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Hannover Kliniken sollen Patientenbeauftragte einsetzen
Nachrichten Hannover Kliniken sollen Patientenbeauftragte einsetzen
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06:33 26.01.2015
Von Veronika Thomas
Die Aufgaben und Befugnisse der unabhängigen Patientenbeauftragten werden über die der Lotsendienste weit hinausgehen. Quelle: Christian Charisius/dpa
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Hannover

Der Gesetzentwurf der Niedersächsischen Landesregierung, zum 1. Juli in jeder Klinik mindestens einen unabhängigen Patientenbeauftragten einzusetzen, stößt in den hannoverschen Krankenhäusern auf ein geteiltes Echo. Das Vinzenzkrankenhaus arbeitet bereits an der Umsetzung; andere Häuser sehen die Notwendigkeit zur Stärkung der Patientenrechte und wollen der geplanten Novelle des Niedersächsischen Krankenhausgesetzes nachkommen. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) betrachtet die Pläne des Landes jedoch mit Skepsis.

„Die MHH verfügt über ein hervorragend organisiertes Beschwerdemanagement. Für unsere Klinik könnte es schwierig werden, jemanden zu finden, der die Aufgabe einer ehrenamtlichen Patientenbeauftragten übernehmen will: Als größte Klinik im Land versorgen wir 60 000 stationäre und 150 000 ambulante Patienten pro Jahr”, sagt MHH-Sprecher Stefan Zorn.

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Das Kinderkrankenhaus Auf der Bult hält die Idee, unabhängige Patientenbeauftragte in allen Krankenhäusern des Landes einzusetzen, grundsätzlich für gut, hat aber noch eine Reihe von Fragen: Welche Befugnisse hat diese Person? Hat sie ein eigenes Büro? Wie ist sie erreichbar? „Das muss von der Politik noch genauer definiert werden“, sagt Kliniksprecher Björn-Oliver Bönsch. „Wir haben außerdem ein professionelles Beschwerdemanagement, einen ehrenamtlichen Begleitdienst für Patienten und einen Dolmetscherdienst, weil die Zahl der Eltern unserer kleinen Patienten wächst, die kaum Deutsch sprechen.“

Vinzenzkrankenhaus bereitet sich vor

Das Vinzenzkrankenhaus in Kirchrode ist schon einen Schritt weiter. „Dieser Vorstoß trifft uns nicht unvorbereitet, das Thema war schon länger in der Diskussion“, sagt der ärztliche Direktor Jens Albrecht. Im März wollen sich alle Krankenhäuser des Vinzenz-Verbundes mit insgesamt fünf Kliniken zusammensetzen, um zu einer einheitlichen Lösung zu kommen. Mit am Tisch sollen auch der Krankenhausbesuchsdienst und die Selbsthilfegruppen sitzen. „Der Gesetzgeber muss noch etwas nachsteuern“, sagt Albrecht. Noch stünde nicht fest, welche Befugnisse der oder die Patientenbeauftragte habe und in welche Strukturen sie eingebettet sein soll.

Das Klinikum Region Hannover (KRH)mit seinen elf Häusern steht erst am Anfang der Planungen zum flächendeckenden Einsatz ehrenamtlicher Patientenbeauftragter. „Grundsätzlich befürworten wir das Instrument zur Stärkung der Patientenrechte und werden es den Vorgaben entsprechend umsetzen“, erklärt Prof. Thomas Moesta, KRH-Geschäftsführer Medizin. KRH-Sprecher Bernhard Koch verweist auf eine Reihe von Einrichtungen, die es schon jetzt für Patienten gebe. Dazu zählten der Patientenservice einschließlich Lotsen- und Besuchsdienst, das klinische Ethikkomitee, das Beschwerdemanagement und das sogenannte Case Management (früher: Sozialdienst), das Patienten von der stationären Aufnahme bis zur nachstationären Versorgung begleite.

Ähnlich argumentieren auch die Diakonischen Dienste. „Die von der Landesregierung ins Spiel gebrachte Position der Patientenbetreuung wird im Henriettenstift und im Friederikenstift zum einen durch eine regelmäßige Patientenbetreuung der ‚Grünen Damen‘ übernommen, die im Lotsendienst, in der Bücherei und in der Alltagsbegleitung, im Ethikkomitee und an weiteren Stellen tätig sind“, sagt DDH-Sprecher Achim Balkhoff. In allen drei Häusern sei außerdem ein Beschwerdemanagement installiert.

Das plant die Landesregierung

Jedes Krankenhaus in Niedersachsen 
soll vom 1. Juli an einen Patientenbeauftragten haben. Das sieht ein Entwurf zur Änderung des Niedersächsischen Krankenhausgesetzes von SPD und Grünen im Landtag vor. Damit reagiert die Koalition auch auf die mutmaßlichen Patientenmorde in Oldenburg, aber nicht nur. Zurzeit wird der Gesetzentwurf im Sozialausschuss des Landtags beraten. Noch nicht geklärt ist beispielsweise, welche Qualifikationen die Ombudsleute haben sollen und welcher Schulungsbedarf dafür notwendig ist. Die Patientenbeauftragten sollen eine Mittlerrolle zwischen Patienten und deren Angehörigen sowie dem Klinikpersonal einnehmen und sich persönlich um Beschwerden kümmern. Mitarbeiter der Krankenhausträger sollen nicht in die Funktion der Patientenbeauftragten berufen werden dürfen. Ihr Amt soll vielmehr ehrenamtlich ausgeübt werden, damit kein Abhängigkeitsverhältnis zum jeweiligen Krankenhausträger entsteht. Gleichwohl sollen sie eine Aufwandsentschädigung erhalten, die jedoch die Kliniken zahlen sollen. Vorgesehen ist, die Patientenbeauftragten als Interessenvertretung von Patienten und Angehörigen sowie einen Stellvertreter oder eine Stellvertreterin für mindestens fünf Jahre zu benennen.

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