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Hannover Geplanter S-Bahnhof Waldhausen: Anlieger befürchten zehn Meter hohe Wand
Nachrichten Hannover Geplanter S-Bahnhof Waldhausen: Anlieger befürchten zehn Meter hohe Wand
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00:18 02.07.2019
Hier an der Hildesheimer Straße soll der S-Bahnhof entstehen – 71 Linden sollen ihm zum Opfer fallen, die fast zehn Meter hohe Begrenzungswand würde direkt an den Bürgersteig rücken. Quelle: Conrad von Meding
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Hannover-Waldhausen

Wird Waldhausen zu Wandhausen? Diese Befürchtung haben die Aktiven des Bürgerforums, das seit 14 Monaten versucht, Informationen über den geplanten S-Bahnhof am Döhrener Turm zu bekommen. Der soll den Umstieg von Üstra-Stadtbahnen auf die roten S-Bahnen der Bahn ermöglichen, kostet aber wahrscheinlich 71 Linden an der Bregenzer und Riepestraße das Leben, zudem wird der Körper der Bahntrasse um etwa 8,50 Meter breiter. Damit rückt die fast zehn Meter hohe Spund- und Lärmschutzwand bis an den Fußweg der Bregenzer Straße. Sie sei damit etwa einen Meter höher als die Traufkanten der direkt gegenüberliegenden Häuser, sagte Gunnar Schulz-Achelis vom Forum beim Ortstermin am Freitagabend. Und das wäre fast dreimal so hoch wie die Berliner Mauer, die 3,60 Meter maß.

Kosten für den Bahnhof Waldhausen haben sich verdoppelt

Solche Lärmschutzwände auf Bahndammwänden sind unschön, aber auch die Bürger der Kleefelder Straße im Zooviertel haben sie vor den Haustüren und etwa die Bewohner der Brehmstraße (Bult) in den Gärten. Der Ärger der Waldhausener jedoch entzündet sich an einer anderen Frage. Um Bundes- und Landesgeld für das Infrastrukturprojekt zu erhalten, dessen Kalkulation sich schon vor dem eigentlichen Planungsbeginn von 14,5 Millionen Euro (2010) über 20 Millionen Euro (2015) auf derzeit 28,5 Millionen Euro (2018) verdoppelt hat, braucht die Region eine Wirtschaftlichkeitsberechnung – und deren Zahlengrundlage steht infrage.

Zahl der Umsteiger höher als am Steintor?

So beträgt die aktuell genannte Menge der Umsteiger, die vom künftigen Bahnhof Waldhausen profitieren sollen, 9332 Menschen am Tag. Noch 2007 aber soll die Zahl einem Gutachter zufolge mit 4000 angegeben worden sein. Und für die neue Stadtbahnstation Steintor, an der sich U-Bahnen, Stadtbahnen und mehrere Buslinien kreuzen, hat die Region die Zahl der Umsteiger mit 8100 angegeben. „Da erscheint uns die Prognose unerklärlich, die für das dezentralere Waldhausen angenommen wird“, sagt Ronny Casneuf. Der Arzt, der kein direkter Anlieger der geplanten Station ist, hat sich das Datenmaterial akribisch angeschaut und für einen Informationsabend in der Timotheus-Gemeinde aufbereitet.

Viele Fragen offen: Ronny Casneuf berichtet beim Bürgerforum Waldhausen von den Zweifeln am geplanten S-Bahnhof. Quelle: Conrad von Meding

Weil die angenommene Zahl der Profiteure entscheidend für die Wirtschaftlichkeitsberechnung ist, vermuten die Waldhausener einen allzu kreativen Umgang mit Zahlen bei den Regionsgutachtern. Auch die Ersparnis bei der Umsteigezeit halten sie für zu hoch angesetzt. 16 Minuten weniger solle ein Fahrgast brauchen, der bisher vom Bahnhof Fischerhof mit der S-Bahn zur Bismarckstraße fährt, dort in den 121er Bus steigt und ab Altenbekener Damm mit der Stadtbahn etwa nach Laatzen fährt. „Nach meiner Berechnung fährt der Bus nur vier Minuten“, sagt Casneuf. Allerdings ist die doppelte Umsteigezeit dabei nicht einberechnet.

„Wo bleiben die Autos der Pendler?“

Viele Sorgen bleiben trotzdem. Etwa, wie 9332 Fahrgäste täglich in den Stadtbahnen transportiert werden sollen. Oder die Frage der Parkplätze: Schon jetzt lassen viele Pendler ihr Auto an den Straßenbahnhaltestellen entlang der Hildesheimer Straße stehen und steigen auf Stadtbahnen um. „Der S-Bahnhof aber läge optimal für Autofahrer, die vom Südschnellweg kommen – wo werden die alle parken?“, fragt eine Frau. Auch, dass die wohl drei Jahre andauernden Bauarbeiten parallel zur Erneuerung des Südschnellwegs stattfinden werden und mitten an einem Schulweg liegen, gibt Besuchern der Infoveranstaltung zu denken.

Lärmschutzwand bringt kaum Verbesserungen

Das Argument der Region, durch die neue Lärmschutzwand werde es leiser in Waldhausen, verfängt bei den Anwohnern nicht. Denn sie haben zwar trotz etlicher Nachfragen bisher kaum Datenmaterial erhalten, aber Zahlen aus dem Lärmgutachten. Nur ein halbes Dezibel werde es leiser, sagt Casneuf. Wie viel Lärm hingegen dazukomme durch ständige Ansagen an den Bahnsteigen und grölende Maschseefestbesucher beim Warten auf eine Bahn, wollte ein Mann wissen. Darauf hatte keiner eine Antwort.

Politiker wollen Fragen weitergeben

Mehrere ehrenamtliche Politiker aus Bezirksrat und Regionsversammlung waren zu dem Termin gekommen. „Wir haben aber aber auch keine neueren Daten als Sie“, sagte Oliver Kluck (Grüne): „Auch wir wissen nur, was im vergangenen November öffentlich vorgestellt wurde.“ Er versprach aber, die Fragen weiterzutragen. Denn soviel ist klar: 2022 wollen Bahn und Region bauen. Wenn erst mal das offizielle Planfeststellungsverfahren gestartet ist, werden die Bürger zwar noch mal gefragt. Ihre Einwände aber werden dann kaum noch Auswirkungen haben.

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Von Conrad von Meding

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