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Hannover „Der Schmerz ist noch nicht da“
Nachrichten Hannover „Der Schmerz ist noch nicht da“
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00:41 30.05.2018
Aktionskünstler Paul von Ribbeck vom Berliner Peng!-Kollektiv. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

Auf den Stufen am Denkmal der Göttinger Sieben sitzt Paul von Ribbeck, locker in Sneakers, Shirt und Shorts, und erzählt 15 Zuhörern Geschichten von subversivem Protest. Wie das „Peng!-Kollektiv“, er ist Gründer der Berliner Gruppe, einmal einen fiktiven CDU-Ortsverband gründete, der Kanzlerin Merkel aufforderte, in christlichem Sinne deutsche Exporte von Kleinwaffen einzustellen. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch bekam unter dem Aktionsmotto „Tortaler Krieg“ eine Torte ins Gesicht, nachdem sie Schusswaffengebrauch an Deutschlands Grenzen gefordert hatte.

Es gab Aktionen gegen Konzerne wie Shell und Vattenfall, die mit ökologischen und sozialen Folgen ihrer Geschäfte konfrontiert worden sind. Falsche Webseiten, Facebook-Adressen und Pressemeldungen gehören zum durchorganisierten Protest. Dafür gab es bereits Auszeichnungen. Aber das alles, sagt von Ribbeck am Sonntag bei der Reihe „Kunst umgehen“ zum Thema Zivilcourage, sei nicht genug. Sein Wunsch ist, dass sich mehr Menschen wehren: „Wir haben Möglichkeiten in Deutschland, es gibt Raum für Aktionen, aber der direkte Schmerz ist noch nicht da.“ Themen sieht er etliche. Waffenexporte, der Einfluss der Finanzwirtschaft, das undurchsichtige Treiben von Geheimdiensten.

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Doch solche Aktionen haben ihren Preis. von Ribbeck erlebte Hausdurchsuchungen und Morddrohungen von Rechten, die auch sein Foto samt Adresse publik machten, „das sind Nazi-Methoden“. Paul von Ribbeck sagt, er sei durchaus bereit, für manche Aktionen ins Gefängnis zu gehen. Die eigentliche Frage sei aber: „Wie weit ist man bereit, nichts zu tun?“

Von Gunnar Menkens