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Hannover Neues Technologiezentrum: Komatsu entwickelt in Hannover die virtuelle Baustelle
Nachrichten Hannover Neues Technologiezentrum: Komatsu entwickelt in Hannover die virtuelle Baustelle
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19:04 28.09.2019
Virtuelle Testfahrt: André Wohlers wird in dem Mobilbagger-Simulator während der Steinbrucharbeiten kräftig durchgeschüttelt. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Die Baggerfahrerkabine wird kräftig durchgerüttelt und -geschüttelt, als André Wohlers mit dem Gerät im Steinbruch rangiert. Als er bei der Geradeausfahrt eine Rampe verpasst, stürzt das Gerät fast einen Abhang hinab. Servomotoren schleudern den Komatsu-Vertriebschef in seinem Sitz zur Seite. Die Kollegen frotzeln: „In der Realität hätte das jetzt eine halbe Million Euro gekostet.“ Hat es aber nicht: Wohlers sitzt in einem Simulator. Dem ersten seiner Art, entwickelt im Wesentlichen von Ingenieuren in Hannover. In Kürze wird der oberste Komatsu-Vorstand aus Japan kommen und das Gerät bestaunen. „Wir sind stolz auf die Teamleistung, die dieses Projekt in Hannover ermöglicht hat“, sagt Geschäftsführer Göksel Güner.

Hightech auf dem alten Hanomag-Gelände

Stolz sein: Das darf man tatsächlich angesichts der tiefen Krisen, die dieser Standort in Linden-Süd zuletzt durchgemacht hat. Was heute Komatsu ist, das war ab 1871 die Hanomag (Langform: Hannoversche Maschinenbau AG). Sie fertigte schwere Lokomotiven und wendige Transporter, niedliche Kleinwagen wie das Komissbrot („Ein bisschen Blech, ein bisschen Lack, und fertig ist der Hanomag“) und brachiales Kriegsgerät – und zum Schluss vor allem Baumaschinen. Bis in den Achtzigerjahren Konkurse und Massenentlassungen den Standort prägten.

„Auf diesem Gelände wurde schon vor mehr als 100 Jahren Maschinenbaugeschichte geschrieben“: Hannovers Komatsu-Chef Güksel Güner vor dem neuen Technologiezentrum auf dem Hanomag-Gelände. Quelle: Katrin Kutter

Seit genau 30 Jahren hat nun die japanische Komatsu das Sagen, und offenbar hat sie zunehmend Vertrauen in ihre deutsche Tochtergesellschaft. Etwa 15 Millionen Euro hat der Konzern in ein modernes Technologiezentrum auf dem Gelände investiert, in dem etwa 150 Forscher und Ingenieure gemeinsam an neuen Maschinentypen tüfteln sollen.

Mehr als ein Männerspielzeug

Der Simulator, der für manche wie ein großes Männerspielzeug aussehen mag, ist dabei Ausdruck einer ganz neuen Philosophie. Längst verfügt der Steuerraum eines Baggers über mehr als die paar hydraulischen Steuerhebel der Vorgängergenerationen. Auf Grundlage von Drohnenbildern planieren Mobilbagger etwa auf Autobahnen GPS-gesteuert das Gelände, die Cockpits sind voll mit Schaltern und Monitoren. Am Simulator können künftig Baggerfahrer geschult werden, bevor sie auf dem firmeneigenen Testgelände Erfahrungen sammeln mit den echten Maschinengeschwistern. Eine Driving-Academy schwebt Güner vor.

Feiern mit dem Botschafter

An diesem Sonnabend feiert die fast 750-köpfige Komatsu-Belegschaft in Hannover den Neubau mit einem Familienfest. Für den kommenden Donnerstag ist dann die offizielle Eröffnung angesetzt. Zu der Zeremonie hat sich der oberste Komatsu-Chef Hiroyuki Ogawa aus Japan angemeldet, auch der japanische Botschafter Takeshi Yagi wird erwartet. Außer Wirtschaftsminister Bernd Althusmann kommt auch Hannovers Wirtschaftsdezernetin Sabine Tegtmeyer-Dette. Dass der japanische Industriekonzern mit weltweit 25 Fabriken und Europasitz in Brüssel 15 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung in Hannover investiert, gilt als starkes Bekenntnis zum Produktionsstandort.

„Wir entwickeln die digitale Baustelle

Zudem ist die Simulatortechnik so realistisch, dass sie ferngesteuertes Arbeiten ermöglicht an Stellen, an denen ein Bagger benötigt wird, aber der Einsatz von Menschen zu gefährlich oder zu kompliziert ist. „Wir entwickeln die digitale Baustelle“, verspricht Güner.

Im Simulator: Vertriebsingenieur Jan Sadowski kann im 4D-Raum des neuen Komatsu-Technologiezentrums fotorealistisch in die Verästelungen der Radlader-Antriebstechnik eintauchen. Quelle: Katrin Kutter

Zwei Etagen tiefer in dem neuen Technologiezentrum ist ein Tüftler-Zentrum eingerichtet, das Ingenieursherzen schneller schlagen lässt. In einem etwa zwölf Quadratmeter großen 4-D-Raum, dem sogenannten Cave, kann man sich fotorealistisch in die feinsten Verästelungen eines Komatsu-Radladerantriebs hineinzoomen und den Ölfilter wechseln, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Warum 4D? „Dreidimensional wäre der Raum auf den seitlichen Wänden“, sagt Vertriebsingenieur Jan Sadowski, während der mit einem virtuellen Schraubenschlüssel die virtuelle Blechverkleidung eines Radladers löst, „aber wir haben auch Projektionen auf dem Fußboden integriert, die vierte Dimension.“ Dort platziert er die Einzelteile, die er vom Fahrzeug abgeschraubt hat.

Autobahnbaustellen schneller dank effizienterer Baumaschinen?

„Auf diesem Gelände wurde schon vor mehr als 100 Jahren Maschinenbaugeschichte geschrieben“, sagt Güner. Der neue 4D-Raum sei Teil der digitalen Transformation, mit der Komatsu die Baustellen von morgen revolutionieren wolle. Effizienter und damit wirtschaftlicher würden Baustellen mithilfe der neuen Technik. Und werden damit möglicherweise auch Autobahnbaustellen künftig schneller fertig? „Mit den neuen Komatsu-Maschinen bestimmt“, sagt Güner augenzwinkernd. Er kann darüber bei der Eröffnung am kommenden Donnerstag mit dem für den Autobahnbau zuständigen Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann sprechen.

Hightech auf sechs Etagen: Erste Impressionen aus dem neuen Technologiezentrum, das am 2. Oktober 2019 eröffnet wird.

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Jährlich 2550 Bagger und Radlader

1984 waren nach schwerem Wirtschaftsbetrug und Konkursverschleppung alle Hanomag-Mitarbeiter entlassen worden. Heute werden auf dem Traditionsgelände wieder jährlich 2000 Radlader und 550 Mobilbagger produziert, fast 750 Mitarbeiter beschäftigt Komatsu Germany an dem Standort.

Der Neubau, entworfen von den HTMA-Architekten aus Hannover, setzt nicht nur mit seiner Hightech-Einrichtung Maßstäbe. Er soll fast ein Drittel weniger CO2 verbrauchen als vergleichbare Bauten, verfügt über Solartechnik auf dem Dach und Glasscheiben, die sich bei Sonneneinstrahlung selbst verdunkeln. Auf Knopfdruck ließen sie sich sogar zu 97 Prozent abdunkeln, sodass im Inneren Projektionen gezeigt werden können – ganz ohne Jalousien, sagt Verwaltungsleiter Alberto Salgueiro. Das Regenwasser wird in einem 10.000-Liter-Tank gespeichert und zum Gießen der Bäume auf dem Gelände genutzt. Mit dem Bauwerk wolle man der ökologischen Verantwortung und dem Klimawandel Rechnung tragen, sagt Hannovers Komatsu-Chef Göksel Güner. Und auch regionale Verwurzelung zeigen: Vor dem Gebäude steht ein Kunstwerk des Bildhauers Hartmut Stielow aus Ronnenberg-Bente.

Vorläufer der Hanomag war die 1835 gegründete Egestorffsche Eisengießerei, aus der 1871 die Hannoversche Maschinenbau AG hervorging. Seit 1917 ist sie auf dem Gelände nahe dem Deisterkreisel ansässig. Der Großteil des Areals wird inzwischen als Büro- und Wohngebiet, von Geschäften und zwei Baumärkten genutzt.

Von Conrad von Meding

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