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Hannover Statt 575 entstehen 760 Wohneinheiten in der Gartenstadt Nord
Nachrichten Hannover Statt 575 entstehen 760 Wohneinheiten in der Gartenstadt Nord
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08:10 12.07.2019
Am 16. Februar 2019 begannen die Baumfällarbeiten auf dem Gelände. Quelle: Villegas
Hannover

 Seit 2001 steht der ehemalige Bundeswehrstützpunkt, die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne im Sahlkamp, leer. Doch es tut sich etwas für den Wohnungsbau auf dem 27 000 Quadratmeter großen Areal, das im Norden an die A 2 grenzt: Für die neue Gartenstadt Nord mussten im Februar dieses Jahres von etwa 600 Bäumen und Großsträuchern auf dem Gelände 390 abgeholzt werden. Grund dafür ist der Verdacht auf Kampfmittel im Boden, erklärt der Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide in seiner Mai-Sitzung. „Es wurde eine Stichprobe auf dem Neubaugebiet genommen – und es wurden Kampfmittel gefunden. Mit den Fällungen soll sichergestellt werden, dass sich keine Kampfmittel unter den Wurzeln von Bäumen befinden“, erklärte Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg (SPD) damals.

Mehr Wohnraum als geplant

Nach aktuellem Planungsstand der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG), die das Gelände 2016 gekauft hatte, sollen statt ursprünglich 575 nun rund 760 Wohneinheiten in der Gartenstadt Nord entstehen. Das geht aus einer Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen aus der Maisitzung an die Verwaltung hervor. „Die aktuelle Planung sieht den Bau von rund 260 Wohnungen in frei stehenden Einfamilienhäusern, Doppel- oder Reihenhäusern vor. Gegenüber den früheren Planungen liegt die Anzahl der Geschosswohnungen bei jetzt rund 500“, teilte Uwe Holland, Stadtplaner im Bezirk Bothfeld-Vahrenheide, mit. Für die rund 260 Wohnungen sei mit mehr als 600 Personen, bei der Anzahl der Geschosswohnungen mit weniger als 1150 Leuten zu rechnen, las er weiter vor.

Insgesamt sind für den Geschosswohnungsbau bis zu vier Stockwerke vorgesehen. „Würde man diese zulässige Anzahl der Vollgeschosse beispielsweise um zwei auf sechs erhöhen, so entstünden nicht automatisch 50 Prozent mehr Wohnungen“, erklärte Holland. Höhere Gebäude erfordern baurechtlich wiederum größere Gebäudeabstände, um gesunde und qualitätsvolle Wohnbedingungen zu gewährleisten, außerdem mehr Raum bei den öffentlichen Grün- und Verkehrsflächen bis hin zu größeren Folgeeinrichtungen beziehungsweise mehr Kita-Plätzen, ergänzte er.

Bezirksrat möchte Sporthalle

Derzeit sind nach Angaben von Bündnis 90/Die Grünen rund 10 000 Quadratmeter für Büro- und Dienstleistungen, wie zwei Kitas, und 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche für den Einzelhandel vorgesehen. In der jüngsten Sitzung des Bezirksrates Bothfeld-Vahrenheide wünschten sich die Politiker der SPD-Fraktion und die der Grünen sowie Bezirksratsherr Wolfgang Butz (FDP) in einem gemeinsamen Antrag zusätzlich eine Sporthalle auf dem Gelände. „Im Stadtbezirk brauchen wir mehr Kapazität in Bereich der Sporthallen“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Claudia Heinrich (SPD). Außerdem sei eine weitere Sporthalle im Sahlkamp eine gute Chance, um ein breites Sportangebot anbieten zu können. Dieses könnte eine gute Alternative für Jugendliche sein, um sie von der Straße zu holen, meinte Heinrich. Stadtplaner Holland äußerte jedoch Bedenken und Unverständnis für den Antrag. „Wenn das Planungsziel jetzt durch eine Sporthalle geändert wird, hat das Konsequenzen für den gesamten Zeitplan“, warnte er mit Nachdruck. Er sei sehr erstaunt, dass dieser Wunsch nicht schon früher geäußert wurde, sondern jetzt, wo der Bebauungsplan auf der Zielgraden sei. „Das macht mich sprachlos, dass das jetzt infrage gestellt wird“, sagte er fassungslos. Mit zehn Jastimmen, vier Neinstimmen und einer Enthaltung wurde der Antrag allerdings abgelehnt.

Kommentar: Die Gartenstadt soll nicht warten

Es tut sich mächtig was in Hannovers Nordosten. Auf dem Gelände der ehemaligen Freiherr-von-Fritsch-Kaserne entsteht eines der größten Baugebiete der Stadt. Zwar ist der Sanierungsaufwand beträchtlich. An vielen Stellen muss der Boden 1,70 Meter tief ausgebaggert werden, Kampfmittelbeseitiger werden Munitionsreste und Rückstände von Bombardements finden. Doch der Aufwand lohnt sich, denn das Gelände ist bereits erschlossen, sodass vergleichsweise wenig Natur für die neue Gartenstadt weichen muss.

Klar wäre es dem Stadtbezirk zu wünschen gewesen, wenn gleich in einem Aufwasch auch der Bau einer neuen Sporthalle mitgeplant werden würde. Doch dieses Ansinnen des Bezirksrats hätte das gesamte Projekt verzögert. Hannover braucht dringend Wohnungen. Das Ziel aber, eine neue Halle zu bauen, sollte der Bezirksrat im Blick behalten. Demnächst ziehen rund 1500 potenzielle Sportler nach Bothfeld-Vahrenheide.

Von Rüdiger Meise

Mitte Juli gehen Arbeiten weiter

Die erforderlichen Baumfällungen auf dem Gelände der zukünftigen Gartenstadt sind abgeschlossen, ab Mitte Juli, nach der Brut- und Setzzeit, kann mit der Zerkleinerung und dem Abtransport des verbleibenden Grünschnitts begonnen werden. „Nach derzeitiger Planung soll ebenfalls ab Mitte Juli 2019 mit dem oberirdischen Gebäuderückbau begonnen werden“, berichtete Holland in der Maisitzung des Gremiums. Mit dem Abriss unteririscher Gebäudeteile (Fundamente/Bunker) wird erst im Zuge der Sanierungsarbeiten des Bodens voraussichtlich ab Spätsommer/Herbst 2019 begonnen. Dabei wird das gesamte Kasernengrundstück (Ost- und Westteil) auf Kampfmittel hin untersucht. Aufgrund der unterschiedlichen Historie beziehungsweise der Vornutzung variieren jedoch die belastungsbedingt erforderlichen Eingriffstiefen in den Untergrund je nach Örtlichkeit zwischen durchschnittlich 0,50 Metern im Ostteil, rund 1,20 Metern im Westteil sowie etwa 1,50 Metern im Grünzug. „Im Bereich von Bombentrichtern kann ein Bodeneingriff von bis zu drei Metern Tiefe erforderlich werden“, so Holland.

Mögliche Igelvorkommen verzögerten Fällungsarbeiten

Die Bothfelderin Sonja Kuhn-Kanha ist empört. Sie wohne in der Nähe der ehemaligen Freiherr-von-Fritsch-Kaserne und wüsste, dass sich auf dem Gelände ein großes Vorkommen an Igeln befunden habe – die zu diesem Zeitpunkt auch noch in der Winterruhe waren. „Es wurde ein ganzes Ökosystem einfach plattgemacht“, sagte Kuhn-Kanha in der Einwohnersprechstunde des Bezirksrates Bothfeld-Vahrenheide empört. Und zusätzlich warf sie der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) vor, dass das Unternehmen vor Beginn der Fällarbeiten am 16. Februar 2019 nicht nach Igeln gesucht hätte. „Ich bin sprachlos über das, was da passiert ist“, erzählte Kuhn-Kanha.

Daher wendete sie sich am 18. Februar 2019 an die Untere Naturschutzbehörde, die eine sofortige Einstellung der Fällarbeiten am 19. Februar 2019, mit der Begründung des besonderen Artenschutzes der Tiere, verhängte. Laut der Stellungnahme der NLG, nach Anfrage der Grünen-Bezirksratsfraktion, wurde bereits im Vorfeld der Fällarbeiten das Gelände (inklusive der Baumhöhlen) auf sich in der Winterruhe befindliche Tiere untersucht – Igel seien dabei nicht gefunden worden.

Zusätzlich wurden ab dem frühen Morgen des 20. Februar 2019 alle Flächen auf das Vorkommen von Igeln untersucht, die Fällarbeiten konnten dann in ersten igelfreien Bereichen fortgeführt werden. Die Suche nach Igeln in der Winterruhe wurde auf Wunsch der Igelfreunde Lüneburg am darauffolgenden Wochenende, 23. und 24. Februar, unter deren Beteiligung fortgeführt, darunter auch Kuhn-Kanha. Jedoch fanden die acht Freiwilligen auch keine Igel – weder tote noch lebendige.

Von Laura Ebeling

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