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Hannover SPD kürt Hansmann mit 99 Prozent zum OB-Kandidaten
Nachrichten Hannover SPD kürt Hansmann mit 99 Prozent zum OB-Kandidaten
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00:18 01.07.2019
„Ich brenne auf diesen Job.“ Hansmann nach seiner Wahl. Quelle: Michael Wallmueller
Hannover

Das Festzelt Alt-Hanovera wird in die Geschichte der SPD eingehen – so oder so. Gegenüber von Eisermanns Wurst-Braterei und dem Riesenrad, wo es für Passagiere mal rauf und mal runter geht, umspült von Rummsbumms-Musik angrenzender Schleuder- und Drehgeschäfte, wählten Hannovers Sozialdemokraten am Freitag ihren neuen Bewerber für das Amt des Oberbürgermeisters. Und waren offensichtlich froh, nach langer Krise im Rathaus einem Genossen wieder zujubeln zu können.

Dass dies Marc Hansmann, 48, sein würde und die Abstimmung nur Formsache, wurde schon beim Einmarsch klar. Im weißen Hemd, strahlend wie meist und in die Menge winkend, betrat der Sozialdemokrat das stickige Zelt. 141 Delegierte standen auf von ihren hölzernen Sitzbänken und klatschten minutenlang, nun beschallt von Musik der Versammlungsregie. Der Kandidat umarmte Minister Boris Pistorius und Doris Schröder-Köpf und winkte mit hochgerissenen Armen den Freundinnen und Freunden zu. Hinter Hansmann folgte Stephan Weil, Ministerpräsident des Landes, früher selbst Rathauschef in Hannover und Vorgesetzter von Hansmann, der dort als Kämmerer wirkte und später als Finanzchef zum kommunalen Energieversorgers Enercity wechselte.

Ministerpräsident erinnert an Hansmann als „frechen Juso“

Weil erinnerte an düstere Zeiten der SPD, den Rückzug von Stefan Schostok. „Sein Rücktritt war unausweichlich und sehr, sehr bitter“, sagte Weil, „aber Stefan wird immer Teil der hannoverschen SPD bleiben.“ Auch dafür gab es Applaus. Doch nach diesem „Tiefpunkt“ mit Schostok warb Weil für den 48-jährigen Hansmann. Einen Kandidaten mit solch einem Lebenslauf in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik habe keine andere Partei vorzuweisen, rief Weil den Genossen im Zelt zu. Er kennt Hansmann noch als „frechen Juso ohne Angst vor Autoritäten“.

Der CDU-Bewerber Eckhard Scholz, derzeit Braunschweiger Bürger? Weil nannte ihn einen „sehr, sehr guten Automanager“. Aber eine Stadtverwaltung sei ein Paralleluniversum, sagte Weil, und setzte noch eine regionale Spitze: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Braunschweiger einen Hannoveraner zum OB wählen würden.“ Den Grünen Belit Onay lobte er als feinen Kerl, bloß leider „ohne Leitungs- und Führungserfahrung“.

Hansmanns Programm: Investitionen in Wohnen und Bildung

Zeit für Hansmann, seine Parteifreunde auf den Wahlkampf vorzubereiten. In einer Dreiviertelstunde entwarf er ein farbenprächtiges Bild des künftigen Hannovers und ließ kaum ein Thema aus. Investitionen in Wohnungsbau, Nahverkehr und Bildung stehen auf seiner Agenda. Mieten sollen bezahlbar sein, kein Kind soll ohne Abschluss die Schule verlassen, Kitaplätze entstehen. Der öffentliche Nahverkehr soll attraktiver werden, ein durchgängiges Radwegenetz ist im Plan. Zudem soll Hannover die „Hauptstadt der Elektromobilität“ werden und Deutschlands modernste Stadtverwaltung bekommen. Das kostet Geld, natürlich, sagte der Kandidat und kündigte an, „für Investitionen in Schulen oder Kitas“ auch Kredite aufnehmen zu wollen.

Am Ende kam es, wie es kommen sollte, schließlich hatte der Parteivorstand Hansmann bereits vor Wochen nominiert und auf eine Vorstellungstournee durch Ortsvereine geschickt. Mehr als 99 Prozent stimmten für Marc Hansmann, den neuen Hoffnungsträger, den die Genossen nach der Rathausaffäre früher bestimmen mussten als gedacht. Die Wahl wird zeigen, ob im Festzelt die jahrzehntelange Ära sozialdemokratischer Oberbürgermeister ihren Fortgang nahm oder ihr Ende fand.

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Von Gunnar Menkens

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