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Hannover 150 Jahre Kröpcke – wieso der Platz nach einem Oberkellner heißt
Nachrichten Hannover 150 Jahre Kröpcke – wieso der Platz nach einem Oberkellner heißt
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16:19 25.08.2019
Hier kredenzte Wilhelm Kröpcke seinen Gästen „Knickebein“-Likör: Das Café Kröpcke auf einer alten Postkarte. Quelle: Archiv
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Hannover

Kurfürsten und Könige, Honoratioren und Heilige: Städte benennen ihre zentralen Plätze gern nach hochmögenden Persönlichkeiten, in deren Glanz sie sich dann sonnen. In Hannover hingegen ist man stolz auf seine Bescheidenheit. Da passt es, dass der Kröpcke seinen Namen einem vergleichsweise schlichten Oberkellner verdankt: Wilhelm Kröpcke. „Das war ein Mann, den die Gäste geradezu liebten“, sagt Thomas Parr, Autor des Buches „Geh’n wir doch ins Kröpcke“.

Seinen Arbeitsplatz verdankte Wilhelm Kröpcke dem Hofkonditorensohn Georg Robby. Dieser ahnte 1869, dass die Gegend um Opernhaus und Bahnhofstraße das kommende Szeneviertel werden würde. Also verlegte er vor 150 Jahren sein „Caffeehaus“ von der Leinstraße an die Nordspitze des Theaterplatzes. Die Legende besagt, dass er den gusseisernen Pavillon zwei Jahre zuvor auf der Pariser Weltausstellung entdeckt und gekauft haben soll. „In Wirklichkeit aber hatte der Architekt Otto Götze das Café im maurischen Stil entworfen“, sagt Parr.

Illustre Persönlichkeit: Café-Pächter Wilhelm Kröpcke. Quelle: Parr

Das Café Robby avancierte bald zum Treffpunkt für die Reichen und Schönen – auch dank des illustren Oberkellners. Wilhelm Kröpcke, geboren 1855 in Bleckede an der Elbe, kredenzte den Gästen formvollendet Spezialitäten wie den „Knickebein“, einen Kirschlikör mit Eigelb, den man aus schmalen Gläsern trank. Im Jahr 1885 pachtete Kröpcke das Café dann. Seine Frau Regina hatte eine stattliche Mitgift in die Ehe eingebracht.

Kein Platz für Prostituierte

Kröpcke wollte jeden Gast mit Namen begrüßen und dessen Vorlieben kennen“, sagt Parr. So wurde der Mann mit dem stattlichen Schnurrbart bald zum Original – und sein Café zur Institution, die man weit über Hannovers Grenzen hinaus rühmte. Im Jahr 1895 wurde das Lokal offiziell in Café Kröpcke umgetauft; und auch die zehn Jahre zuvor aufgestellte Uhr und die nahe Haltestelle der Pferdebahn trugen bald diesen Namen.

Flaneure mit Uhrkette und Hut kehrten nach dem Schorsenbummel bei Kröpcke ein; der Kaffeegarten bot rund 2500 Sitzplätze. Streng behielten die Kellner die Gäste im Blick. Der Schriftsteller Ernst Jünger wusste zu berichten, dass Damen, die mutmaßlich nicht dem Niveau des Cafés entsprachen, diskret eine Karte zugesteckt bekamen: „Sie werden gebeten, unauffällig das Lokal zu verlassen.“ So sollten Prostituierte ferngehalten werden. Die Anekdote besagt, dass einmal versehentlich auch Olga Polna, die Ehefrau von Stadtdirektor Heinrich Tramm, ein solches Kärtchen erhielt – und das Café schäumend vor Wut verließ.

Wilhelm Kröpcke starb am 21. September 1919, bei seiner Beerdigung auf dem Engesohder Friedhof gaben ihm Massen von Menschen das letzte Geleit. Sein Café (Jahresumsatz 1921: stolze 4,6 Millionen Mark) existierte jedoch weiter. In den Zwanzigern verkehrten hier die „Kröpcke-Indianer“: So nannten sich die Schriftsteller und Künstler, die sich dort trafen, darunter Kurt Schwitters und Erich Maria Remarque, Joachim Ringelnatz und Theodor Lessing. Wilhelm Kröpckes Witwe Regine echauffierte sich indes bis zum ihrem Tod 1937 darüber, dass das Lokal immer noch als „Café Kröpcke“ firmierte.

Streit um den Namen

Der Streit um den Namen setzte sich nach dem Krieg fort. Das Café war zwar 1943 zerstört worden, doch zur ersten Export-Messe eröffnete ein provisorisches Zelt-Café, das den Namen „Kröpcke“ trug. Wilhelm Kröpckes Töchter legten bei der Stadt Beschwerde dagegen ein: Angeblich sei nur der Vorkriegspächter Emil Pfefferle befugt gewesen, den Namen zu führen. „Doch ,Kröpcke‘ war längst zu einem Synonym für den zentralen Platz der Stadt geworden“, sagt Parr.

In der ausgebombten Stadt wurde das zerstörte Café Kröpcke zunächst durch einen Barackenbau ersetzt (im Vordergrund die Georgstraße, hinter der Baracke die Rathenaustraße). Quelle: Historisches Museum

Oberbürgermeister Wilhelm Weber sorgte also kurzerhand dafür, dass 1948 der ganze Platz „Kröpcke“ genannt wurde. Noch im gleichen Jahr eröffnete hier inmitten von Kriegstrümmern ein filigranes Lokal aus Leichtmetall, Holz und Glas, entworfen vom Stararchitekten Dieter Oesterlen. Offiziell hieß dieses nicht mehr „Café Kröpcke“, sondern juristisch unverfänglich „Café am Kröpcke“. „Vermutlich wurde nie zuvor und nie danach eine Stadt um ein Kaffeehaus herum wieder aufgebaut“, sagt Parr.

Veranstaltungen zum Jubiläum

Die Cafe am Kröpcke Betriebsgesellschaft feiert 150-Jahre-Köpcke-Jubiläum mit mehreren Veranstaltungen.

Am Dienstag, 3. September, eröffnet im Enercity-Café die Bilderausstellung „150 Jahre Café Kröpcke“. Um 19.30 Uhr spricht dann unter anderem Autor Thomas Parr über das Thema, anschließend gibt es eine Talkrunde mit Gastronom Dietmar Althof, Sängerin Helen Donath und Fotograf Rainer Dröse. Anmeldung unter kommunikation@enercity.de. Für Donnerstag, 5. September, ist von 11 bis 18 Uhr eine „Kaffee-Genussreise“ mit internationalen Spezialitäten geplant. Besucher dürfen am Freitag, 6. September, von 14 bis 18 Uhr in historischen Kostümen in die Vitrine der Kröpcke-Uhr steigen, um Selfies zu machen.

Mit einem Aktionstag präsentieren sich am Sonnabend, 7. September, die zehn in der Kröpcke-Immobilie ansässigen Geschäfte. Besucher können mit dem GOP-Ballon aufsteigen und den Kröpcke von oben entdecken. Und beim Regionsentdeckertag am 8. September feiert der Kröpcke mit – unter anderem wird um 15 Uhr eine Riesentorte angeschnitten.

Oesterlens provisorischer Café-Bau schloss am 15. September 1970 seine Pforten: U-Bahn-Bau, Passerelle und Kröpcke-Center veränderten das Gesicht des Platzes von Grund auf. Im November 1976 eröffnete an gleicher Stelle schließlich das Mövenpick-Café mit seinen kupfernen Tonnengewölben.

Siebziger-Jahre-Avantgarde: Das Café Kröpcke bekam seine sogenannten Tonnengewölbe – davor kurvt eine Straßenbahn über Georgstraße vom Steintor zum Opernhaus. Quelle: Archiv

Wilhelm Kröpckes Nachkommen sind bis heute stolz auf ihren Ahnherren. „Meine Großmutter Margarethe hat immer wieder von ihrem Vater erzählt“, sagt Eva-Diana Wachsmuth. Die 49-Jährige ist eine Urenkelin des berühmten Oberkellners. Sie selbst lebt in Nehren bei Tübingen, in Hannover ist sie selten. „Doch wenn ich einmal dort bin, werde ich ins Café gehen – und einen Kaffee am Kröpcke trinken.“

Wer? Was? Wann? Die Zeitleiste zum Kröpcke-Café

1797: Der aus dem Engadin stammende Zuckerbäcker Johann Robby kauft ein Haus in der Leinstraße und richtet dort eine Konditorei ein.

1832: Sein Sohn Johann Georg Robby wird Königlicher Hofkonditor.

1869: Dessen Sohn Georg Robby verlegt das Café an die Georgstraße und lässt dort den eisernen Pavillon errichten.

1885: Robby verpachtet das Café an den Oberkellner Wilhelm Kröpcke.

1895: Das Café Robby wird offiziell in Café Kröpcke umbenannt.

1919: Wihelm Kröpcke stirbt in Bad Kissingen, das Café existiert aber weiter.

1943: Das inzwischen am Emil Pfefferle verpachtete Café wird durch Bomben zerstört.

1947: Zur ersten Exportmesse entsteht hier ein provisorisches Kaffeehaus-Zelt.

1948: Architekt Dieter Oesterlen erbaut sein neues „Café am Kröpcke“.

1971: Oesterlens Café wird abgerissen, der Kröpcke umgestaltet.

1976: Am 18. November eröffnet das neue Mövenpick-Café.

Von Simon Benne

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