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Hannover Warum der Vater eines verstorbenen Frühchens die MHH mit mehreren Tausend Euro unterstützt
Nachrichten Hannover Warum der Vater eines verstorbenen Frühchens die MHH mit mehreren Tausend Euro unterstützt
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09:13 19.11.2019
Inmitten all des Schweren dieses Gute: Sebastian Lange – hier im Gespräch mit der Leitenden Oberärztin Prof. Dr. Bettina Bohnhorst – sammelt Geld für die Frühchenstation der MHH. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Bis sechs Wochen vor der Geburt war alles okay. Dann stutzten die Ärzte plötzlich. Das Herz des Kindes schlug zu schnell. Das Kind bewegte sich zu wenig.

Sebastian Lange und seine Frau sitzen am Wohnzimmertisch im Norden Hannovers und erzählen, wie das war damals, 2017, als ihre zweite Tochter sechs Wochen vor dem Geburtstermin per Kaiserschnitt geholt wurde. Wie sie dann drei Monate in der Medizinischen Hochschule blieb. Wie die Hoffnung, dass schon noch alles gut werden würde, langsam schwand. Wie schwer das war – und wie gut es war, dass sie das Team der Frühchen- und Neugeborenenintensivstation an ihrer Seite wussten.

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Sebastian Lange ist Teil der Aktion "Nicht meckern, machen" von HAZ und NDR info:

„Unsere mittlere Tochter ist ein Sternenkind“

Und weil es inmitten all des Schweren dieses Gute gab, weil die ganze Familie Lange dort liebevoll betreut wurde und sich aufgehoben und aufgefangen fühlte, hat Sebastian Lange ein Spendenprojekt für die Station aus der Taufe gehoben: Run4Station69. Er sammelt Geld für die Dinge, die auf der Station fehlen.

Sebastian Lange ist 36 Jahre alt und Angestellter bei einer Versicherung in Hannover. Seine älteste Tochter kam 2014 zur Welt, die jüngste vor einem halben Jahr. Sie sitzt auf dem Schoß der Mutter und schaut den Vater an, sie lächelt, hat rote Bäckchen, sie ist ein sehr freundliches Menschenkind. „Und unsere mittlere Tochter“, sagt Sebastian Lange, „ist ein Sternenkind.“

Sebastian Lange im Gespräch mit der Leitenden Oberärztin Prof. Dr. Bettina Bohnhorst. Quelle: Katrin Kutter

Die Familie erzählt, dass ihre mittlere Tochter nicht eigenständig atmen konnte. Dass die Ärzte alles versucht und Experten anderer Stationen und Kliniken hinzugezogen haben. Doch helfen konnten sie nicht. Auch nach dem Tod des Babys haben die Mediziner noch weitergeforscht, eine Diagnose konnten sie dennoch nicht stellen.

Die Familie hat versucht, nach vorne zu schauen

Man könnte meinen, die Stimmung am Tisch sei gedrückt. Das ist sie nicht. Die Langes haben gelernt, dass man Schmerz nicht überwinden kann, wenn man ihn wegschiebt, sondern nur, wenn man ihn zulässt: reden, reden, reden, miteinander und mit anderen. Und die Langes haben versucht, nach vor zu schauen. Sebastian Lange ist Läufer, ist auch schon mal Halbmarathon gelaufen. Er setzte sich das Ziel, mit dem Laufen Geld für die Station zu sammeln, die der Familie so geholfen hat.

Das Prinzip ist einfach: Er organisiert einen entspannten Freizeitlauf etwa um den Maschsee, und jeder, der mitmacht, spendet 5 Euro für die Initiative Run4Station69. Kein Verein, keine Verwaltungskosten, 100 Prozent des Geldes gehen an die Station. Manche Menschen spenden auch einfach so, ohne zu laufen, andere verzichten auf Geburtstagsgeschenke und reichen das Geld an Langes Projekt weiter.

Was wird finanziert? „Natürlich keine medizinischen Geräte“, sagt Lange. Es geht um Dinge, die die Station braucht, die aber nicht automatisch im Etat sind und die die Bewältigung einer Antragsflut erfordern würde, würde man sie über die Verwaltung der MHH bestellen.

Kuschelstühle“ für Eltern und Kinder

Zum Beispiel hat Lange das Geld für eine neue Digitalkamera beschafft, mit der die Schwestern Fotos von Frühchen und ihren Eltern machen. Er hat die Kosten für Waagen zum Wiegen von Windeln und für hochwertige Stillkissen übernommen. Und als die Station einen Toaster haben wollte, hat er eben einen gekauft: „Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen da arbeiten so viel, und die Arbeit ist so schwer und so wichtig, da sollen sie so was nicht auch noch von ihrem eigenen Geld bezahlen müssen“, sagt er.

„Kuschelstühle“ und Stellwände für die Vierbettzimmer: Sebastian Lange auf Station 69. Quelle: Katrin Kutter

Vor allem aber hat das Projekt Run4Station69 zwei große Anschaffungen möglich gemacht. Die eine bestand aus drei großen, bequemen Sesseln, die sich mit einem einfachen Hebel leicht in die Horizontale bewegen lassen. „Kuschelstühle“, heißen sie auf der Station: Hier können sich Mütter und Väter ausstrecken und sich ihre Frühchen auf die Brust legen. Tut Eltern und Kindern gut. Und um den Familien in den Vierbettzimmern ein bisschen Privatheit zu ermöglichen, hat Lange außerdem Stellwände angeschafft, die man zwischen die Säuglingsbetten stellen kann. Kostenpunkt Stellwände: 2074,24 Euro, Kostenpunkt Kuschelstühle: 4210,10 Euro.

Manchmal sind es einfach Kleinigkeiten

Aus der Zeit mit seiner mittleren Tochter auf der Station weiß Sebastian Lange außerdem, dass manchmal ganz simple Kleinigkeiten nötig sind: Nervennahrung etwa, in Form von Süßigkeiten oder Kaffee. Im Sommer, als es so heiß war, ist er zweimal mit einer Ladung Eis vorbeigekommen.

Die Langes haben bis heute einen guten, freundschaftlichen Kontakt zum Personal der Frühchen- und Neugeborenenintensivstation. Sie haben auch ihr drittes Kind in der MHH bekommen, mit derselben Ärztin wie beim Mittelkind.

Spendenläufe für die MHH: Mehr als 8000 Euro hat Sebastian Lange bereits gesammelt.

Bislang hat er insgesamt 8400 Euro an Spenden für Station 69 gesammelt. 2020 wird Run4Station69 fortgesetzt, mit neuen Laufaktionen. Die Station soll renoviert und ein hübscher werden, da gäbe es sicher etwas beizusteuern. Nächstes Etappenziel: 10.000 Euro.

Infos über das Projekt der Familie Lange gibt es auf Facebook unter „Run4Station69“ und auf der Webseite run4station69.jimdo.com.

Bis zum Sonnabend porträtiert die HAZ gemeinsam mit den „Kieler Nachrichten“, der „Ostsee-Zeitung“ aus Rostock, dem „Hamburger Abendblatt“ und NDR Info Menschen, die Dinge mit viel Engagement verändern und verbessern wollen. Alle bislang veröffentlichten Geschichten zum Nachlesen und Nachhören sowie Bildergalerien finden Sie auf einen Blick auf www.haz.li/machen.

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Von Bert Strebe

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