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Hannover Gerhard Weber führt durch sein Hannover
Nachrichten Hannover Gerhard Weber führt durch sein Hannover
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00:16 17.05.2019
Ein Heimgekehrter: Gerhard Weber vor dem Ballhof – hier sah er als Schüler seine ersten Theaterstücke. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Natürlich, das ist hier eine Heimstatt der Hochkultur. Aber zugleich hat dieser Ort eine ganz persönliche Bedeutung für ihn. Gerhard Weber steht vor dem Teestübchen und blickt halb wehmütig, halb selig zum Ballhof hinüber: „Hier wurde meine Liebe zum Theater geweckt“, sagt der Theatermann. Es waren die Jahre um 1968, er war ein aufmüpfiger Schüler aus der Theater-AG der Herschelschule, und im Ballhof spielte man gern politische Stücke.

Hannover erschien ihm damals trotzdem provinziell. „Nach dem Abitur habe ich die Stadt fluchtartig verlassen“, sagt der 69-Jährige lachend. Er ging ans Max-Reinhardt-Seminar nach Wien, zum Regiestudium. Danach arbeitete er an diversen Bühnen, unter anderem in den Siebzigern als Assistent von Claus Peymann am Staatstheater Stuttgart: „Das hat mich künstlerisch am meisten beeinflusst“, sagt er. Nach Hannover kehrte er als Intendant der Landesbühne von 1998 bis 2004 zurück, danach war er elf Jahre lang Intendant am Theater Trier – und seit einiger Zeit ist er jetzt wieder da.

Buch eines Heimkehrers

An der Seite seiner Mitstreiterin Julia Goehrmann leitet der Südstädter die Musical Factory, die kleine Inszenierungen im Sofa Loft auf die Bühne bringt. Zuletzt waren dort die Blues Brothers zu sehen. „Dem Publikum hat es gefallen, doch finanziell müssen wir noch rentabler werden“, sagt er – und lenkt seine Schritte Richtung Marktkirche. „In der Altstadt ist die Dichte der Kulturorte besonders groß“, sagt er.

Da spricht ein Kenner. Weber hat gerade das Buch „Hunde bitte an die Leine zu führen“ verfasst (Verlag J.G. Seume, 199 Seiten, 16,90 Euro), das sieben Spaziergänge durch Hannovers Kulturgeschichte präsentiert. Es ist das Buch eines Heimkehrers, der sich seine alte, vertraute Welt noch einmal neu angeeignet hat. „Ich habe mich intensiv mit Hannover beschäftigt“, sagt er selbst bescheiden. Es ist ja ein Unterschied, ob man noch in seiner Heimatstadt wohnt oder schon wieder – und so ist dieses Buch eine Art Liebeserklärung eines Kulturmenschen an eine Kulturstadt geworden.

„In der Schmiedestraße, wo heute das Parkhaus steht, wurde 1759 August Wilhelm Iffland geboren – der wichtigste Theatermann, den Hannover hervorgebracht hat“, sagt Weber. Und im Schatten der Marktkirche wuchsen als Pastorensöhne die Schriftsteller August Wilhelm und Friedrich Schlegel auf. Wedekind, Sternheim, Benn, Remarque: „Es gibt eine unglaubliche Fülle von Autoren, die in Hannover Spuren hinterlassen haben“, sagt Weber, „und viele davon haben mich mein Leben lang begleitet.“

Wohnzimmer Markthalle

Der Theatermacher geht hinüber zur Markthalle. Mehrmals in der Woche radelt er hierher, um seinen Latte macchiato zu trinken. Die Wirte begrüßen ihn per Handschlag. „Die Atmosphäre hier ist locker, fast mediterran – man kommt rasch ins Gespräch miteinander“, sagt er. Doch obwohl die moderne Markthalle so etwas ist wie sein Wohnzimmer, schwärmt er auch von ihrem im Krieg zerstörten Vorgängerbau. „Eine originalgetreue Rekonstruktion im Jugendstil würde ich sofort unterstützen.“

An fast jeder Ecke der Altstadt fällt dem Buchautor eine neue Anekdote ein. Entweder aus der Kulturgeschichte oder aus seinem eigenen Leben. Um die Ecke, in der Schmiedestraße, logierte Karl Marx 1867 für ein paar Wochen bei seinem Freund, dem Arzt Louis Kugelmann, und wartete auf die Korrekturbögen des „Kapitals“. Und hier, im Landtag, hatte Weber selbst vor 20 Jahren viel zu tun: Die Landesbühne stand vor der Schließung, und er sorgte zumindest vorläufig für ihre Rettung. Damals hob er neue, frische Formate wie die Lange Nacht der Theater mit aus der Taufe. Und als Regisseur brachte er im Gartentheater Herrenhausen die legendäre „Sommernachtstraum“-Inszenierung mit Musik von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig auf die Bühne, die über die Jahre Zehntausende Besucher sahen.

Weber erzählt davon, während er weiterschlendert, dann bleibt er stehen. Das Leibniz-Haus. Vorsichtig lässt er seine Finger über die kunstvolle Fassade gleiten. „Mein Vater war Steinbildhauer, er hatte sein Geschäft am Engesohder Friedhof“, sagt er. „Als das Leibniz-Haus wieder aufgebaut wurde, hat er daran mitgearbeitet.“ Hier ist also noch so ein Ort, an dem Kulturgeschichte und persönliche Geschichte in eins fallen. Inzwischen lebt Weber wieder in der Südstadt, wo er aufgewachsen ist. Seine Eltern hatten ihn vor 50 Jahren – höchst ungewöhnlich damals – darin bestärkt, zum Theater zu gehen. Weber lächelt: „Den Entschluss habe es nie bereut.“

Info Gerhard Weber stellt sein Buch „Hunde bitte an die Leine zu führen“ am Dienstag, 14. Mai, um 18 Uhr im Historischen Museum, Pferdestraße 6, vor.

Von Simon Benne

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