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Hannover Verkehrsprobleme am Lister Bad: ADFC fordert Zufahrtsstopp für Autos
Nachrichten Hannover Verkehrsprobleme am Lister Bad: ADFC fordert Zufahrtsstopp für Autos
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10:45 06.09.2019
Umleitung durch die Kleingartenkolonie: Autofahrer werden vom Lister Bad über den Weg Am Jagdstall zum Sahlkamp umgeleitet. Quelle: Laura Ebeling
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Auch knapp zwei Monate nach Einführung der Einbahnstraßenregelung am Lister Bad reißt die Kritik nicht ab. Nach Anliegern bemängelt jetzt auch der Fahrradfahrerverband die von der Stadt ausgewiesene Ausweichstrecke durch eine Kleingartenkolonie. Weil der Weg nicht für Autofahrer ausgelegt sei, würden Radler in Gefahr gebracht, warnte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Hannover.

Reaktion auf Verkehrschaos an heißen Tagen

Wegen des großen Besucherandrangs im Freibad war es auf dem Zubringer Anfang Juli wiederholt zu Verkehrschaos gekommen. Autofahrer, die zum Schwimmen fahren wollten, und abreisende Besucher hatten sich auf der Straße Am Lister Bad blockiert. An der Straße Am Lister Damm abgestellte Autos hatten die Situation zusätzlich verschärft.

Mitte Juli reagierte die Stadt und erklärte die Zubringerstraße Am Lister Bad zur Einbahnstraße. Seitdem werden Freibadbesucher, die mit dem Auto kommen, auf dem Rückweg über die Straße Am Jagdstall durch eine Kleingartensiedlung auf den Sahlkamp umgeleitet. Dadurch solle auch die ungehinderte Zufahrt für Rettungskräfte zum Bad gewährleistet werden, erklärte die Verwaltung.

Einbahnstraßenregelung gilt bis Ende September

Doch diese Lösung, die bis zum Ende der Freibadsaison am Ende September gilt, birgt Probleme: Jüngst beschwerten sich Anwohner und Kleingärtner über Autofahrer, die sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 30 zwischen den Schrebergärten halten würden. Auch ADFC-Sprecher Eberhard Röhrig-van der Meer sieht viele Nachteile – und fordert deswegen eine Zufahrtsbegrenzung für Autos an den besonders besucherstarken Tagen. Die Stadt hat die Saison um drei Wochen jüngst bis Ende September verlängert.

Es sei notwendig, die Wege zum Bad für Rettungsdienste freizuhalten, räumt er ein. Aber „die kurzfristig eingerichtete Umleitung mit einer Ausfahrt über den Fahrweg Am Jagdstall verlagert die Probleme nur“, meint Röhrig-van der Meer. Zudem trage es zur Gefährdung von Radfahrern und Anliegern bei, erklärte er in einer Stellungnahme.

ADFC: Wege sind nicht geeignet für zusätzlichen Autoverkehr

Die Strecke über die Straße Am Jagdstall werde laut ADFC von sehr vielen Radfahrern genutzt und sei Teil einer beliebten Route von Hannover nach Langenhagen, etwa zum Silbersee. Die Breite und Beschaffenheit der Wege sei zwar für die geringe Zahl von Autofahrern geeignet, die zu ihren Gärten oder der Reitanlage wollen – allerdings nicht für den Regelgebrauch. „Autofahrende, die das Wuling des wilden Parkens am Lister Bad auf sich genommen haben, gefährden hier mit nicht angemessenem Tempo und einer gewissen Aggressivität die anderen Verkehrsteilnehmenden“, meint Röhrig-van der Meer.

Verband will Zufahrt begrenzen – wenn Parkplätze voll sind

Dabei kritisiert er auch die Einbahnstraßenregelung der Stadt als „unzeitgemäß“. Bei anderen Veranstaltungen mit hohem Besucheraufkommen wie zum Beispiel dem Maschseefest sollten Gäste laut der Stadt das Auto zur Anfahrt meiden und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. An besonders heißen Tagen seien jetzt schon sehr viele Menschen zu Fuß, mit dem Rad oder per Bus auf dem Weg zum Lister Bad. „Weshalb sollen all diese darunter leiden, dass vergleichsweise wenige mit ihrem Auto bis vor den Badeingang fahren wollen?“, fragt der Sprecher. Stattdessen fordert er: „Wenn die Parkplätze am Bad belegt sind, muss es eine Zufahrtsbegrenzung geben, die von der Verwaltung und der Polizei rechtzeitig zur nächsten Badesaison zu entwickeln ist.“

Stadt will ADFC-Vorstoß prüfen

Wie Stadtsprecher Dennis Dix mitteilt, sind der Stadt nach Einführung der Einbahnstraßenregelung keine nennenswerten Probleme bekannt. „Bisher sind wenige Beschwerden eingegangen. Hauptsächlich erkundigen sich die Bürger nach dem Hintergrund der Maßnahme“, betont Dix. Auch der Vorwurf des ADFC, die Regelung verlagere die Probleme nur und trage zur Gefährdung von Anliegern und Radfahrern bei, weist der Pressesprecher zurück. Der Vorschlag einer Zufahrtsbegrenzung werde allerdings geprüft.

„Die getroffenen Maßnahmen werden beobachtet, um zu prüfen, ob hier Modifikationen oder gegebenenfalls andere Lösungen erforderlich oder besser sind“, berichtet Dix. Eine Bewertung der Einbahnstraßenregelung werde aber erst nach der Badesaison vorgenommen.

Mit dem Boot zum Bad?

Es ist eine Notlösung. Sämtlichen Autoverkehr, der vom Lister Bad abfließt, über die Straße Am Jagdstall zu leiten, kann auch der Stadt nicht gefallen. Hier gibt es keinen Fuß- oder Radweg, und stehen Autos auf dem unbefestigten Seitenstreifen, dann wird es sehr eng, wenn sich Autoverkehr, Fußgänger und Radfahrer den verbliebenen Raum teilen müssen. Zudem gehört nicht viel Vorstellungsvermögen dazu, sich auszumalen, dass mancher Autofahrer hier frustriert aufs Gas tritt, wenn er am überfüllten Lister Bad keinen Parkplatz gefunden hat für einen neuen Versuch den kompletten Weg über Am Jagdstall, Sahlkamp, Lister Damm und Am Lister Bad zurücklegen muss.

Hier offenbart sich das eigentliche Problem: Sowohl die Parkplätze, als auch die An- und Abfahrtswege des Bades sind unterdimensioniert. Eines der größten und beliebtesten Freibäder der Stadt ist eingekeilt zwischen Kleingärten und Kanal – und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut zu erreichen. Der nächste Bus hält auf der anderen Kanalseite vor dem Jachthafen. Wer nicht mit dem Rad kommt, hat an Hochsommertagen wahrscheinlich ein Problem. Und das wird nicht kleiner, wenn die Stadt an solchen Tagen die Zufahrt für Autos begrenzt.

Gut wäre, wenn es eine Fläche geben würde, die als zusätzlicher Parkplatz ausgewiesen werden könnte. Aber erstens ist eine solche Fläche nicht zu erkennen, und zweitens passt eine solche Maßnahme nicht in die Zeit. Schließlich möchte die Stadt, dass mehr Bürger aufs Auto verzichten. Paradoxerweise macht aber die gegenwärtige Regelung die Anfahrt für Radler eher unattraktiver.

Am besten ist wohl, man kommt mit dem Boot zum Bad.

Von Rüdiger Meise

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Von Laura Ebeling

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