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Hannover Schwere Vorwürfe gegen Ordnungsdienst
Nachrichten Hannover Schwere Vorwürfe gegen Ordnungsdienst
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18:51 20.12.2018
Ein 19-Jähriger soll die niedergelegten Blumenkränze am Holocaust-Mahnmal zerpflückt haben. Quelle: Christian Stichternath
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Hannover

Nach dem antisemitischen Zwischenfall am Holocaust-Mahnmal an der Oper erhebt einer der Zeugen schwere Vorwürfe gegen den Ordnungsdienst der Stadt Hannover. Nach Angaben von Christian Stichternath, der am Dienstagabend die Polizei gerufen hatte, verhielten sich die städtischen Mitarbeiter „weder wie es rechtlich geboten wäre noch persönlich angemessen“. Die Drei waren noch vor Eintreffen der Polizei vor Ort – unternahmen demnach aber nichts. Ein 19-Jähriger soll die frisch am Mahnmal niedergelegten Blumenkränze zerpflückt und fremdenfeindliche Parolen gerufen haben, gegen ihn wird ermittelt. Timon Dzienus, Sprecher der Grünen-Jugend Niedersachsen, hatte den Vorfall öffentlich gemacht – er war selbst auch vor Ort.

Neben dem 19-Jährigen saß zudem eine Gruppe Jugendlicher und Heranwachsender am Mahnmal, trank Alkohol und habe Stichternath bepöbelt. Statt wirklich einzuschreiten, sei die städtische Mitarbeiterin auf eine ebenfalls ausländerfeindliche Parolen rufende Jugendliche zugegangen „und nahm sie in den Arm und tauschte dann offensichtlich persönliche Freundlichkeiten aus“. Das schreibt der 48-Jährige in einem Brief an Oberbürgermeister Stefan Schostok und dessen Ordnungsdezernenten Axel von der Ohe (beide SPD), der der HAZ vorliegt. Auf die Frage, ob das der richtige Umgang mit der Situation sei, habe Stichternath „die flapsige Antwort“ von der Mitarbeiterin bekommen, die junge Frau sei mit ihrer Familie befreundet.

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Der Ordnungsdienst habe die Jugendlichen weder aufgefordert, die herausgerissenen Blumen aufzusammeln, noch das Rufen ausländerfeindlicher Parolen zu unterlassen. „Man gab sich damit zufrieden, dass der aggressive Pöbler sich ja inzwischen vom unmittelbaren Mahnmal entfernt habe“, schreibt Stichternath. Ferner habe einer der drei Ordnungsdienstler im Bezug auf die antisemitischen Parolen „etwas von Meinungsfreiheit“ gesagt. Erst die Polizei habe schließlich die Personalien des 19-Jährigen und den Sachverhalt aufgenommen. Stichternath forderte, wegen Volksverhetzung zu ermitteln. Dzienus erstattete zudem Anzeige wegen Beleidigung.

Ordnungsdezernet von der Ohe entschuldigte sich noch am Donnerstag telefonisch bei Stichternath. Die Verwaltung bedauere, dass der Eindruck entstanden sei, der Ordnungsdienst habe nicht konsequent gehandelt. „Wir werden intern aufklären, wie genau der Ablauf der Vorkommnisse war und werden unsere Mitarbeiter auch noch einmal besonders sensibilisieren“, teilt Stadtsprecher Udo Möller auf HAZ-Anfrage mit. Darüber hinaus werde der antisemitische Vorfall zum Anlass genommen, die Präsenz des Ordnungsdienstes am Mahnmal „noch einmal zu intensivieren“. Die Stadt missbillige und verurteile jede Form von Antisemitismus. Möller: „Es gibt auch keinerlei Toleranz gegenüber verbalen Ausfällen.“

Von Peer Hellerling