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Hannover Stadt plant massiven Abbau von Hortplätzen
Nachrichten Hannover Stadt plant massiven Abbau von Hortplätzen
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18:47 22.10.2018
Horte in Grundschulen wie dieser in der Grundschule Mengendammsollen dem Willen der Stadtverwaltung zufolge langfristig in den Ganztagsbereich überführt werden. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Die Stadt plant im Rahmen der Qualitätsoffensive Grundschulkinderbetreuung einen massiven Abbau von Hortplätzen. 428 Hortplätze sollen allein bis 2019 wegfallen oder sind sogar schon weggefallen. 281 davon werden bis zu diesem Zeitpunkt in Kitas und Krippen umgewandelt sein. Die restlichen Plätze soll in den Ganztagsbereichen von Grundschulen aufgehen. Das sieht der sogenannte Stufenplan der Grundschulkinderbetreuung vor, der am Montag Thema im Jugendhilfeausschuss war. Auf lange Sicht will die Stadt sogar insgesamt 1276 Plätze in sogenannten außerschulischen Betreuungsangeboten in den Ganztag überführen oder in Kita- und Krippenplätze umwandeln. Dazu gehören neben Hortplätzen auch andere Betreuungsangebote wie die sogenannten innovativen Modellprojekte oder schulergänzende Betreuungsmaßnahmen. Die Stadt erhofft sich von dieser Qualitätsoffensive erhebliche Einsparungen. Die Verwaltung rechnet allein durch den Wegfall der 428 Hortplätze bis 2019 mit möglichen Einsparungen von mehr als zwölf Millionen Euro.

Die Wohlfahrtsverbände der Stadt – darunter Arbeiterwohlfahrt, Paritätischer und Diakonie – übten im Ausschuss heftige Kritik . Sie sind Träger vieler Horte. Durch die Pläne der Stadt wäre der Fortbestand der Horte insgesamt massiv gefährdet, sagte Burkhard Teuber, Geschäftsführer der AWO Region Hannover. Eltern würden der Betreuungsalternative Hort oder Ganztagsschule langfristig vollkommen beraubt. Ein Zusatzantrag der CDU ging in eine ähnliche Richtung: Es müsse sichergestellt sein, dass das Angebot an Horten im Einzugsgebiet einer Grundschule unabhängig vom schulischen Ganztag bestehen bleibe, sofern die Nachfrage bestehe, sagte Lars Pohl (CDU) gestern. Jugenddezernentin Rita Maria Rzyski und Vertreter aller Fraktionen des Ampelbündnisses hielten dem entgegen, dass die Stadt in der Vergangenheit finanziell bereits intensiv in die Qualität von Ganztagsgrundschulen intensiviert habe. Man habe die Investitionen im Ganztagsbereich von 13 auf 20 Millionen Euro gesteigert, sagte Christopher Finck (SPD). Die Nachfrage würde dort immer größer, deshalb müsse man reagieren. Zusätzliche Räume, um die Nachfrage nach Ganztagsplätzen zu bedienen, könne man sich aber nicht aus den Rippen schneiden, sagte Rzyski. Deshalb sei langfristig ein Aufgehen der Horte in den Ganztagsbereich in Ganztagsschulen unumgänglich. Im Jugendhilfeaussschuss fand sich am Ende eine Mehrheit für den CDU-Antrag, mit dem die Stadt sicherstellt, dass Horte bei entsprechender Nachfrage neben Ganztagsangeboten weiter bestehen können. In diesem Ausschuss sind – anders als in anderen Fachausschüssen und im Rat – allerdings auch Mitglieder freier Verbände stimmberechtigt.

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Beim Abbau der Hortplätze am Standort Grundschule sind die Pläne der Stadt schon sehr konkret. In Hannover gibt es derzeit in 16 Ganztagsgrundschulen zusätzlich noch andere Betreuungsformen: 25 Horte und außerschulische Betreuungsformen mit insgesamt 484 Plätzen. Dazu gibt es sieben Schulen, die mittelfristig Ganztagsschulen werden wollen. An diesen Grundschulen sind der Stadt zufolge zusätzlich 19 außerschulische Gruppen mit 364 Plätzen integriert. Sie alle sollen langfristig in Ganztagsplätze umgewandelt werden.

Von Jutta Rinas

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