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Hannover Sport bei der Hitze? Klar – aber Jogger sieht man kaum
Nachrichten Hannover Sport bei der Hitze? Klar – aber Jogger sieht man kaum
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07:55 26.07.2019
Zum Joggen ist es ihm zu heiß: Tim (48) fährt stattdessen 35 Kilometer mit dem Fahrrad – aber konsequent im Schatten, wie er sagt. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Der Mann im hautengen schwarzen Skateranzug saust über den heißen Asphaltweg. Er bremst nur ungern, Zeit für ein Interview habe er nicht. „Ich muss mich bewegen“, sagt er. Sport bei Temperaturen um die 40 Grad Celsius? „Ja, es ist heiß“, sagt der Skater, „aber es ist eine Sucht.“ Spricht’s – und rollt davon. Eine junge Frau ist am Südufer des Maschsees per Fahrrad mit ihren Freundinnen zum Kiesteich unterwegs. „Dann steige ich ab und bewege mich überhaupt nicht mehr“, sagt sie und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

Die Berge hoch und runter radeln – bei großer Hitze

Tim (48) wird an diesem Nachmittag mindestens anderthalb Stunden lang nicht mehr vom Sattel steigen. Rund 35 Kilometer will er radeln, aber immer konsequent im Schatten. Gerade sei er vier Tage lang bei einem Radtreff des Bundes Deutscher Radfahrer in der Pfalz gewesen und zusammen mit Hunderten anderer Radfans bei Rekordhitze die Berge hoch und runtergefahren, erzählt Tim. Vier- bis fünfmal pro Woche steige er aufs Rad, sagt Tim, meist mit Kumpels vom Radsportverein Concordia. Radfahren sei mehr Gemeinschaftssport als Joggen. Das mache er auch regelmäßig, aber an diesem Tag sei ihm das viel zu heiß, sagt Tim. „Das geht nur frühmorgens, am besten vor sechs Uhr.“

Radfahren ist ein Gemeinschaftssport, findet Tim (48). Quelle: Moritz Frankenberg

„Lieber in klimatisierten Räumen“

Und tatsächlich sind an diesem Nachmittag keine Läufer im Südbereich des Maschsees unterwegs. Die Studenten Jan (23), Finja (20) und Sebastian (21) wollen zum Schwimmen und haben Federballschläger und einen Fußball dabei. „Das wird wohl eher Standfußball“, sagt Sebastian. Zum Rennen sei es viel zu warm. Hip-Hop im klimatisierten Raum, das ginge wohl, findet Finja.

Mit Federballschläger und Fußball an die Kiesteiche: Jan (23, (von links), Finja (20) und Sebastian (21). Quelle: Moritz Frankenberg

Olaf (55) geht sechs- bis siebenmal in der Woche ins Aspria, um dort Functional-Training zu machen mit Klimmzügen und Liegestützen. Der Sport sei wichtig, sagt er – aber auch das Soziale, hinterher mit Freunden auf der Terrasse am See etwas zu trinken.

Olaf (55) macht fast jeden Tag nach der Arbeit Sport. Quelle: Moritz Frankenberg

Sarina (21) und Milena (20) kommen gerade vom Schulsport. Sechs Wochen lang haben sie jeden Donnerstag in der siebten und achten Stunde Rudern. Die beiden jungen Frauen machen bei der Akademie des Klinikums Region Hannover eine dreijährige vollschulische Ausbildung zur Physiotherapeutin und haben ihre Sommerferien schon hinter sich.

Kommen vom Schulsport: Die Physiotherapie-Schülerinnen Milena (links, 21) und Sarina (20). Quelle: Moritz Frankenberg

„War ganz schön heiß“, sagt Sarina. „Aber durch das Rudern war man abgelenkt, und auf dem Wasser war auch ein bisschen Wind zu spüren.“ Milena, die in ihrer Freizeit auch noch Fußball beim PSV Grün-Weiß Hildesheim spielt, geht auch in diesen Tagen zwei- bis dreimal in der Woche zum Training. Der Schiedsrichter gebe dann mal eben Zeit für eine extra Trinkpause.

Radrennfahrer treten auch bei Hitze an

Keine Auswirkungen hat die derzeitige Hitzewelle auf die Breitensportangebote der Radsportgemeinschaft (RSG) Hannover. „Unsere rund 40 Lizenzfahrer treten genau so zu ihren Wettbewerben an, wie es auch die Profis zurzeit bei der Tour de France tun“, sagt der RSG-Vorsitzende Detlef Wachsmuth. Auch von den ambitionierten Amateurrennfahrern der RSG sei angesichts besonders hoher Temperaturen keine Absage ihrer Radrennen zu erwarten. Nicht einmal bei den Senioren aus der Abteilung Radwandern sei mit Absagen zu rechnen. „Die fahren ja auch mit normalen Fahrrädern ganz gemütlich – ohne hohes Tempo.“

Footballspieler trainieren ohne Schutzausrüstung

Eine besondere Trainingserleichterung gilt für die Hannover Stampeders: Die Spieler des American-Football-Clubs aus Hannover müssen laut dem Clubvorsitzenden Hans-Ulrich Hillegeist bei den derzeitigen Temperaturen im Training nicht ihre schwere Schutzausrüstung mit Helm anlegen. Die Fünftligamannschaft aus Hannover könne jedoch als Verbandsligist nicht einfach ein Training ausfallen lassen.

Auf ihre Schutzausrüstung dürfen die Footballspieler der Hannover Stampeders beim Training in sengender Hitze derzeit verzichten. Quelle: privat

Bezirksligakicker machen bei 37 Grad Celsius ein lockeres Trainingsspiel

Lennart-Mathis Gravelmann vom VFL Eintracht Hannover kickt auch bei hohen Temperaturen – wie kürzlich beim Sportbuzzer-Cup gegen SV Iraklis Hellas. Quelle: Debbie Jayne Kinsey

Auch bei der ersten Fußballmannschaft des VFL Eintracht Hannover ist eine Trainingsabsage nicht geplant. „Bei 37 Grad machen wir aber nur eine gute Stunde lang ein lockeres Trainingsspiel“, sagt Trainer Stephen Kroll. Ansonsten werde aber dreimal pro Woche jeweils eineinhalb Stunden lang pro Einheit normal trainiert. Immerhin: „Wir nehmen Getränke und Wassereimer mit auf den Trainingsplatz – und es werden auch Pausen eingelegt“, sagt der Trainer.

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