung nun auch kugelsichere Helme. „Die Sicherheit für unsere Beamten wird damit auf ein vorher nicht erreichtes Level gehoben“, sagt Pistorius.

Die Helme samt Visier sollen Neun-Millimeter-Kugeln standhalten, die schweren Schutzwesten sogar Maschinenpistolen. 2,1 Millionen Euro kostet die Anschaffung der ersten 3000 Helme, die gleiche Menge soll in einer weiteren Tranche folgen. „Diese Ausstattung haben in anderen Bundesländern sonst nur Spezialkräfte“, sagt der Minister. Für den Alltag bekommen die Beamten eine leichtere Unterziehweste, die nun auch Messerangriffen standhält – ohne Mehrgewicht. Die Leuchtjacke sei ebenfalls ein Erfolg, es gebe weltweite Kaufanfragen, darunter aus Südkorea.

FDP fordert nicht nur Ankündigungen

Die Landes-FDP übt dennoch Kritik am Minister: Verbesserungen seien immer gut, aber die Ausrüstung müsse, so der innenpolitische Sprecher Marco Genthe, „dann aber auch wirklich bei den Polizisten im Einsatz ankommen“. Die 2016 angekündigten Bodycams seien weiterhin nicht flächendeckend im Einsatz, die neuen Teleskopschlagstöcke wiesen gravierende Mängel auf. Pistorius sollte laut Genthe daher nicht ständig Neues ankündigen, sondern lieber dafür sorgen, „dass auch etwas passiert“.

Dietmar Schilff, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), nennt das neue Equipment, den Einsatz von Drohnen und die CBRN-Einheit dagegen „zukunftsweisend“. Allerdings müsse der Haushalt für 2020 dringend angepasst werden, um eine gute und gesunde Arbeitsumgebung zu schaffen. Zahlreiche Dienststellen sind marode, die Unterkunft des SEK in Hannover leidet unter einer Rattenplage. Schilff: „Es ist wichtig, hier am Ball zu bleiben.“

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Von Peer Hellerling

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