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Hannover VW baut an der Stadtgrenze ein neues Autohaus
Nachrichten Hannover VW baut an der Stadtgrenze ein neues Autohaus
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00:16 22.03.2019
Im vorderen Teil des Komplexes – an der Hildesheimer Straße – plant VW einen Schauraum, es folgen die Werkstatträume sowie ein mehrgeschossiges Parkhaus. Quelle: Volkswagen Automobile Hannover / Stadtplanungsamt
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Wülfel

Die Stadt hat in der vergangenen Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel eine Drucksache über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das neue VW-Autohaus an der Hildesheimer Straße 451 vorgelegt. Unmittelbar an der dort in einem Zickzack-Kurs verlaufenden Stadtgrenze von Hannover und Laatzen will Volkswagen ein 19-Millionen-Euro-Neubauvorhaben verwirklichen. Das mehrteilige Gebäude in Wülfel wird das 1,3 Kilometer entfernte Autohaus von Bischoff & Hamel ersetzen, das dortige Grundstück zwischen Hildesheimer und Loccumer Straße wird dann frei für andere Nutzungen wie Wohnungen oder Gewerbe. Doch die rot-grüne Mehrheit im Bezirksrat verhinderte eine Abstimmung über die Vorlage der Stadt: Die SPD sah noch Beratungsbedarf und zog die Drucksache in die Fraktion. Nun kann das Gremium erst im Mai entscheiden.

Das neue Autohaus soll auf einer Brache an der Stadtgrenze von Hannover und Laatzen gebaut werden. Quelle: Michael Zgoll

Auf dem Gelände zwischen altem Siemens-Gebäude und Sirius Business Park war bis 2009 Iveco Nutzfahrzeuge angesiedelt. Um den Jahreswechsel 2017/2018 herum wurden die Firmengebäude abgerissen. Inzwischen gehört das 13.300 Quadratmeter große Areal der Volkswagen Group Real Estate in Wolfsburg. Diese will das Autohaus Süd für die Firma VW Automobile Hannover und Region Hannover errichten, zu der die Autohäuser Bischoff & Hamel, Podbi und Nordstadt sowie Langenhagen, Lehrte und Burgwedel gehören.

Das geplante Gebäude umfasst drei Teile. Im vorderen Bereich, an der Hildesheimer Straße, sind die Schau- und Verkaufsräume für Neuwagen sowie der Ersatzteilverkauf untergebracht. In der oberen Etage des 13 Meter hohen Gebäudes ist eine Parkfläche für Gebrauchtwagen vorgesehen. Im mittleren Bereich befinden sich Werkstatträume und zwei Waschanlagen, daran schließt sich ein Parkhaus mit vier Etagen an. Insgesamt ist auf dem Grundstück Platz für 530 Fahrzeuge. Der neue Standort soll zunächst 115 Arbeitsplätze bieten (ein gutes Dutzend mehr als im alten Autohaus). Es wird zwei Elektro-Schnellladesäulen mit vier Ladepunkten geben; auch will VW für Kunden, die einen Ersatzwagen brauchen, E-Autos vorhalten. Auf dem Dach des vorderen Gebäudeteils ist eine große Fotovoltaik-Anlage geplant.

Nach dem Umzug wird das bisherige Firmengelände von Bischoff & Hamel frei. Quelle: Michael Zgoll

Laut Projektmanager Jan Zander beträgt die Bauzeit 14 bis 16 Monate. Allerdings sei es aufgrund der Vertagung durch den Bezirksrat fraglich, ob VW Immobilien noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen könne. Das Vorhaben hat sich laut Philipp Sandt, Geschäftsführer von VW Automobile Hannover, eh schon erheblich verzögert, da es Genehmigungsprobleme mit der Stadt gab. Eigentlich ist auf dem Gewerbe- und Industriegelände an der Stadtgrenze die Ansiedlung von Einzelhandel verboten; da die Verwaltung aber zu dem Ergebnis kam, dass ein Neu- und Gebrauchtwagenverkauf keinen Einfluss auf andere Einzelhandelsstandorte hat, wurde für VW ein vorhabenbezogener Bebauungsplan auf den Weg gebracht – der jetzt auf Eis liegt.

Nach Auskunft von Geschäftsführer Sandt musste der VW-Händler den Mietvertrag am alten Standort entgegen früheren Planungen bereits verlängern – was mit unerwarteten Mehrkosten verbunden war. Eigentlich habe man schon viel früher umziehen wollen, da das bestehende Gebäude viel Energie verbrauche und man am neuen Standort auf umweltfreundliche Weise Strom erzeugen könne. „Wir stehen unter Druck, zumal die Mietsituation am alten Platz unsicher ist“, erläuterte Sandt. Doch obwohl CDU-Fraktionschefin Gabriele Jakob das Neubauvorhaben als „super“ bezeichnete und mehrere Politiker die SPD baten, sich zu einer Abstimmung durchzuringen, blieb Rot-Grün hart und sah keine Dringlichkeit des Antrags.

Kommentar: Rot-Grün hält den Verkehr auf

Na, mögen sich SPD und Grüne im Bezirksrat Döhren-Wülfel händereibend gesagt haben, da haben wir es dem Weltkonzern VW aber mal so richtig gezeigt. Weil die Sozialdemokraten die Drucksache zum Bebauungsplan für ein neues Autohaus partout in die Fraktion ziehen wollten, kann das Gremium nun erst im Mai über das 19 Millionen Euro teure Bauprojekt abstimmen. Und damit gerät das Vorhaben des VW-Bauherrn aus Wolfsburg und des hannoverschen Autohändlers noch weiter in Verzug.

Auch die nahezu flehentlichen Bitten der CDU, doch bitte gleich über die Vorlage abzustimmen – gegebenenfalls nach einer Sitzungsunterbrechung –, halfen nichts. Dass sich VW-Verantwortliche im Freizeitheim für Nachfragen aller Art andienten – egal. Man habe schon so lange auf eine Bebauung des früheren Iveco-Areals gewartet, meinte SPD-Fraktionschef Jens Schade, da komme es auf zwei Monate mehr auch nicht an. Doch solch eine Haltung kann man getrost als borniert und rücksichtslos gegenüber einem Investor bezeichnen, dessen Neubauprojekt Strahlkraft weit über Wülfel hinaus besitzt.

Es ist ja richtig: Die Drucksache der Stadt erreichte das Gremium mit relativ wenig Vorlauf zur Bezirksratssitzung. Doch um vier Seiten Text und vier Seiten mit Abbildungen zu erfassen und darüber zu beratschlagen, braucht es keine Ewigkeit. Was für Fragen wollen SPD- und Grünen-Politiker denn im Mai stellen, die sich nicht schon vergangene Woche hätten stellen können? Oder wollen sie das Vorhaben ernsthaft torpedieren?

Für den VW-Konzern zieht die Bockigkeit von Rot-Grün erhebliche Mehrkosten und einen Holperstart ins für Volkswagen im Jahr 2020 beginnende Zeitalter der E-Mobilität nach sich, die Kunden im südlichen Hannover und in Laatzen müssen einige Zeit länger auf ein darauf ausgerichtetes Autohaus warten. Zur Debatte, warum Bauvorhaben in Deutschland oft so quälend lange dauern, hat die Bezirksratsmehrheit aus Döhren-Wülfel damit ihr Scherflein beigetragen.

Von Michael Zgoll

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