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Hannover Festival Unescon bringt ESC-Feeling nach Hannover – live im Pavillon
Nachrichten Hannover Festival Unescon bringt ESC-Feeling nach Hannover – live im Pavillon
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00:19 02.07.2019
Die sieben ESC-Sänger und weitere Künstler der Unescon stellen sich im Pavillon in Positur. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Natürlich hätte er auf der Bühne des Raschplatz-Pavillons gerne Lena präsentiert. Lena Meyer-Landrut, die Gewinnerin des Eurovision Song Contests (ESC) 2010. Aber die Gagenforderung der jungen Sängerin, erzählt Irving Wolther, sei einfach zu hoch gewesen für ein völlig neues Festivalformat, das noch niemand kennt und das in seinem ersten Jahr eher Hunderte denn Tausende anlockt. Dabei soll hier doch Großes entstehen: Der hannoversche Journalist mit dem Doktortitel, der seine Dissertation über Phänomene des Eurovision Song Contests geschrieben hat, möchte Hannover endgültig zur ESC-Stadt machen – mit der internationalen Song Contest Convention Unescon.

Das Mikrofon des Siegers

2011, im Jahr nach Lenas Triumph in Oslo, stach Düsseldorf Hannover als Austragungsort des Folgefestivals aus. Doch die drei Tage dauernde Unescon kann den Niedersachsen keiner nehmen. Sieben Künstler aus sieben Ländern treten am Sonnabend im Pavillon auf. Sieben Sängerinnen und Sänger, die alle schon mindestens einmal in einem ESC-Finale zugegen waren. Zwischen 1968 und 2019. Okay, ein Sieger ist nicht dabei. Aber beim ESC-Karaoke, das am Freitagabend mit hundert Gästen im Vereinsheim des Deutschen Hockey Clubs Hannover über die Bühne geht, ist wenigstens ein Teil des diesjährigen Gewinners Duncan Laurence dabei – sein Mikrofon. In echt.

Zum einem weiteren Foto für Presse und Fans gruppieren sich die Unescon-Künstler auf dem Weißekreuzplatz. Quelle: Michael Zgoll

Der älteste Ex-ESC-Sänger im Pavillon heißt Claes-Göran Hederström. Er ist 73 Jahre alt. 1968 sang er sich mit einem Lied, das – übersetzt – „Verdammt, das muss Liebe sein“ heißt, in London auf Platz 5. Bei der nachmittäglichen Pressekonferenz, gepaart mit einer „Meet und Greet“- Begegnung mit den Hardcorefans, zeigt sich Hederström ganz unglamourös. Aber alle haben vollstes Verständnis, dass sich der ältere Herr bei den Gruppenfotos im Pavillon und auf dem Weißekreuzplatz in kurzen Hosen zeigt. Es ist halt heiß.

Dreimal im Finale

Hederströms Mitstreiter auf der Unescon sind Manuela Bravo (61) aus Portugal (ESC-Platz 9 im Jahr 1979), Elina Nechayeva (27) aus Estland (Platz 8 in 2018) und Sebnem Paker (42) aus der Türkei (Platz 12 in 1996, Platz 3 in 1997). Am häufigsten in ESC-Endrunden stand Chiara Siracusa (42) aus Malta, und das durchaus erfolgreich: 1998 belegte sie Platz 3, im Jahr 2005 sogar Rang 2, doch 2009 sackte sie ab. Auf die 22.

Aus Deutschland ist Corinna May (48) am Start. Die seit ihrer Geburt blinde Sängerin landete 2002 mit ihrem Song „I Can’t Live Without Your Music“ zwar nur auf Rang 21, doch macht die Bremerin bis heute Musik. Und dann darf das Publikum im Pavillon auch noch einem leibhaftigen ESC-Teilnehmer aus diesem Jahr zujubeln: Chingiz Mustafayev aus Aserbaidschan. Der 28-Jährige belegte in Tel Aviv einen passablen 8. Platz.

Orchester spielt live

Das Besondere an der Unescon in Hannover ist, dass die Sänger live von Orchester und Band begleitet werden. Das „Orchester im Treppenhaus“ wartet mit 26 Musikern auf, die Begleitband mit sechs. „Ich habe die sieben Sänger auch danach ausgesucht, dass sie mit solch einem Klangvolumen klar kommen“, erzählt Wolther. Die aktuell prominentesten ESC-Künstler, meint der Experte, seien eh nicht unbedingt die besten Sänger. Und natürlich weiß der 49-Jährige auch, seit wann es beim Eurovision Song Contest kein Live-Orchester mehr gibt: seit 1998.

Das Galakonzert mit anschließender Disco im Pavillon gibt’s für 75 Euro, für das Drei-Tage-VIP-Paket muss man rund 100 Euro mehr auf den Tisch blättern. Zum Mehrwert zählen eine Welcome-Lounge mit Dinner und ESC-Bingo am Freitag, ein VIP-Empfang mit Backstageführung vor dem Pavillon-Konzert und die Teilnahme am sonntäglichen Schützenausmarsch. Besonders gern gesehen sind hier Fans, die sich in ESC-Kostüme zwängen – bei 40 Grad im Sonnenschein ein Zeugnis echter Leidenschaft. Wem dann noch nicht die Ohren klingen, darf an einem Workshop „Georgische Mehrstimmigkeit“ teilhaben und einem Fado-Konzert mit Manuela Bravo lauschen. In der Volkshochschule.

Irving Wolther lässt sich gerne „Dr. Eurovision“ nennen - in seiner Dissertation analysierte er 2006 das Phänomen ESC, jetzt organisierte er das dreitägige Unescon-Festival. Quelle: Michael Zgoll

„Ich will Hannover als Unesco City of Music bekannter machen als bisher“, sagt Organisator Wolther. Gewinn mache er mit der Unescon 2019 sicher nicht, schreibe eher rote Zahlen. Doch das kann „Dr. Eurovision“ nicht verdrießen. Im nächsten Jahr will er das ESC-Festival für die Ganzjahresfans erneut ausrichten – und selbstredend wird Hannover den Zuschlag bekommen.

Von Michael Zgoll

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