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Hannover Erneut 20 Monate Haft auf Bewährung für Todesfahrer
Nachrichten Hannover Erneut 20 Monate Haft auf Bewährung für Todesfahrer
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00:16 27.01.2018
Wie schon beim ersten Prozess vor einem Schöffengericht wird Alexander E. von Anwalt Manfred Koch verteidigt.  Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

  Ein Schöffengericht hat gegen Alexander E. das gleiche Urteil verhängt wie eine andere Kammer am Amtsgericht Hannover vor knapp einem Jahr. Der 23-Jährige, der aufgrund eines Verkehrsunfalls den Tod von drei jungen Menschen nahe Hiddestorf verschuldet hat, wurde am Mittwoch wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Trunkenheit am Steuer zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Außerdem muss er – im Rahmen einer Bewährungsauflage – an die drei Elternpaare der Opfer jeweils 1500 Euro zahlen. Seine Fahrerlaubnis kann er frühestens in dreieinhalb Monaten zurückbekommen; auch hier griff das Gericht den im Februar 2017 verhängten Entzug des Führerscheins von 15 Monaten Dauer auf. Die Begründung, mit der E. verurteilt wurde, unterschied sich allerdings von der vorherigen. 

Der 23-Jährige saß am Steuer des Opel Astra, der am 1. Mai 2016 auf einer Landstraße zwischen Pattensen und Hiddestorf ins Schleudern geriet und gegen einen Baum prallte. Die drei jungen Leute, die auf der Rückbank saßen, starben an jenem Sonntagmorgen kurz vor sechs; unter ihnen war der Jungprofi Niklas Feierabend von Hannover 96. Der Fahrer und sein Beifahrer erlitten lebensgefährliche Verletzungen.

Mit 1,12 Promille Alkohol am Steuer

Der Angeklagte hatte an jenem Morgen in dem mit fünf Menschen besetzten Auto das Lenkrad nach links verrissen; nach einer heftigen Gegenbewegung geriet das Auto ins Schleudern, prallte gegen einen Baum und landete schließlich auf einem Acker. Was immer den Angeklagten bewogen habe, das Lenkrad ruckartig nach links zu ziehen, sagte Oberstaatsanwalt Frank Weissenborn in seinem Plädoyer: E. habe aufgrund seiner Alkoholisierung von 1,12 Promille eine „überschießende Reaktion“ gezeigt und einen alkoholbedingten Fahrfehler begangen. Dieser Argumentation schloss sich das Schöffengericht an. Egal, so die Vorsitzende Richterin, ob einer der Mitfahrer Alexander E. in ausgelassener Stimmung ins Lenkrad gegriffen, ein Reh die Fahrbahn gekreuzt habe oder sonst etwas Unvorhersehbares geschehen sei: In nüchternem Zustand hätte der 23-Jährige „in geeigneter Weise“ reagieren können und wäre es nicht zu solch einem Unfall gekommen. Eine Fahrbahnverschwenkung, wie noch im ersten Urteil angenommen, könne allerdings kaum verantwortlich gewesen sein für die abrupte Reaktion des Fahrers. Nach den neuesten Feststellungen eines Gutachters gab es an der Unfallstelle überhaupt keine Verschwenkung, sondern lediglich eine Verbreiterung der Fahrbahn.

Im Juli 2017 hatte das Oberlandesgericht (OLG) Celle das erste Urteil aufgehoben und den Fall zurück ans Amtsgericht verwiesen: Es sei unzureichend geklärt worden, ob es nicht ein unabwendbares Ereignis wie ein Wildwechsel gewesen sei, das den Unfall verursacht habe. „Ich musste meinen Mandanten beknieen, Berufung einzulegen“, sagte sein Verteidiger Manfred Koch am heutigen Tag. Doch sei die Sprungrevision beim OLG aus seiner Sicht unabdingbar gewesen, um ein ungerechtes Urteil zu korrigieren. Auch die erneute Verhandlung habe keinen Beweis erbracht, dass E. – bei gerader Fahrbahn sowie guten Sicht- und Fahrbahnverhältnissen – aufgrund seiner Alkoholisierung urplötzlich nach links gelenkt habe. Deshalb sei sein Mandant lediglich wegen Trunkenheit am Steuer zu verurteilen. Koch bezweifelte nach der Verhandlung allerdings, dass es eine weitere Berufung gibt: „Mein Mandant ist völlig fertig und will nur noch seine Ruhe.“

Angeklagter kann wieder arbeiten

 Im Gerichtssaal sitzt dieses Mal lediglich ein Dutzend Zuschauer, darunter einige Verwandte von Niklas Feierabend. Wie schon vor einem Jahr versteckt sich der Angeklagte häufig hinter verschränkten Händen oder schaut auf den Boden. Angaben zum Unfallgeschehen kann er ebenso wenig machen wie damals, leidet laut seinem Verteidiger unter retrograder Amnesie. Bis vergangenen Oktober war der 23-Jährige arbeitsunfähig, jetzt hat er über eine Zeitarbeitsfirma einen Job bei einer Versicherung angenommen. Doch noch heute, so Anwalt Koch, befinde sich sein Mandant in psychotherapeutischer Behandlung: „Er macht sich unverändert schwere Vorwürfe, wird kaum fertig mit dem Unfall und seinen Folgen.“ 

Nach einer halben Stunde gibt es einen unerwarteten Zwischenfall. Ein Justizwachtmeister hat beobachtet, dass einer der Zuschauer mit seinem Mobiltelefon fotografiert und Tonaufnahmen gefertigt hat. Der Oberstaatsanwalt geht mit dem Mann auf den Flur, dann gibt er eine kurze Erklärung ab: Es handele sich um den Vater von Niklas Feierabend, der die Verlesung der Anklageschrift aufgezeichnet hat. Er habe ihn darauf hingewiesen, dass Tonaufnahmen im Gerichtssaal verboten sind, berichtet Weissenborn. Der Vater löscht die Aufzeichnung, die Anklagebehörde sieht kein Interesse an einer Strafverfolgung dieses Delikts. 

Der Vater entschuldigt sich: Er habe nichts von einem Aufnahmeverbot gewusst. Wozu er nichts sagt: Dass diese seltsame Aktion ein Hinweis darauf ist, dass die Eltern der drei Opfer das entsetzliche Geschehen bis heute nicht verkraftet haben. Wie sehr sie bis heute darunter leiden, ihre geliebten Kinder verloren zu haben. Am Rande der Verhandlung erinnert er noch einmal daran, wie lebenshungrig und lebensbejahend sein Sohn gewesen sei. Und heute? „Der Satz, dass die Zeit Wunden heilt, ist falsch.“ Seine Frau hat es ebenso wie die übrigen Eltern nicht vermocht, zu der Verhandlung ins Amtsgericht zu kommen. Was für ein Urteil bei der Neuauflage des Prozesses herauskommt, ist dem Vater relativ egal: „Wir wollen nur, dass Niklas endlich aus der Berichterstattung der Medien herausgehalten wird. Wir wollen ihn wieder für uns haben.“

Ein schrecklicher Anblick

Laut einem technischen Sachverständigen war der Astra mit Tempo 90 bis 100 auf der K 226 unterwegs. Als das herumschleudernde Fahrzeug gegen den Baum prallte, war es noch 70 bis 85 Kilometer pro Stunde schnell. Irgendwann im Verlauf der Zeugenbefragung erklärt die Vorsitzende Richterin, den Originalbericht der Polizei vom Unfallort aus „Pietätsgründen“ nicht vorlesen zu wollen. Zu schrecklich war das Bild, dass sich den Beamten und den vier zufällig am Unfallort vorbeikommenden Autofahrern bot, die die Schwerverletzten auf den vorderen Sitzen aus dem Auto zogen. Auf einem Acker lag die 18-jährige Anna, aus dem Astra geschleudert, tot. Die Schülerin der KGS Hemmingen starb ebenso an schweren Kopfverletzungen wie der 18-jährige KGS-Schüler Robert und der 19 Jahre alte Niklas, der an der Gesamtschule ein Praktikum absolvierte. Der Baumstamm hatte sich förmlich in das Auto gebohrt.  

Die Mutter von Anna hatte nach einem Jahr Schmerz und Trauer ihre berufliche Tätigkeit wieder aufgenommen, der Vater ist nach wie vor arbeitsunfähig. Die kleine Schwester der Verstorbenen, berichtete Nebenklage-Anwalt Joß Haberkamm, sei an eine andere Schule gewechselt. Und der Anwalt von Roberts Eltern, Björn Nordmann, wies noch einmal auf den entscheidenden Punkt hin, der all die juristischen Auseinandersetzungen verblassen lässt: „Egal, welches Urteil gefällt wird – die Toten werden davon nicht wieder lebendig.“

Von Michael Zgoll

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