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Nachrichten Hannover Hannover gehört zu den fahrradfreundlichsten Städten Deutschlands
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00:20 12.04.2019
Eine Zählstelle für den Radverkehr am Maschsee. Die Stadt will erreichen, dass die Werte weiter steigen. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Platz zwei in der neuesten Studie zur Fahrradfreundlichkeit in Städten: Außer in Bremen bewerten Radler das Klima in keiner anderen deutschen Großstadt so gut wie in Hannover. Nimmt man die 39 Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern als Richtschnur, belegt Niedersachsens Landeshauptstadt Platz fünf hinter dem Primus Karlsruhe, dem früheren Abonnementssieger Münster sowie Freiburg und Bremen. Damit verteidigt Hannover seinen Rang von vor zwei Jahren, sinkt aber in der Benotung leicht ab. Ohnehin reicht eine eher mäßige Note für die Platzierung im Vorderfeld.

1184 Teilnehmer in Hannover

Den Test führte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) durch, ohne dass Mitgliedschaft Bedingung für die Teilnahme war. Vorgelegt wurde ein Katalog mit 27 Fragen, den in Hannover 1184 Einwohner ausgefüllt haben. Die Fragen decken alle Bereiche des Fahrradfahrens ab; gewertet wird nach dem Schulnotensystem. Hannover erreicht eine Durchschnittsnote von 3,77 – 2016 war es 3,55. Zum Vergleich: Der Sieger Karlsruhe kommt auf 3,15. Der ADFC nennt die Gesamtergebnisse der bundesweiten Befragung denn auch ernüchternd: „Das Fahrradklima hat sich weiter verschlechtert“. Besonders besorgniserregend sei der Trend, dass sich Menschen beim Radfahren wegen zu schmaler Radwege und der häufig fehlenden Trennung von Rad- und Autoverkehr immer unsicherer fühlten.

ADFC sieht keinen Grund zum Feiern

Auch Eberhard Röhrig-van der Meer, Sprecher des ADFC in Hannover, reagiert eher kritisch: „Der zweite Platz im Großstädtevergleich ist angesichts der Note kein Grund zum Feiern“. Offensichtlich fühlten sich die Radfahrer zu oft gefährdet oder ausgebremst. Dies erkläre auch, warum der Anteil der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr in Landeshauptstadt stagniere und nicht wie gewünscht steige. Röhrig-van der Meer fordert die Stadt auf, konsequenter die Infrastruktur für den Radverkehr auszubauen und ihm entsprechend Platz einzuräumen. Schelte gibt es auch für das Bundesverkehrsministerium. Dieses lasse die Kommunen bei der Förderung des Radverkehrs allein. „Verkehrspolitik findet immer noch vorrangig durch die Windschutzscheibe statt“, bemängelt der ADFC-Sprecher.

Überdurchschnittliche Noten für das Wegenetz

Hannover punktet beim aktuellen Klimatest überdurchschnittlich beim Radwegenetz, wozu unter anderem die Kategorien „Erreichbarkeit des Zentrums“, „zügiges Radfahren möglich“ und „Wegweisung“ zählen. Den besten Wert erteilen die Radfahrer für die Möglichkeit, einige Einbahnstraßen auch in Gegenrichtung befahren zu dürfen. Schlechte Noten dagegen gibt es im Bereich „Stellenwert des Radfahrens“. Unterrubriken sind hier etwa die Ampelschaltungen oder die Verkehrsführung in Baustellen. Eine glatte fünf und damit die mieseste Einzelbewertung überhaupt hagelt es in der Rubrik „Falschparkerkontrolle auf Radwegen“.

Durchgängig im gesamten Bundesgebiet kritisieren die Klimatest-Teilnehmer die Lage im Kapitel Sicherheit. In Hannover betrifft dies vor allem den Punkt „Konflikte mit Kraftfahrzeugen“. Andererseits ist das allgemeine Sicherheitsgefühl mit der Note 3,9 deutlich besser als im Bundesschnitt.

Wennigsen erreicht den Bestwert in der Region

Beteiligt an der Umfrage haben sich auch Fahrradinteressierte aus weiteren Städten in der Region. Auffällig dabei ist die Durchschnittsnote 3,13 für Wennigsen, das damit in seiner Kategorie den Spitzenrang auf Landesebene und immerhin Platz 15 unter 186 Städten und Gemeinden im Bundesgebiet belegt. Im benachbarten Barsinghausen dagegen liegt die Note bei 4,31; die Deisterstadt ist im Regionsvergleich Schlusslicht. Besser als Hannover schneiden unter anderem Burgdorf (3,49) und Hemmingen (3,52) ab, etwas schlechter Garbsen (3,88) und Langenhagen (3,91).

So ist der ADFC vorgegangen

Beim Klimatest des ADFC handelt es sich um eine bundesweite Umfrage im Internet, an der vom 1. September bis zum 30. November 2018 insgesamt knapp 170.000 Bürger aus 683 Städten und Gemeinden teilgenommen haben. Beides sind Rekordwerte in der seit 2004 im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführten Erhebung. Die Ergebnisse gelten als relevant, weshalb der Test auch durch das Bundesverkehrsministerium unterstützt und finanziell gefördert wird. Für die Ranglisten teilt der ADFC die Städte nach Einwohnerzahl in Kategorien ein.

Nach Angaben der Fahrradlobby waren nur rund 15 Prozent der Befragten ADFC-Mitglieder. Andererseits bezeichneten sich 75 Prozent sowohl als Rad- als auch als Autofahrer, kennen also beide Perspektiven aus Sicht der Verkehrsteilnehmer. „Die Befragung ist nicht repräsentativ. Vergleiche mit anderen Studien haben aber gezeigt, dass eine sehr hohe Aussagekraft der Ergebnisse gegeben ist“, teilt der ADFC mit.

Generell soll der Test beleuchten, wie es um die Fahrradfreundlichkeit in den Städten und Gemeinden bestellt ist, wo diese punkten können und wo Verbesserungen erforderlich sind. „Die Alltagserfahrungen der Radfahrer geben den politisch Verantwortlichen lebensnahe Rückmeldungen“, erklärt der Fahrrad-Club. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat bereits angekündigt, den Radverkehr mit gesetzlichen Änderungen attraktiver und nutzerfreundlicher machen zu wollen.

Lesen Sie auch: Umfrage: Das sind die fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands

Von Bernd Haase

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