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Hannover Hannover: Umzug der Roma vom Burgweg in die Podbi stößt auf harsche Kritik
Nachrichten Hannover Hannover: Umzug der Roma vom Burgweg in die Podbi stößt auf harsche Kritik
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00:15 19.04.2019
In die Notunterkunft in der Podbielskistrasse 115 sollen viel mehr Roma-Familien ziehen als bislang erwartet. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Die Umquartierung der Roma-Familien aus dem Burgweg 5 in die Notunterkunft in der Podbielskistraße stößt auf harsche Kritik. Konzeptlosigkeit und fehlende soziale Verantwortung wirft der Pirat Adam Wolf der Stadtverwaltung vor. Die obdachlosen Roma-Familien würden hin- und hergeschoben, je nachdem, wo gerade Platz in einer Notunterkunft frei sei. Ein Ansatz, sie zu integrieren, sei nicht erkennbar. Stattdessen habe die Stadt im Fall des Burgweg mit der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule vor allem die frei werdende Immobilie im Blick, wirft der Ratsherr der Stadtverwaltung vor: „Die Räume sind der Stadt wichtiger als ein paar Roma.“

Es gibt schon zahlreiche Interessenten für den Burgweg

Tatsächlich scheint die ehemalige Paul-Dohrmann-Schule ein begehrtes Objekt zu sein. Die „beeindruckende Architektur des denkmalgeschützten Gebäudeensembles“, die Nähe zum Schulbiologiezentrum, zu den Herrenhäuser Gärten, die Kleingärten, die „sehr ruhige und grüne Lage mitten in der Stadt“ ließen den Ort als „Raum idealer Abgeschiedenheit“ erscheinen, heißt es in einem Konzeptpapier des Vereins „Transition Town“. Er will in der ehemaligen Förderschule ein Zentrum für Suffizienz, eines also, in dem Genügsamkeit als wichtiger erachtet wird als Effizienz, errichten. Pirat Wolf hatte sich in Ratsausschüssen dagegen für eine Initiative stark gemacht, die im Burgweg ein Zentrum für Roma errichten will –und keine Mehrheiten erhalten. „Dabei gibt es hier im Gegensatz zur Stadt endlich einmal ein Integrationskonzept“, ärgert er sich. Die Verwaltung bestätigt auf Anfrage, dass es bereits „zahlreiche Nachfragen“ zur Paul-Dohrmann-Schule gebe. Mit sechs Interessenten habe man „vertiefende Erörterungen“ geführt. Sobald „die Nutzung beendet“ sei, werde das Objekt in Form eines öffentlichen Interessenbekundungsverfahrens Nachfragern angeboten. „Ortsbesichtigungen seien nicht angemessen“, heißt es in der Antwort der Stadt weiter, „solange das Objekt noch bewohnt sei“.

Bezirksratspolitiker befürchtet Ärger an der Podbi

Das ist, überraschend kurzfristig, bald nicht mehr der Fall. Die Stadtverwaltung wird den derzeit von rund 94 Roma bewohnten Burgweg um Ostern herum räumen. Pikant: Rund 70 der Roma werden überraschend monatelang in der neuen Obdachlosenunterkunft in der Podbielskistraße untergebracht. Dort leben schon zwölf erwachsene und 23 Roma-Kinder. Schon das hatte im Stadtteil für Unruhe gesorgt. Bislang hatte es zudem geheißen, es kämen keine weiteren Roma-Familien. Die Stadt mache „einen Riesenfehler“, indem sie jetzt doch so viele Roma an der Podbi konzentriere, kritisiert Bezirksratspolitiker Lars Pohl (CDU). Man habe im Burgweg gesehen, wohin es führe, wenn 100 Roma auf zwei Sozialarbeiter träfen. „In der Podbi scheint bislang alles reibungslos zu laufen“, sagt Pohl: „Ich habe Angst, dass das kippt“.

„Roma-Kinder sollen auf verschiedene Schulen verteilt werden“

Langfristig sollen die Roma-Familien aus dem Burgweg in eine neue Notunterkunft in Lahe ziehen. Diese wird aufgrund von Baumängeln aber seit vielen Monaten nicht fertig. Der Zeitpunkt des Umzugs sei völlig ungewiss, auch das erschwere die Integration der Roma-Familien in der List noch weiter, ärgert sich Bezirksratsherr Pohl.

Man könne sich den Roma-Familien nicht versperren, sagt dagegen Bezirksratskollege Thomas Bechinie (SPD). Zumindest die Kinder sollten aber auf verschiedene Schulen verteilt werden, so dass die Belastung nicht nur eine oder zwei Einrichtungen treffe.

Von Jutta Rinas

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