Hannover: Wie Ida und Alina am Maschsee aufräumen
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18:40 09.11.2019
Gegen den Müll am Maschsee: Alina Pallasch (links) und Ida Plesse. Quelle: Lisa Eimermacher
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Hannover

Ein kaputter Regenschirm landet in der roten Tüte, irgendwo liegt achtlos eine Radkappe herum, die ebenfalls in einem Beutel verschwindet. Am Maschsee in Hannover findet sich einiges an Müll, und es ist längst nicht mehr nur das Kaugummipapier oder der Einwegbecher. Die beiden Schülerinnen Alina Pallasch und Ida Plesse hatten sich so sehr über den Müll rund um den See geärgert, dass sie einen Brief an den Abfallbetrieb Aha geschrieben haben. Eigentlich hatten die beiden Freundinnen nur ihre Hilfe angeboten: Wenn Aha ihnen ein paar Eimer und Zangen ausleihe, dann würden sie mal ein bisschen aufräumen am Ufer. Doch dabei blieb es nicht: An diesem Sonnabend ist ein ganzer Trupp am See unterwegs, um für Ordnung zu sorgen.

40 Helfer sind unterwegs

Eines hatten die beiden Elfjährigen in ihrem Brief nämlich vergessen: eine Adresse oder eine Telefonnummer, unter der sie zu erreichen sind. Darum fahndete Aha öffentlich per Facebook nach den netten Absendern des Schreibens, und nicht zuletzt wegen der öffentlichen Aufmerksamkeit fanden sich immer mehr Interessierte, die die beiden Freundinnen unterstützen wollten. Am Ende sind es mehr als 40 Helfer, die an diesem Vormittag am Maschsee aufräumen: die Eltern der beiden Mädchen, Freunde und Freundinnen, und auch das Drachenboot-Team vom Hannoverschen Kanuclub.

Mit roten Mülltüten und Müllzangen ausgestattet führen Ida und Alina die Gruppe an. Aus dem Gebüsch ziehen sie den Regenschirm, den sie nur mit Mühe in eine Tüte stecken können. „Den hat dort bestimmt niemand aus Versehen verloren“, meint Alina und erläutert, wie sie auf die Idee für die Aufräumaktion gekommen sind: „Wir haben beim Sternenlauf von Fridays for Future mitgemacht und nach dem Maschseefest gesehen, dass hier sehr viel Müll liegt.“ Als Aha dann die beiden Freundinnen ausfindig gemacht hatte, waren die beiden Elfjährigen aber doch überrascht. „Ich dachte erst, meine Mutter möchte mich reinlegen, als sie mir davon erzählt hat“, sagt Ida.

„Ich glaube schon, dass wir das ein bisschen vorleben“, sagt Alinas Mutter Roselina Rifici. „Jede Tüte wird von uns mindestens noch einmal verwendet. Ich glaube schon, dass das ein bisschen abfärbt, ich hoffe es zumindest.“

1400 Tonnen Müll auf den Straßen

Die Idee, selbst etwas zu tun, ist den Mädchen selbst gekommen. Auch den Brief haben sie ohne Hilfe geschrieben. „Die Auseinandersetzung mit dem Thema findet gerade im Zuge der Fridays for Future-Demos statt. Wir haben da auch ganz viel drüber gesprochen“, sagt Idas Mutter Sandra Plesse. Es sei schön, dass es die Demonstrationen gebe, um die Aufmerksamkeit für das Thema zu erhöhen. Aber es dürfe nicht nur darauf hinauslaufen, dass man freitags die Schule sausen lasse und sonst nichts tue. „Sondern es ist wichtig, selbst Initiative zu zeigen“, sagt Sandra Plesse.

Jahr für Jahr landen 1400 Tonnen Müll auf den Straßen der Region Hannover – von Einwegverpackungen bis hin zu Sperrmüll. Aha-Pressesprecherin Helene Herich freut sich über die Aktion der Kinder: „Es ist toll, dass die Kinder ein Bewusstsein entwickeln, was mit den Tieren, dem Meer und dem Plastik passiert. Das Engagement finden wir toll, und das möchten wir unterstützen.“

Ida Plesse und Alina Pallasch sammeln mit ihren Mitschülern, Eltern und einigen Freiwilligen Müll am Maschseeufer.

Das Drachenboot-Team des Hannoverscher Kanuclubs lässt an diesem Sonnabend sogar das Training ausfallen, um bei der Müllsammelaktion mitzumachen. Stefanie Eichel organisiert regelmäßig das „Plocking“; dabei wird während des Laufens Müll aufgesammelt. „Kinder haben einen anderen Blickwinkel“, sagt sie.

Als nächstes in die Eilenriede?

Die beiden elfjährigen Initiatorinnen der Müllsammelaktion am Sonnabend freuen sich, dass sie von mehr als 40 Helfern unterstützt werden. „Es sind auch viele Erwachsene heute hier, und es ist gut, dass sie mithelfen“, sagt Ida.

Und es muss nicht die letzte Aktion dieser Art gewesen sein. Ida und Alina können sich wie ihre Mitschüler gut vorstellen, auch mal mit Tüten und Müllzangen durch die Eilenriede zu ziehen oder auf dem Weg zur Bult aufzuräumen.

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Von Lisa Eimermacher

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