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Hannover Polizei gelingt Schlag gegen Drogenbande aus Vahrenheide
Nachrichten Hannover Polizei gelingt Schlag gegen Drogenbande aus Vahrenheide
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16:25 08.05.2019
Die Polizei durchsuchte bei der Drogenrazzia am Mittwochmorgen insgesamt 57 Wohnungen, darunter auch an den Hägewiesen im Sahlkamp. Quelle: Christian Elsner
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Hannover

Rund 450 Polizisten haben am frühen Mittwochmorgen zahlreiche Objekte im Raum Hannover und Nienburg durchsucht. Die Razzia richtete sich gegen einen Drogenhändler aus der Landeshauptstadt, der seit mehreren Jahren offenbar von Vahrenheide aus Rauschgift in großen Mengen bezogen und in der Stadt sowie dem Umland verkauft haben soll. Insgesamt spricht die Staatsanwaltschaft Hannover von mehr als zwei Tonnen, zumeist Marihuana. Das Rauschgift soll einen Gesamtwert von mindestens 2,6 Millionen Euro gehabt haben. Der 28-jährige Hauptverdächtige mit türkischem Pass konnte festgenommen werden, zudem fassten die Beamten vier weitere Männer.

Die insgesamt 57 Wohnungen und ein türkisches Café wurden unter anderem im Sahlkamp und in Langenhagen durchsucht. Hinzu kamen weitere Objekte in der Region und in Nienburg sowie Südniedersachsen. Hauptaugenmerk lag aber offenbar im Stadtteil Vahrenheide: „45 der 57 Wohnungen befanden sich dort“, sagt Oliver Eisenhauer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover. Am Vahrenheider Markt betreibt die Familie des 28-Jährigen zudem ein Café gegenüber der dortigen Sparkasse. Von dort aus soll der Verdächtige laut Ermittlern seine Geschäfte „überwiegend“ abgewickelt haben. Die vermummten Spezialeinheiten zerstörten gegen 6 Uhr mit einer Ramme die Glasscheibe der Eingangstür und durchsuchten das Geschäft. Ein Anwohner berichtet der HAZ, dass alle umliegenden Straßen mit Einsatzfahrzeugen blockiert waren, damit während der Razzia niemand fliehen konnte. „Vor der Tür des Cafés standen die ganze Zeit zwei schwer bewaffnete Polizisten“, sagt der 65-Jährige.

Drogen per Post verschickt

Dem 28-Jährigen wird vorgeworfen, die Drogensendungen aus den Niederlanden und Spanien seit mindestens drei Jahren per Post bezogen zu haben. Er verwendete dabei offenbar mehrere Adressen, dies erklärt die hohe Anzahl an durchsuchten Wohnungen. Selbst die Adresse eines Fußballvereins soll der 28-Jährige für seine Pakete verwendet haben. Der entscheidende Hinweis auf den Drogenring kam schließlich aus Holland. Den dortigen Fahndern war ein Deutscher aufgefallen, der sich im Nachbarland regelmäßig mit Drogen eindeckte. Bei der Razzia wurde laut Staatsanwaltschaft auch Rauschgift sichergestellt, die genaue Menge sei aber noch unklar.

Beim zweiten Hauptverdächtigen handelt es sich um einen 31-jährigen Libanesen, den die Beamten in Neustadt am Rübenberge festnahmen. Er soll sich um den Weiterverkauf der Drogen gekümmert und nach einem Streit mit dem 28-Jährigen ab Januar auf eigene Rechnung weitergemacht haben. Die drei weiteren Festgenommenen sind ein 24-jähriger Verkaufshelfer mit iranischen Wurzeln aus Hannover sowie zwei deutsche Abnehmer im Alter von 27 und 28 Jahren aus Wunstorf. Laut Staatsanwaltschaft soll der Schmuggel im Juni 2016 angefangen haben. Auch der Anwohner berichtet, das dubiose Treiben rund um das Café habe vor zwei bis drei Jahren begonnen. „Drinnen und draußen sind immer die gleichen Leute“, sagt er. Früher habe der 65-Jährige selbst gerne in dem Café gesessen und mit Bekannten Tee getrunken, „aber nicht mehr, seit diese jungen Burschen da sind“.

Monatelange verdeckte Ermittlungen

„Dieser Großeinsatz wurde sehr lange und sehr akribisch vorbereitet“, sagt Bernd Gründel, Vizepräsident des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen. „Dafür danke ich allen Beteiligten und freue mich über den gemeinsamen Ermittlungserfolg.“ Vorangegangen waren demnach monatelange verdeckte Operationen der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift des LKA, des Zollfahndungsamtes und der Zentralen Kriminalinspektion Hannover. Die fünf Beschuldigten wurden noch am Mittwoch einem Richter vorgeführt, dieser ordnete Untersuchungshaft wegen Flucht- beziehungsweise Wiederholungsgefahr an.

Das Café in Vahrenheide war am Mittwochmittag noch geschlossen, allerdings liefen bereits die Aufräumarbeiten. In einer Mülltonne lagen die Überreste der zerstörten Glasscheibe. Zudem hatten sich etwa zehn südländisch aussehende Männer vor dem Geschäft getroffen und offenbar gemeinsam beratschlagt. Dass der Drogenhandel rund um den Markt nun aufhört, glaubt der 65-jährige Anwohner nicht: „Da kann man die Uhr nach stellen, wann es weitergeht.“ Der Mann lebt mit Unterbrechungen seit 35 Jahren in Vahrenheide, mittlerweile sei die Polizei regelmäßig vor Ort. „Was da abgeht, ist unfassbar.“

Von Peer Hellerling

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