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Hannover Kann Hannover Kulturhauptstadt, Frau Beckedorf?
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00:16 04.04.2019
„Hannover hat gezeigt, dass es derartige Großveranstaltungen ausrichten kann“: Hannovers Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf im Gespräch mit der HAZ. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Frau Beckedorf, Hannover will
2025 Kulturhauptstadt Europas werden
. Aber von der Bewerbung haben viele Hannoveraner bisher kaum etwas bemerkt. Das Thema bleibt abstrakt. Wann geht es endlich richtig los?

Es ist kein Wunder, dass die Begeisterung für eine solche Bewerbung erst wachsen muss. Wir sprechen ja auch von einem Projekt, dass erst in sechs Jahren wirklich sichtbar und greifbar wird. Wir merken aber: Alle Menschen, die mit dem Thema in den zahlreichen Gremien oder bei unserer Kiosktour in Kontakt kommen, sind sehr engagiert und bleiben auch dabei. Mit der Abgabe des Bid Books wird es dann konkret.

Wie müssen wir uns dieses Bid Book, diese Bewerbungsmappe, vorstellen? Mit Foto vom Oberbürgermeister und einer Leistungsschau der Stadt?

Der Kern der Bewerbung ist keine Leistungsschau der Stadt. Wir müssen zeigen, dass wir ein starkes inhaltliches Konzept haben. Das Bid Book kann man sich eher vorstellen wie eine Geschichte, eine Vision Hannovers, wie sich die Stadt mit der Leitidee „Hier. Jetzt. Alle – für Europa“ in der Zukunft weiter entwickeln kann. Wir werden ein perfekt durchgestaltetes Buch mit 60 Seiten Text, Fotos und Grafiken abgeben. Darin müssen wir 38 vorgegebene Fragen beantworten – von Fragen zur Infrastruktur Hannovers bis hin zu den künstlerischen Inhalten.

Das hört sich noch immer ziemlich allgemein an. Wann wird es konkreter?

Im Juni. Dann stellen wir der Öffentlichkeit unsere Leuchtturmprojekte vor. Das können Investitionen und Erweiterungen von bestehenden kulturellen Angeboten sein, die ohnehin auf der Agenda stehen, aber auch große Projekte und Veranstaltungen wie Festivals. Wir denken groß. Fünf bis zehn solcher Leuchttürme werden wir im ersten Bid Book kurz skizzieren und im zweiten Bid Book konkretisieren.

Geben Sie uns bitte Beispiele!

Dazu kann ich noch nichts Genaueres sagen. Wir richten gerade „Think Tanks“ ein, Denkfabriken, die sich Konzepte für unsere Leuchttürme – große Projekte für die Zukunft – überlegen. Daran werden Experten aus verschiedenen Bereichen teilnehmen, etwa aus Kultur, Wissenschaft, Architektur und Sozialwesen. Anfang Juni werden wir unsere Leuchtturmprojekte präsentieren.

Bekommt Hannover dann
möglicherweise doch ein Konzerthaus
?

Zählt zu den Leuchtturmprojekten auch der
Erhalt der Herrenhäuser Gärten
und die 20 Millionen Euro, die dafür nötig sind?

Auch Herrenhausen wird sicherlich eine Rolle spielen.

Der Zeitplan für die Abgabe des Bid Books ist sehr knapp. Hand aufs Herz: Eigentlich ist die Mappe doch schon in groben Zügen fertig, oder?

Nein, aber wir haben natürlich schon die Vorarbeit erledigt, um alle Fragen beantworten zu können. Ab Ende Juni gehen die Kollegen vom Kulturhauptstadtbüro in Klausur und erstellen das Bid Book. Zudem müssen wir uns überlegen, wie wir unsere Bewerbung im Dezember vor der Jury präsentieren.

Darin haben Sie schon Übung. Wird es erneut eine künstlerische Präsentation geben, wie zuletzt bei der
Präsentation der Leitidee durch Schauspieler in der Orangerie
?

Das ist durchaus vorstellbar. Unser strategischer Berater, Oeds Westerhof, hat uns bereits Hinweise gegeben, wie wir unseren Auftritt choreografieren sollten. Die Präsentation ist nicht unwichtig, schließlich wollen wir in die nächste Runde kommen.

Falls das klappt: Wie geht es für die Stadt weiter?

Wir erstellen ab Januar 2020 ein zweites Bid Book, das wir im September 2020 einreichen müssen. Darin wird es schon konkret um das Veranstaltungsprogramm für das Jahr 2025 gehen.

Kommen wir auf Finanzen zu sprechen. Wie viel kostet die Kulturhauptstadt?

Wir planen 50 Millionen Euro für das Programm ein und etwa 30 Millionen Euro als Prozessgeld. Damit meine ich das Budget für die Organisation des Kulturhauptstadtjahrs. Die Summe wird nicht komplett aus dem Haushalt der Stadt Hannover bezahlt, aber überwiegend aus öffentlichen Geldern. Bei allen Kulturhauptstädten gibt es ähnliche Finanzierungsstrukturen aus Geldern von Bund, Land, Region und Stadt. Darüber hinaus müssen Drittmittel akquiriert werden. Wir hoffen auf Fördergelder von zehn Millionen Euro aus der Wirtschaft. Die Kosten für die Stadt Hannover werden sich im zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Das Land hat sich bisher zurückgehalten. Das dürfte daran liegen, dass sich mit Hildesheim eine weitere Stadt aus Niedersachsen um den Titel bewirbt. Hätte man das nicht besser koordinieren können?

Wir sprechen lieber von Mitbewerbern als von Konkurrenten. Zusammen mit Hildesheim werden wir unsere Leitideen demnächst in Brüssel und Berlin vorstellen. Das Land Niedersachsen wird zunächst beide Städte bei ihrer Bewerbung unterstützen. Diejenige Kommune, die in die nächste Runde kommt, wird dann weitergefördert. Im Übrigen ist es nicht ungewöhnlich, dass sich mehrere Städte aus einem Bundesland bewerben. In Sachsen gehen Chemnitz, Dresden und Zittau ins Rennen.

Ist es gegenüber diesen Mitbewerbern ein Vorteil oder ein Nachteil, dass Hannover damals den Zuschlag zur Expo bekommen hat?

Hannover hat gezeigt, dass es derartige Großveranstaltungen ausrichten kann. Die Kulturhauptstadt ist allerdings etwas völlig anderes als die Expo. Sie wird das ganze Zentrum betreffen, nicht ein extra neu geschaffenes Areal am Stadtrand.

Noch spürt man in Hannover kein Kulturhauptstadt-Feeling, keine Vorfreude auf das mögliche Großereignis. Woran liegt das?

Das Interesse wächst beständig. Bei unseren festen Terminen mit Kulturschaffenden kommen immer mehr Menschen. Wenn wir, wie gerade vor Vertretern der Industrie- und Handelskammer Hannover oder des Rotary-Clubs, über die Bewerbung sprechen, ist die Aufmerksamkeit bereits hoch. Wir können aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwarten, dass Tausende Hannoveraner der Kulturhauptstadt entgegenfiebern. Dazu ist die Zeitspanne zu lang. Ich bin aber überzeugt, dass spätestens, wenn wir in die zweite Runde kommen, alle begeistert sein werden.

Und Hannover erringt tatsächlich den Titel?

Davon gehe ich aus.

Werden Sie dann noch Kulturdezernentin sein?

Kultur spielt eine große Rolle in allen Bereichen der Stadt. Auch im Sozialbereich, für den ich ja auch zuständig bin. Kultur ist der Kitt in unserer Gesellschaft. Die Aufgabe als Kulturdezernentin macht mir großen Spaß und ich blicke daher gespannt in die Zukunft.

Zur Person: Konstanze Beckedorf

Konstanze Beckedorf ist seit 2016 Sozial- und Sportdezernentin. Im August vergangenen Jahres übernahm sie zusätzlich das Kulturdezernat. Das hat mit der Rathausaffäre zu tun. Kulturdezernent Harald Härke wurde vom Dienst suspendiert. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelte gegen ihn wegen Untreueverdachts. Ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, wird sich in drei Wochen herausstellen.

Die Turbulenzen im Rathaus führten dazu, dass Hannovers Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 monatelang stagnierte. Dann übernahm Beckedorf und stellte ein neues Team zusammen, das sich jetzt verstärkt um das Verfahren kümmert.

Die 58-jährige Juristin hatte nach ihrem Studium zunächst im Rechtsamt der Stadt Lüneburg gearbeitet. Von dort aus wechselte sie als Sozialdezernentin zur Gemeinde Wedemark. Dort war Beckedorf zehn Jahre im Amt, bevor sie sich um den Dezernatsposten in Hannover bewarb.

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